Der "Papst aus Schweinfurt", der von 1974 bis 2010 Pfarrer in der Pfarrei St. Michael in Schweinfurt war, wie er auch genannt wird, erntete für seine direkten und provokativen Thesen oft Kritik innerhalb der katholischen Kirche. Warum, das wurde auch am Freitag in der Rügheimer Kirche deutlich, als er seine "17 Thesen" zum Tagesthema "Kirche und Toleranz" vortrug und sie mit Worten vom Reformator Martin Luther unterlegte. Aus katholischer Sicht, nicht römisch-katholisch wie er meinte, sah Pfarrer Breitenbach die Toleranz, die sich in den Gegensätzen des Fundamentalismus und der Mystik unterscheidet.

Während bei der Mystik die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung vorherrsche, würde beim Fundamentalismus andersdenkenden Christen ihr Christsein abgesprochen. Martin Luther sei seiner Zeit schon vorausgewesen, meinte Breitenbach, denn er hätte bereits damals den Geist der Freiheit hervorgehoben. Das katholische Lehramt würde sich noch heute nicht daran trauen, aber Glaube bestehe nicht in Dogmen. Gott wohne nicht in Institutionen, sondern im Menschen in vielfältiger Weise. Mit Jesus Christus sei etwas ganz Neues in die Welt gekommen, denn nicht der Mensch sei auf dem Weg zu Gott, sondern Gott kommt zu den Menschen. Christen erkenne man nicht an den Kleidern, sondern an der Liebe.

Nicht durch Ämter bestimmt

Die Freiheit des Christenmenschen ist eine Gabe des Heiligen Geistes, sagte Pfarrer Breitenbach. Kirche würde nicht durch Ämter bestimmt, sondern durch die Tischgemeinschaft, die es leider zwischen beiden Kirchen noch nicht gäbe. Die Stunde der Reformation durch die Gnade Gottes werde kommen, wenn wir auch nicht den Tag und die Stunde kennen würden.

Der Festgottesdienst wurde vom Bezirksposaunenchor unter Leitung von Jürgen Koch und Hans Schott an der Orgel musikalisch begleitet.

Landrat Rudolf Handwerker dankte dem Referenten aus Schweinfurt für das Thema Toleranz, denn diese sei niemanden in die Wiege gelegt. Bei Toleranz, was Ertragen, Erdulden und Aushalten bedeute, sei es schon schwierig, in der eigenen kleinen Umgebung das Anderssein der anderen zu akzeptieren. Bei Toleranz gehe es um Respekt, Wertschätzung, Akzeptanz, Anerkennung anderer Kulturen, Verhaltensweisen und Religionen, mahnte Landrat Handwerker. Jeder sollte deshalb angenommen und gleichberechtigt behandelt werden. Dass Toleranz in der Gesellschaft zugenommen hätte, zeigte er am Beispiel der "wilden Ehe", die früher verschrien war und heute völlig akzeptiert sei. Toleranz sei aber nach wie vor nicht selbstverständlich, erklärte Landrat Handwerker. "Toleranz ist ein Lernprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist".

Als bestes Beispiel von Toleranz im kirchlichen Bereich empfindet es der Kreischef, dass sich beide Kirchengemeinden in Ebern gemeinsam dafür engagieren, im Haus der ehemaligen Caritas-Sozialstation eine Unterkunft für Asylbewerber einzurichten und diese zu betreuen. Landrat Handwerker bedankte sich bei der evangelischen Kirche und ihren Mitarbeitern im Dekanat Rügheim für die vielen Dienste, die sie am Mitmenschen im Landkreis leistet.

Verdiente Mitarbeiter geehrt

Das Reformationstreffen am 31. Oktober im Dekanat Rügheim nutzt die evangelische Kirche auch dazu, verdiente Mitarbeiter zu ehren sowie Dank und Anerkennung für langjährige Dienste in den Kirchengemeinden zu sagen. Dekan Jürgen Blechschmidt sowie die Dekanatssynodalpräsidenten Gisela Schott und Gerhard Koch nahmen die Ehrungen der Mitarbeiter vor. Für 50 Jahre verschiedene Dienste als Sammlerin, Kirchenvorstand und soziales Engagement wie die Aktion "Lifegate Betschala" wurde Renate Becker von der Kirchengemeinde (KG) Rentweinsdorf geehrt. Ebenfalls für 50 Jahre als Organistin und Messnerin bekam Elli Gutjahr von der KG Schweinshaupten die Ehrung. Zu den Jubilaren 25 Jahre gehören Angela Hennig, KG Königsberg, Wolfgang Knauer, KG Junkersdorf, Karl-Heinz Koloch, KG Altershausen, Isolde Ulrich, KG Rügheim, Gertrud Valtin, KG Jesserndorf und Bernd Wacker, KG Uchenhofe