Olympische Spiele sind eine ernste Angelegenheit und alles dreht sich um Medaillen. Diese Meinung haben sicherlich die meisten Leute. Es ist aber eher ein Märchen, das der ehemalige Olympiasieger Dieter Baumann mit seinem Bühnenprogramm "Die Götter und Olympia" entzauberte.

Der einstige Spitzenläufer, der viele Jahre mit Dopingvorwürfen zu kämpfen hatte, stellte in seinem Kabarettauftritt in der Stadthalle in Eltmann Geschichten und Anekdoten aus dem olympischen Dorf mit Anstecknadeln, Partys und Kondomen, sportlichen Exoten und der Vetternwirtschaft des IOC in das Blickfeld. Das Publikum war begeistert und genoss es, Teil dieser Show zu sein.

"Laufen, laufen, laufen" war das Motto an diesem Tag in Eltmann. Schon am Nachmittag trafen sich 20 Hobbysportler mit dem Sportidol zum "Lauftreff", der von Eltmann über das Sportgelände, entlang des Mains bis nach Eschenbach und über den Höhenweg und die Wallburg zurück zum Marktplatz führte.

Schon da spürte man, wie Dieter Baumann den Dialog mit dem Publikum beherrscht. Das wurde bei seinem Kabarettabend noch deutlicher. Mit Handschlag begrüßte er seine Gäste, fragte sie nach ihrem Namen und ihren Beziehungen zum Laufen.

Zurück ging sein Blick auf Olympia. "Die Eröffnungsfeier ist auch wunderschön. Ich durfte dies ja drei Mal miterleben. Aber viele Städte wollen dies gar nicht mehr haben. Unser Thomas Bach hat alle Mühe, eine Stadt zu bekommen. Boston, Rom, Budapest sind schon abgesprungen und auch die Hamburger wollten es nicht." Damit war er bei den Besuchern und fragte: "Wo sind meine Läufer?" Simon aus Eltmann war gerade von der Bayerischen Meisterschaft gekommen. Sigi teilte stolz mit, dass er schon 49 Marathonläufe hinter sich hat und demnächst in Hamburg seinen 50. Lauf absolviert. Kerstin outete sich, dass sie gar keinen Sport mache, und plötzlich meinte sie: "Doch, ich habe einen Dackel". "Gut, den haben viele Frauen daheim. Es ist ja auch egal, wie man in Bewegung kommt. Hauptsache laufen", betonte Baumann.

Die ihm am meisten gestellte Frage sei immer wieder: "Was war Ihr schönstes Erlebnis? Alle glauben dann, ich sage mein Olympialauf in Barcelona. Aber weit gefehlt. Das schönste Erlebnis war das Leben im olympischen Dorf. Das ist Elixier und bietet Stimmung!"

Drei Wochen mit rund 11 000 Sportlern sei die Stimmungslage vom ersten Tag an vorgegeben. "Abends geht es zurück. Wenige haben gewonnen, viele sind ausgeschieden. Die einen feiern Siegesparty, die anderen sind beim Frustsaufen. Es ist eine Riesenparty und am Ende früh um 5 Uhr weiß keiner mehr, wer gewonnen hat." Das ganze Dorf sei eine "Partyzone" mit jungen Leuten - und "da sorgen die IOC-Funktionäre vor: Jeder Athlet bekommt vor den Spielen fünf Kondome."

Ob er alles und das mit dem Laufen noch einmal so machen würde? Dieter Baumann lächelte: "In meiner nächsten Karriere würde ich Luftpistole schießen", und dies präsentierte er dann auch auf der Bühne. "Das findet schon am ersten Tag statt. Hier haben wir immer gewonnen wie im Abo. Ja, das machen auch nur wir in Deutschland."

Detailliert schilderte er seine Begegnung mit Sportlern von den Fidschi-Inseln oder aus der Mongolei. "Diese Typen waren das Salz in der Suppe. Das waren Exoten und für sie galt: Dabei sein ist alles."

Dieter Baumann schilderte, dass im olympischen Dorf für jede Gruppierung eine Einrichtung vorhanden sei. Da gebe es die "Seelenfischer" genauso wie die "Entertainer" und mit einer gewissen Selbstironie sagte er: "Entertainer sind solche Athleten, die vor allem auch nonverbal Kontakt aufnehmen und eine ständige Selbstinszenierung zeigen. Nach der Karriere suchen sie die Bühne, Bühne, Bühne. Ich bin da anders!"

Immer wieder kam der erfolgreiche Läufer auf das Laufen zurück und verwies bei seinen zahlreichen Reimen und Einschüben sogar auf Heinz Erhardt: "Auch wenn die Nase, egal ob spitz oder platt, zwei - Nasenflügel - hat. So hält sie nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen."