Der Autozulieferer FTE mit Sitz in Ebern (Landkreis Haßberge) erhält wieder einen neuen Eigentümer. Wie am Donnerstag bekannt wurde, übernimmt der französische Konkurrent Valeo das Unternehmen. Valeo fertigt in Deutschland unter anderem in Bad Rodach und Kronach Klima- und Wischersysteme. FTE ist Spezialist für Kupplungen und Bremssysteme.

Der bisherige Eigentümer, der US-amerikanische Finanzinvestor Bain Capital mit Sitz in Boston, hatte das Unternehmen vor gerade einmal drei Jahren gekauft. Damals sollen rund 450 Millionen Euro geflossen sein. Jetzt sind 700 bis 900 Millionen Euro im Gespräch, die Valeo für den größten Arbeitgeber im Landkreis Haßberge hinblättern will. Immerhin erzielte FTE mit seinen weltweit rund 3700 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro.


Mehrere Interessenten

Noch im November vergangenen Jahres hatte FTE-Finanzchef Niklas Beyes bei einer Ehrung von Jubilaren versichert, dass die Firma nicht verkauft werde. Vielmehr wolle man, vermutlich schon 2016, an die Börse gehen.
Doch nun haben sich die Verkaufsgerüchte bestätigt. Für Insider kam der Schritt nicht überraschend. Mehrere Bieter sollen an dem unterfränkischen Autozulieferer interessiert gewesen sein. Auch Chinesen hätten Interesse gezeigt, heißt es.

"Mit Valeo haben wir für FTE den idealen Partner aus der Industrie gefunden, um die nächste Phase zu starten und das enorme Potenzial von Zukunftsmärkten wie Clean Technology zu heben", sagte Michael Siefke, einer der Geschäftsführer des Finanzinvestors Bain. FTE-Geschäftsführer Andreas Thumm wiederum ließ in einer Pressemitteilung verlauten, dass er Bain dankbar sei für den eingeschlagenen Weg. "Die offene und vertrauensvolle Partnerschaft hat für unser Wachstum und die Weiterentwicklung von FTE eine Schlüsselrolle gespielt. Jetzt freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit dem Industriepartner Valeo. Die Kombination von FTE Automotive und Valeo passt hervorragend. Der Zusammenschluss eröffnet unserem Unternehmen neue Möglichkeiten für die Zukunft", sagte Thumm.


IG Metall ohne Sorge

Auch bei der Gewerkschaft ist man nicht unglücklich über die Entwicklung und den neuen Eigentümer. "Wir haben keinen Grund zur Sorge und suchen demnächst das Gespräch mit den neuen Anteilseignern", sagte Matthias Gebhardt, 1. Bevollmächtigter der für den Betrieb zuständigen IG Metall Bamberg. Überraschend kam der Verkauf für die Gewerkschaft freilich nicht. Gebhardt war als stellvertretender FTE-Aufsichtsratsvorsitzender in die Verhandlungen natürlich eingebunden.


Drei Finanzinvestoren vorher

FTE ist auf allen für die Branche wichtigen Kontinenten vertreten und beliefert unter anderem die Autobauer VW, General Motors, PSA und Daimler. Ursprünglich gehörten die Eberner zum ehemaligen Schweinfurter Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer (heute Schaeffler). 1993 waren sie abgespalten worden und gingen als Fahrzeug Technik Ebern (FTE) an den Markt. Seit 2002 wurde das Unternehmen dann von Finanzinvestor zu Finanzinvestor weitergereicht: Erst kamen die Briten (HG Capital), dann die Franzosen (PAI Partners) und dann die Amerikaner (Bain Capital).

Valeo hat nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz in Höhe von 14,5 Milliarden Euro erzielt. Das Unternehmen verfügt weltweit über 134 Fertigungsanlagen, 17 Forschungseinrichtungen, 35 Entwicklungszentren sowie 15 Vertriebsplattformen. Es beschäftigt 82 800 Mitarbeiter in 35 Ländern.
Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. Bis Anfang 2017, so die Planung, soll der Übergang zu Valeo abgeschlossen sein.