Der Mann, der bei der Bamberger Band "Kellerkommando" den Takt angibt, fährt in einem weißen, leicht angerosteten Mercedes-Bus vor. Statussymbole sind Norbert Weinhold nicht so wichtig. Das Schlagzeug-Equipment soll ins Auto und die Mütze einigermaßen zur Trainingsjacke passen. "Dann passt die Sache", sagt der 37-Jährige und lächelt breit.

Der Zeiler ist Gründungsmitglied der Musikgruppe "Kellerkommando" - einer Band, die mit ihrem frechen Mix aus fränkischen Wirtshausliedern mit Hip-Hop-Elementen und Rap gerade Deutschland erobert. Das ist nicht übertrieben: Nach der Single "Mondscheinbrüder" kommt diesen Sommer unter dem Label von "Warner Music" ein neues Album heraus.


Von der Hardrock-Band zu "Kellerkommando"

Schillerndste Figur der Truppe ist der Bamberger Sänger "Dada Windschi", der zusammen mit Rapper "Ali A$" die Bühne rockt.

Norbert Weinhold ist der Mann im Hintergrund.
Das reicht ihm auch. Er hat sich fest vorgenommen, trotz des Erfolgs mit beiden Beinen auf dem Haßberge-Boden zu bleiben. Für die notwendige Erdung sorgt neben Ehefrau Julia auch Norbert Weinholds ungewöhnliches Interesse für Craniosacrale Therapie.



 

Aber der Reihe nach. Norbert Weinholds Berufskarriere begann nicht am Schlagzeug, sondern als Zerspanungsmechaniker-Azubi in der Zeiler Firma Grieshaber (heute Firner). Getrommelt wurde erst nach Feierabend. "Mit zwölf hatte ich in der Realschule Eltmann ein Jahr lang Schlagzeug als Wahlfach", erzählt der 37-Jährige. Das war die Initialzündung. Von da an machte es der Jugendliche wie die großen Jazzschlagzeuger der vierziger und fünfziger Jahre: "Ich hörte mir Platten an und habe versucht, die Grooves nachzuspielen ", erinnert er sich. Seine erste Band war eine Hardrock-Coverband.

Ausbildung an der Schlagzeugschule in München
Mit 17 Jahren spielte Norbert Weinhold mit mehreren Musikstudenten Weltmusik. Als er ein Jahr später den Schlagzeuger Manu Katché in einem Video zu Peter Gabriels "Secret World Life Tour" spielen sah, erwachte sein Ehrgeiz. Nach vier Jahren autodidaktischen Lernens wollte Norbert Weinhold wieder Unterricht nehmen. Doch erst im Jahr 1996 stieß er auf eine Ausbildung, die ihn wirklich überzeugt hat: die Schlagzeugschule "Drummer's Focus" in München.

In den folgenden Jahren bildete er sich dort zum Profimusiker weiter und übte täglich mehrere Stunden. 2008 setzte er eine Fortbildung zum Schlagzeuglehrer bei Cloy Petersen (Leiter von "Drummer's Focus") oben drauf - obwohl er bereits seit 1999 erfolgreich unterrichtete. Warum eigentlich? "Gute Frage: Ich wollte einfach immer besser werden", antwortet Norbert Weinhold. Dabei half ihm auch die Craniosacrale Therapie (eine alternativ-medizinische Behandlungsform aus der Osteopathie). "Ich hatte während meiner Schlagzeuger-Ausbildung Probleme, aus dem Bauch heraus zu spielen", erklärt er. "Beim Schlagzeugspielen geht es auch um Bühnenpräsenz und darum, locker zu lassen. Sonst kannst du nicht spielen."Mittlerweile ist Norbert Weinhold selbst angehender Craniosacral-Therapeut und ein Profi am Schlagzeug - ganz locker aus dem Bauch heraus.


Norbert, seit wann bist Du Schlagzeuger bei "Kellerkommando"?
Norbert Weinhold: Ich bin seit Anfang an dabei, sozusagen Gründungsmitglied seit Mai 2009. Sebastian Schubert, Bassist und einer der Produzenten, rief mich an, weil ich in Bamberg schon als Musiker bekannt war. Wir haben uns dann mit Sänger Dada Windschi getroffen, die ersten Songs zusammen aufgenommen und dann zu dritt die Entscheidung getroffen, dass wir zusammen arbeiten wollen.

"Kellerkommando" ist momentan extrem erfolgreich. Wie viele Auftritte habt Ihr dieses Jahr und wie oft probt Ihr?
Wir haben gerade etwa 50 bis 60 Auftritte im Jahr und etwa genauso viele Proben.

"Warner Music" hat Euch unter Vertrag genommen. Wie läuft das ab: Habt Ihr jetzt einen Manager?
Bei "Warner" sind wir seid März 2012. Der Manager ist Alexander Maurus von "Wanderlust Entertainment", der auch Max Mutzke managt.

Wie werdet Ihr promoted - könnt Ihr auch selbst mitbestimmen?
Die Live-Promo macht ein externes Büro in München unter der Leitung von Christine Heinrich. Radio und Fernsehpromo laufen dann über "Warner Music" Hamburg direkt. Das sind Profis, denen wir nicht reinreden wollen, denn sie machen das sehr, sehr gut!

Du bist Musiker. Kannst Du von Deiner Musik leben?
"Kellerkommando" befindet sich noch im Aufbau. Momentan decken die Gagen die Ausgaben. Aber "Warner" hat mit uns Großes vor und sieht uns als den nächsten "Großen Act". Darum sind wir beim hundertprozentigen Warner-Unterlabel "Downbeat" unter Vertrag - als eine von insgesamt vier Bands, darunter "Peter Fox" und "Seed". Außerdem unterrichte ich beim "Musikbahnhof Gädheim", im "Body and Soul" Bamberg, in der Chorjugend Hirschaid und der Musikschule Coburg.

Du verfolgst in Deinem Schlagzeugunterricht einen ungewöhnlichen Ansatz. Kannst Du den kurz beschreiben?
In meinem Unterricht geht es mir um die Individualität jedes einzelnen Schülers. Darum gibt es kein festes Unterrichtskonzept nach Schema F. Jeder Schüler hat seine eigene Vorstellung von dem, was ihn am Schlagzeugspielen begeistert, und genau das ist mein Ansatz.
Denn daraus entwickelt sich die musikalische Persönlichkeit, die ich in ihrer Entwicklung unterstützen möchte. Mir geht es darum, die Spieltechnik mit den Vorlieben des Schülers zu verbinden, so dass er sich zu einer individuellen, musikalischen Persönlichkeit entwickeln kann.

Die "Musikinitiative Haßberge" unterstützt Nachwuchsbands aus der Region. War das für "Kellerkommando" eine Option?
Kenne ich, aber da wir uns nicht selbst um Promotion kümmern, ging das irgendwie unter.

Das Gespräch führte Katja Kölbl.