Die "großen Ferien" sind Reisezeit. Auch der Bau- und Verkehrsausschuss des Kreistags machte sich im Bus auf die Reise: zur traditionellen "Straßenbereisung" kreuz und quer durch den Landkreis. Bei schönstem Wetter waren die Kreisräte praktisch auf "Urlaubsreise", denn sie streiften mit Bayern und Thüringen zwei Bundesländer und die fünf Landkreise Bamberg, Schweinfurt, Coburg, Hildburghausen und natürlich den eigenen Landkreis Haßberge, in dem man immerhin 320 Kilometer Kreisstraße zu betreuen hat. Sehenswürdigkeiten tauchten auf, aber die Blicke waren meist auf die Straßen gerichtet, die gerade fertiggestellt wurden, sich im Bau befinden oder in naher Zukunft in die Planung kommen sollen.
Im Tross waren Landrat Wilhelm Schneider, Behördenvertreter wie Baudirektor Manfred Rott vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt und Mitarbeiter aus dem Landratsamt, allen voran der Leiter der Tiefbauverwaltung Alfons Schanz mit
seinem Mitarbeiter Hubert Schramm. Sie erläuterten die Maßnahmen unter den Augen des Kreiskämmerers Markus Fröhlich.


Teilweise sehr unterschiedlich

Es ging um Ausbauarten für die Straßen, deren Zustand teilweise sehr unterschiedlich ist. Grundsätzlich ist das Kreisstraßennetz gepflegt. Das hat seinen Preis, wie die Kreisräte hörten: So kommt die Ausbaustufe II (Tragschicht und Decke) auf 400 000 Euro pro Kilometer, ein Vollausbau auf mehr als das Doppelte. Dazwischen gibt es Varianten (um 600 000 Euro).
Ein Vollausbau, verbunden mit einer Dorferneuerung, wird mit 1,35 Millionen Euro pro Kilometer gerechnet. Schanz beschrieb, dass diese Richtwerte bisher eingehalten wurden - Tendenz nach oben. Der Grund ist die aktuell hohe Nachfrage.
Alfons Schanz erklärte auch grundsätzliche Hemmnisse in der Kooperation mit den Kommunen: "Hinsichtlich der vielen Ausbauten von Ortsdurchfahrten (OD) kristallisiert sich nicht selten heraus, dass alle diese Baumaßnahmen wollen. Dabei sind sie sich aber oft nicht im Klaren, was das für sie bedeutet und dass große Aufwendungen auf sie zukommen." Das sind Vorarbeiten mit elektrischen Leitungen, Dorfbeleuchtung, Auswechslung von schadhaften Kanälen und Wasserleitungen. "Wenn man das Zwischenergebnis vorstellt, treten dann viele auf die Bremse, resignieren, und die Maßnahme gerät ins Stocken. Deswegen brauchen wir viel mehr Vorlauf, um diese politischen Prozesse und die Abstimmungsmodalitäten mit dem Bürger zu klären."
Gestaltungsmöglichkeiten für Beiträge durch die Bürger wurden angesprochen. Beispielsweise werden meist 55 Prozent der Kosten für die Gehwege auf die Anlieger umgelegt. Bei Dorferneuerungen zieht man zuerst die Förderung ab und rechnet dann auf die Restsumme die 55 Prozent. Trotz der Förderung seien manchmal Einzellösungen wichtig: Beispiel Dürrenried. In kleinen Dörfern gibt es oft große Grundstücke und dann hohe Belastungen für die Anlieger.
Alfons Schanz sprach als künftige Standardbreite für die Kreisstraßen 5,50 Meter an (bisher 4,20 Meter). Erstmals gilt sie für den aktuellen Bau der Kreisstraße Trossenfurt - Hummelmarter. Neu: Es wird keine Mittellinie mehr aufgemalt. Das stoße manchmal auf Unverständnis bei Autofahrern, erklärte Schanz. Aber es stehe fest, dass langsamer gefahren werde.
Die Tiefbauverwaltung nimmt ferner alle Einmündungen unter die Lupe. Böschungen und unüberschaubare Kuppen werden verringert, "Haltesichtweiten" (gegenwärtig oft nur 30 bis 40 Meter) müssen künftig auf 100 bis 130 Meter ausgedehnt werden.
Entscheidend für die Aufnahme in den Ausbauplan und die Art des Ausbaus ist laut Schanz der aktuelle Zustand der Straße. Ist der Unterbau schon ausgemergelt? Besteht die Gefahr von Rissen? Braucht es einen noch tieferen Eingriff? Auch die Entwässerung spiele eine immer größere Rolle.
Den laufenden Vollausbau begutachteten die Kreisräte auf der HAS 24 Hummelmarter-Trossenfurt. Für die 1,315 Millionen Euro rechnet der Landkreis mit 920 000 Euro Zuschuss. Regenrückhaltebecken kamen hinzu. Schanz: Bei alten Straßen liegen oft keine Einleitungsgenehmigungen vor, was Arbeit und den Planungsverlauf verlängert - hier von einem auf drei Jahre.
Zwischen Stöckach - Neuses (und HAS 39) sahen die Kreisräte den großzügigen Ausbau der Klasse III (6,50 Meter Breite sowie Radweg). Auf der B 279 zwischen Ermershausen - Maroldsweisach steht zwar die Verkehrsfreigabe kurz bevor, den "Rehberg" befuhr der Kreisräte-Bus aber bereits. Die Kuppe wurde beseitigt, die Straße ist sieben Meter breit.


Frickendorf ist 2017 an der Reihe

Die schmale Barockbrücke von Frickendorf aus dem Jahr 1750 war oft Thema. Bei der Straßenbereisung standen die Kreisräte im Ausschuss für Bau und Verkehr wieder zwischen den Heiligen und überlegten, wie sie die Brücke für den Verkehr ertüchtigen sollten. Letztlich entschloss man sich für die Sanierung bis zu einer Belastung von zwölf Tonnen.
Die Brücke war einst eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Baunachgrund. Manche Kunstführer nennen die Baunachbrücke mit den vier Heiligenfiguren in einem Atemzug mit der Alten Mainbrücke in Würzburg.
1989 war sie letztmals renoviert worden. Längst handelte es sich aber bei den Fahrzeugen nicht mehr um Ochsenkarren oder Pferdegespanne, sondern um 40-Tonnen-Laster. Dem war die Brücke aus Räth-Sandstein nicht mehr gewachsen, weswegen man die Durchfahrt vor einigen Jahren auf Fahrzeuge mit höchstens 7,5 Tonnen beschränkte. Seither wird über eine praktikable Sanierung nachgedacht.


"Es macht keinen Sinn,..."

"Es macht keinen Sinn, dass man mit jedem Fahrzeug und jedem Gerät über das denkmalgeschützte Bauwerk fahren kann. Auch Lkws können Frickendorf oder die Betriebe über die B 279 und einen kleinen Umweg sehr gut erreichen. Die Beschränkung auf eine bestimmte Achslast hat sich gut bewährt und auch gut eingependelt. Deswegen würden wir dies gerne so belassen", erklärte Alfons Schanz, Leiter der Kreis-Tiefbauverwaltung. Das Problem sind aber auch große Erntefahrzeuge. Die Brücke soll vor ihnen geschützt werden durch rechts und links je ein Bord mit natursteinfarbenem Beton. Der Nachteil des schlichteren Ausbaus: Es gibt kein Fördergeld. Ausgebaut nach dem sogenannten Euro-code LM 1 (30-Tonnen-Klasse) seien, so Schanz, die Kosten immens (700 000 Euro bei 70 Prozent Förderung). Schanz schloss nicht aus, dass die tatsächlichen Kosten höher lägen. Absehbar ist für ihn, dass es bei schwereren Fahrzeugen trotzdem Beschädigungen der Brüstungen oder der filigranen Aufsätze und Heiligenfiguren gäbe.

Varianten wie eine Furt durch den Fluss oder eine Umgehung von Frickendorf sahen auch die Kreisräte als Verschwendung von Steuergeldern an.
Der Ausschuss stimmte deswegen dem Vorschlag der Tiefbauverwaltung zu: kleiner Ausbau für zwölf Tonnen, geschätzte 250 000 Euro Kosten. gg