Abstürze durch übermäßigen Alkoholgenuss hat es schon gegeben. Jede Menge sogar, aber ein Knock-out durch sogenannte K.o.-Tropfen ist im Zuständigkeitsbereich der Eberner Polizei in den letzten Jahren nicht vorgekommen. Trotzdem heißt es wachsam sein, meint nicht nur der Weiße Ring, die Opferschutz-Organisation, die der Unterpreppacher Helmut Will vertritt.

Holzauge sei wachsam, meint auch das Auge des Gesetzes, die Eberner Polizei, wie auch Karin und Stefan Kaiser, die als Disco-Betreiber, ganz nah dran am turbulenten Treiben sind, das beispielsweise in Bamberg zum Tod eines jungen Partybesuchers führte. Soweit soll es in der U-Night nicht kommen, und auch im gesamten Bereich seiner Dienststelle nicht, meint PHK Siegbert Weinkauf, der sich als stellvertretender Leiter der PI Ebern über eine Prävention- und Informationsaktion freut, die Will und die Kaisers in Form von Bierfilsen noch vor den Faschingstagen gestartet haben. "Es ist gut, wenn der Weiße Ring parallel zur Arbeit der Polizei Tipps gibt, wie man sich gegen K.o.-Tropfen wappnen kann und im Ernstfall reagieren sollte."

Weinkauf musste tief in die Statistiken schauen. "Seit 2010 hat es in unserem Bereich fünf Fälle gegeben, bei denen K.o-Tropfen im Gespräch waren, aber nur ein Fall ging an die Staatsanwaltschaft." Der Nachweis, dass solch gefährliche Substanzen, die zum Teil von der chemischen Industrie, zum Teil von Pharmazeuten verwendet werden, zum Einsatz kamen, sei nur binnen weniger Stunden durch eine Blutentnahme möglich. "Deshalb gilt die Dunkelziffer als hoch."

Bei den Fällen im Raum Ebern, da Leute bewusstlos zusammensackten, war stets Alkohol im Spiel. Viel Alkohol. "Die Geschädigten hatten weit über zwei Promille!", weiß der Polizeibeamte.

Zwei ganz aktuelle Fälle sind in der Eberner Dienststelle noch in Bearbeitung. "Da hatten beide auch jeweils über zwei Promille intus, aber einmal wurden auch auffällige Wirkstoffe festgestellt, sodass Nachermittlungen laufen", berichtet PHK Weinkauf, der froh darüber ist, dass "so etwas bei uns bei weitem nicht so häufig passiert wie in Großstädten".

Ein Grund dafür: "Bei uns kommen die meisten Besucher doch in der Clique und die passt untereinander auf", ist sich Karin Kaiser sicher.

Die SPD-Stadträtin weiß aber auch, dass bei ihren Gästen die Kontrolle mitunter schon beim Kommen nicht mehr gewährleistet ist. "90 Prozent waren zuvor schon gemeinsam beim Vorglühen."

Drei Beweggründe treiben die Täter an, K.o.-Tropfen zu verabreichen, und zwar in dieser Reihenfolge, wie Polizei-Analysen ergaben:
- um einen Gegner zu schwächen, was danach bei einer Körperverletzung ausgenutzt wird;
- um jemand auszurauben, indem man dessen Aufmerksamkeit einschränkt;
- für ein Sexualdelikt, wenn jemand willenlos gemacht wurde.

Informationen und Verhaltenstipps des Weißen Rings zum Thema K.-o.-Tropfen

Als K.o.-Tropfen werden folgende Substanzen verwendet:
• Benzodiazepine (gegen Schlafstörungen, Epilepsie, Angststörungen...)
• Barbiturate (Schlafmittel)
• Z-Drogen (Nonbenzodiazepine) (Beruhigungsmittel)
• GHB (=Gamma-Hydroxybuttersäure) (gegen Narkolepsie, Parkinson, wird auch als Narkosemittel z.B. Somsanit eingesetzt) GBL (=Gamma-Butyrolacton)
• Selten auch Ketamin (Narkotikum)
• Antihistaminika (Antiallergikum)
• Codein (Hustenstiller)
Abgesehen von GBL (wird in der chemischen Industrie als Reinigungsmittel, Lösungsmittel oder als Grundstoff zur Medizingewinnung verwendet) handelt es ich bei allen Substanzen um welche, die auch medizinisch eingesetzt werden (Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Narkotikum...).

Reaktion bei Verdacht von "K.O.-Tropfen"

- Personen bei Auffälligkeiten u. Verhaltensänderungen ansprechen
- Je nach Zustand unverzüglich Rettungsdienst u. Polizei verständigen, oder selbst sofort mit der Person ins Krankenhaus fahren
- Betroffene selbst wenden sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte an eine Vertrauensperson
- Wenn möglich, die Polizei auf verdächtige Personen hinweisen und als Zeuge zur Verfügung stellen
!!! Wichtig ist die zeitnahe Verständigung der Polizei durch die Betroffenen selbst oder das Krankenhauspersonal!!!

Schwierigkeiten:
Das größte Problem ist, dass der Körper die Substanzen sehr schnell abbaut, so ist der Nachweis der Tropfen oft zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr zu führen. Im Gegensatz zu anderen Drogen lassen sich K.O.-Tropfen tatsächlich nur sehr kurz im Blut und im Urin nachweisen; oft nur wenige Stunden. Daher sollte bei einem Verdacht auf jeden Fall Anzeige erstattet werden. Dann wird unabhängig davon, ob nachweislich oder vermeintlich Substanzen wie K.O.-Tropfen verabreicht wurden und unabhängig davon, ob das Opfer stark, gering oder gar nicht alkoholisiert ist, Ermittlungen aufgenommen. Es muss schnell gehandelt werden, um die nötigen Proben, Blut und Urin, zu bekommen und um Beweise, beispielsweise in Form von Zeugenbefragungen oder Videomaterial, zu sichern. Oft ist es aber leider so, dass es nicht immer zur Anzeige kommt oder erst dann, wenn schon zu viele Stunden verstrichen sind. Wie in anderen Fällen auch, scheuen sich viele Opfer Anzeige zu erstatten. Dazu kommt, dass die Erinnerungslücken der Opfer meist groß sind, was die Ermittlung natürlich zusätzlich erschwert.

Sollte man zudem Anzeige erstatten? (Was tut die Polizei?)

• Den Opfern wird empfohlen Anzeige zu erstatten. Anzeige mit den dazugehörigen Ermittlungen wird immer aufgenommen. Unabhängig, ob ein Wirkstoff von K. O. Tropfen nachweisbar waren oder nicht. Siehe die nächsten zwei Punkte
• Nach dem Sichern einer Blut- und einer Urinprobe wird ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Als Delikt steht zumindest ein Vergehen der gefährlichen Körperverletzung im Raum
• Es kommen aber auch noch andere Straftaten in Frage für die, die Verabreichung der K.O.-Tropfen nur als Vorbereitung dient (z.B. Raub, Diebstahl, Sexualstraftaten...)
Problem: Erinnerungslücken oder gar fehlende Erinnerungen.

Wie kann man sich schützen?
Leider lassen sich K. O. Tropfen kaum geschmacklich oder geruchlich feststellen. Die Substanzen schmecken zwar leicht salzig, allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass sich eine Menge von 3 Millilitern verdünnt in einem Drink geschmacklich auswirkt.
Verhaltenstipps:
• Es wird empfohlen Getränke nicht unbeaufsichtigt zu lassen.
• Weiterhin ist es generell ratsam sich in Begleitung von weiteren Personen zu befinden, die eine Veränderung an dem Opfer bemerken würden. Sie sollten auf einander achten und auch gegenseitig auf ihre Getränke.
• Bestellen Sie Getränke bei der Bedienung selbst und nehmen Sie diese selbst entgegen
• Nehmen Sie Getränke von Unbekannten nur in verschlossenen Originalflaschen an
• Vorsicht und Hilfe ist insbesondere nötig, wenn die Freundin/Freund plötzlich z. B. übel wird und Unbekannte sich scheinbar um sie/ihn kümmern oder weg führen wollen

Problem zur Beschaffung von K. O. Tropfen über das Internet:
Es ist richtig, dass über das Internet K. O. Tropfen bestellt werden können. Allerdings braucht derjenige, der sich in der Szene auskennt und der weiß, was er will, wohl kein Internet, um an gewünschte Substanzen zu kommen. Strafbar macht man sich, wenn man gegen das Betäubungsmittel- und Arzneimittelgesetz verstößt, das heißt, wer rezeptpflichtige Substanzen illegal erwirbt, verkauft und natürlich einer anderen Person ungewollt verabreicht. Allerdings ist es richtig, dass es leider auch Substanzen wie GBL (Reinigungsmittel) gibt, die legal erhältlich sind.

Über das große Risiko bei der Einnahme sowie die Unberechenbarkeit der Auswirkungen auf die Gesundheit haben wir ja schon geredet. Schon kleine Menge können erhebliche gesundheitliche Schäden hervorrufen. Man setzt sein Leben leichtfertig aufs Spiel.
Jegliche zusätzliche Einnahme von Alkohol und/oder Betäubungsmitteln kann das gesundheitliche Risiko noch mehr erhöhen!