Paulina Dwornik und Paulina Romanczyk erleben erstmals Deutschland - als Schülerinnen und natürlich auch als neugierige Gäste im Landkreis Haßberge. Horst Hofmann, Chef der Hauptverwaltung im Landratsamt Haßberge, betreut die Partnerschaft mit Klobuck federführend. Er hatte schon öfter Gäste aus Polen und er reiste auch schon oft in den Partner-Landkreis - und er wundert sich, warum Polen in Deutschland "eher unbekannt" ist.
"Es ist ein sehr schönes Land mit freundlichen Menschen, und sie sind uns sehr ähnlich", erklärte er beim Abschlussessen, das die beiden Paulinas am Ende ihrer ersten Deutschland-Woche in der Schulküche der Mittelschule servierten. Auch die beiden Landkreise passten sehr gut zusammen, seien fast gleich groß. Allerdings gebe es in Klobuck viel mehr junge Menschen.
Finanziell sei der Landkreis Haßberge wesentlich besser aufgestellt, erklärte Hofmann, doch werde in Polen ein größerer Prozentsatz des Etats in die Bildung investiert. Nimmt man alle Aufgaben des Kreises einschließlich der Kliniken und des Abfallwirtschaftsbetriebs zusammen, so sei das Haushaltsvolumen im Kreis Haßberge etwa zehnmal so groß wie das in Klobuck, verdeutlichte er die Dimensionen.
Vor allem Praktikanten im Bereich Bauwirtschaft und Hauswirtschaft/Gastronomie hat er nach Deutschland eingeladen: "Weil in diesen Branchen auch die Chancen hoch sind, eine Ausbildungsstelle zu erhalten."
Die Jugendarbeitslosigkeit in Polen betrage elf Prozent und sei ein echtes Problem, berichtet Elzbieta Ptak-Gmyrek. "Sagen sie Elisabeth Vogel", lacht die Deutsch-Lehrerin, die ihre beiden Schülerinnen nach Haßfurt begleitet hat. "Sie sind noch sehr schüchtern", erklärt sie. Die beiden 18-Jährigen haben bei ihr Deutsch gelernt. "Sie verstehen auch alles, aber sie scheuen noch sehr davor zurück, deutsch zu sprechen."
Genau diese Barrieren im Kopf sollen durch Austauschprogramme überwunden werden. Im gemeinsamen Unterricht an der Mittelschule und der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung, gegenüber den gleichaltrigen Mitschülerinnen, sind sie bereits gefallen.
Obwohl in Polen und in Deutschland das Kochen an sich nicht sehr unterschiedlich ist, erlebten sie doch viel Neues. "Die Schulen hier sind so modern", schwärmt Lehrerin Elisabeth, "und der Hauswirtschaftsunterricht an sich ist auch sehr anders", hat sie festgestellt. In Polen gehe es fast ausschließlich ums Kochen, während an der Berufsfachschule in Haßfurt auch Dinge wie "Gestalten des Raumes", Ernährungslehre und auch Wäschepflege auf dem Lehrplan stehen. An der Mittelschule kochten die beiden Paulinas ebenfalls, aber sie hatten auch Unterricht in Traumapädagogik und sie nahmen am Deutsch-Unterricht teil.
Die zweite Woche werden sie jetzt im Praktikum im Landhotel in Rügheim verbringen. "Auch in Polen gehören viele Praktika zur Ausbildung an der Hauswirtschaftsschule", erklärt Elisabeth Vogel. Die beiden Paulinas werden dort in diesem Jahr ihren Abschluss machen. Wenn sie noch ein Jahr anhängen, haben sie ihren Techniker. Dass sie die praktische Prüfung sicher bestehen werden, zeigten sie beim Abschluss-Essen der ersten Woche. Unter ihren Gästen waren Horst Hofmann und der stellvertretende Schulleiter der Mittelschule, Matthias Weinberger, sowie Hauswirtschaftslehrerin Barbara Beuerlein, die gemeinsam mit ihrer zehnten Klasse in den ersten beiden Unterrichtsstunden zum mehrgängigen Menu beitrugen. Nach einer polnischen Kürbissuppe gab es Boef-Stroganoff und eine Aprikosen-Creme.
Beim Essen berichteten die beiden Paulinas und ihre Lehrerin von ihren ersten Eindrücken. "Haßfurt ist sehr schön, ruhig und nicht gefährlich", stellte Elisabeth Vogel fest. Mit Horst Hofmanns Mitarbeiterin Isabel Griebel waren sie am Tag ihrer Ankunft essen. "Klöße gibt es in Polen auch, aber nicht so große", wunderten sich die beiden Paulinas, die sich "vor jedem Fachwerkhaus hier in der Stadt fotografieren", sagt ihre Lehrerin lachend. Natürlich standen am Wochenende auch Ausflüge auf dem Programm, um wirklich etwas von Franken zu sehen "und ich will mit ihnen ins Lokwerk, schließlich sollen sie auch ihren Spaß haben", erklärt ihre Lehrerin.
Sie wird ihre Schüler in Polen weiterhin ermuntern, das Angebot von Praktika im Landkreis Haßberge wahrzunehmen, denn wegen des Brexits kehren derzeit viele junge Polen aus Großbritannien zurück und der Arbeitsmarkt dort ist nicht mehr aufnahmefähig, während in Deutschland Fachkräftemangel herrscht. Und Horst Hofmann ermuntert weiterhin junge Deutsche, die offenbar reiselustiger sind als Polen, aber dennoch eher in andere Richtungen unterwegs sind. Ihm scheint es, als wäre Polen in der Bevölkerung das unbekannteste der Nachbarländer Bayerns.