Derzeit sehen sich alle Schulen in Bayern großen Herausforderungen ausgesetzt. Nach den jüngsten Schulschließungen liegen diese vor allem im Digitalen und der Organisation und Durchführung von Distanzunterricht. Doch auch wenn Unterricht vor Ort stattfinden kann, gilt es, zahllose Dinge zu beachten, um die Balance zwischen Sicherheit und fundierter Wissensvermittlung zu finden. Das betrifft in besonderem Maße auch die Berufsfachschulen und Fachakademien des Freistaats.

Praxisnah, partnerschaftlich und auf Augenhöhe, das sind die Maximen der Ausbildung an der Sankt-Christophorus-Fachakademie für Sozialpädagogik und der Fachschule für Grundschulkindbetreuung in Haßfurt. Diese gelten auch und insbesondere in Zeiten von Covid-19. Allen Einschränkungen zum Trotz soll die Ausbildung der Studierenden und Schüler so normal wie möglich gestaltet werden.

"Präsenzunterricht fehlt"

Der komplette Umstieg auf Distanzunterricht war für alle eine Herausforderung. Schulleiter Peter Popp sieht die Lage realistisch: "Natürlich gilt es, zuallererst unser aller Gesundheit als wichtigstes Gut zu schützen." Allerdings fehle insbesondere für die Abschlussklassen der Präsenzunterricht: "Distanzunterricht kann zwischenmenschliche Interaktion im Unterricht nicht ersetzen", ist sich Popp sicher.

Praxislehrer Martin Hammer-Zobernig ist froh, dass die Umstellung auf Wechsel- und nun kompletten Distanzunterricht gut funktioniert hat. "Im März mussten wir von heute auf morgen reagieren und damit deutlich mehr improvisieren. Diese Erfahrungen konnten wir jetzt gut nutzen, um sowohl den Rahmen als auch die Inhalte des Distanzunterrichts für uns passend zu gestalten." Allerdings weiß er auch um die Grenzen der digitalen Unterrichtsform. "Selbstverständlich kann der Präsenzunterricht nicht dauerhaft durch Distanzunterricht ersetzt werden."

Diese Meinung wird von den Studierenden geteilt. Sabrina Lohr steht als Studentin kurz vor der Abschlussprüfung und hat als Mutter gleich mehrere Herausforderungen zu meistern. "Es ist eine Herausforderung, alles im Homeschooling unter einen Hut zu bringen, wenn die ganze Familie anwesend ist", berichtet sie. Der Unterricht über die Konferenzlösung Teams sei ebenfalls besser, als dies noch im Frühjahr der Fall gewesen sei.

Ein Stück Normalität

"Bei Fragen kann man sich über das Programm auch als Schüler untereinander besser austauschen und in Kontakt bleiben, was auch dem sozialen Kontakt und dem eigenen Wohlbefinden guttut. Es bleibt ein kleines Stück Normalität erhalten. Ich finde aber, es ist für die Erzieherausbildung keine Dauerlösung, weil einfach die Interaktionen untereinander fehlen."

Ins gleiche Horn stößt eine weitere Studentin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: "Die Umsetzung ist zwar wesentlich besser als im Frühjahr, aber gerade im Hinblick auf die Abschlussprüfung ist alles natürlich weit vom Optimalzustand entfernt." Vor allem der Stress, der nun durch fehlende Noten entsteht, bereite ihr Sorgen. Eine Sorge, die nachvollziehbar ist, und deshalb wünscht sich Schulleiter Peter Popp, dass alles bald wieder in geregelteren Bahnen verläuft. "Ich hoffe sehr, dass die Inzidenzen sinken und wir bald wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren können."

Hierzu gehören auch praktische Erfahrungen, von denen zwei noch vor dem Lockdown stattfinden konnten. Es ist eben etwas anderes, ob man die Möglichkeiten von Zirkuspädagogik nur theoretisch kennenlernt oder die unterschiedlichen Techniken "am lebenden Objekt" ausprobieren kann. Bei den zahlreichen Möglichkeiten, die das Zirkuszelt bietet, geht es darum, Neues zu erfahren, eigene Grenzen zu erleben und diese auch zu überwinden.

Praxislehrerin Mareike Suchy erklärt die Hintergründe: "Zirkuspädagogik setzt auf die vorhandenen Ressourcen der Teilnehmenden und kann sowohl im sozialen als auch im physischen und psychischen Lernbereich erstaunliche Effekte erzielen. Diese Erfahrung nehmen wir für unsere pädagogische Arbeit mit!" Umso dankbarer sei sie gewesen, dass der Ausflug in den Zirkus Giovanni des Don Bosco Jugendwerks Bamberg möglich gewesen sei. Eine Weisheit nahmen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher mit. Gerade in der jetzigen Situation ist es wichtiger denn je, einfach mal ein Clown zu sein.

Ähnlich ging es auch den Teilnehmerinnen des Wahlfachs "Arbeit mit Jugendlichen", die Anfang November eine Erlebnistour in den Wald machten, um dort erlebnispädagogische Methoden auszuprobieren. Ihre Lehrerin Katharina Schulz erläutert den Sinn einer solchen Tour: "Hier ist das kooperative, kommunikative und technische Geschick der Studierenden in der Gruppe gefragt.

Weil gerade dieses praxisorientierte Lernen ein wichtiger Baustein ist, hoffen Studierende, Schüler und Kollegium bald auf eine Rückkehr zum gemeinsamen Arbeiten und Lernen im Klassenzimmer. Sabrina Lohr jedenfalls blickt optimistisch in die Zukunft: "Ich bin positiv gestimmt, wie alles bis jetzt funktioniert hat, und freue mich, wenn der Unterricht wieder in der Schule stattfinden kann."