Kein warmer Händedruck - Wie Corona die Bestattung verändert
Autor: Julia Scholl
LKR Haßberge, Dienstag, 07. April 2020
Marie war bei ihrer Uroma, als sie verstarb und trotzdem hat ihr etwas gefehlt: eine richtige Bestattung. Corona hat auch das Abschiednehmen verändert. Trauerbegleiter, Bestatter und Angehörige müssen jetzt andere Wege finden.
"Ich glaube schon, dass ich mich richtig verabschieden konnte. Aber ich war auch dabei, als sie gestorben ist. Ich konnte ihre Hand halten und sie hat noch einmal die Augen geöffnet", erzählt Marie (Name von der Redaktion geändert). Sie hat kürzlich ihre Uroma beerdigt. Eine ungewöhnliche Beisetzung, denn Corona schränkt nicht nur das Leben ein, sondern auch den Tod.
Es gibt keine Umarmungen und kein Händeschütteln. Die Vorsichtsmaßnahmen in der Coronakrise treffen auch Bestatter, Trauerbegleiter und Angehörige. Wie gehen sie mit den Einschränkungen um?
Nur Familie erlaubt
"Die letzten paar Wochen gab es viele Regelungen vom Staatsministerium und vom Robert-Koch-Institut, daran müssen auch wir uns halten", erklärt Bestattermeister Sebastian Schunder. Die Situation verändere sich ständig, meint der 31-Jährige: "Laut der neuesten Regelung dürfen an den Trauerfeiern nur noch die engsten Familienmitglieder teilnehmen. Maximal zehn Personen sind erlaubt. Außenstehende, die nicht zur Familie gehören, also Freunde und Bekannte, dürfen nicht teilnehmen."
Auch der Termin der Trauerfeier dürfe nicht öffentlich gemacht werden. "Die Trauerfeier muss im Freien stattfinden. Vor einigen Tagen durfte sie noch in der Aussegnungshalle mit 1,5 Meter Abstand stattfinden. Das geht jetzt nicht mehr", erklärt der Bestattermeister. Aber nicht nur im Bezug auf die Angehörigen und die Zeremonie hat sich ihre Arbeit verändert.
Beim Bestatter wird großflächig desinfiziert
"Wir haben verstärkte Schutzmaßnahmen bei Verstorbenen, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Hier gehen wir ähnlich vor wie bei Menschen, die an der Influenza gestorben sind. Persönlicher Eigenschutz in Form von Einmalhandschuhen ist sowieso Routine. Aber wir tragen dann auch Schutzkittel, Mund- und Augenschutz. Außerdem wird großflächig desinfiziert. Sowohl der Verstobene als auch der Sarg", erklärt der 31-Jährige.