Im Rentweinsdorfer Gemeindeteil Salmsdorf hat die Interessengemeinschaft Dezentrales Abwasser (Idas) ihren Vereinszweck erfüllt. Die Kläranlage funktioniert seit Jahren reibungslos und auch die Abwasserversorgung ist fertig. Jetzt löst sich der Verein auf.
"Der Weg war steinig, unzählige Hürden gab es zu überwinden. Doch im Rückblick haben sich alle Anstrengungen der Salmsdorfer gelohnt, denn die Eigenleistung hat viel Geld gespart." Dieses Fazit zieht Vorsitzender Günther Vetter nach 15 Jahren Wirken in der Interessengemeinschaft Dezentrales Abwasser Salmsdorf, kurz "Idas". Der Verein habe seinen Zweck erfüllt und wird sich daher auflösen. Eine Mitgliederversammlung im Bürgerhaus hat die Weichen dafür gestellt.
Der Verein, der 1997 gegründet wurde, hat sein Anliegen durchgesetzt. Die Baumaßnahmen Kanal und Wasser sind längst abgeschlossen, die Kläranlage läuft gut. In Salmsdorf stehen nun andere Anliegen auf der Tagesordnung. Selbst die Gewährleistungsfrist für die Kläranlage ist inzwischen seit fünf Jahren abgelaufen.
"Es gibt keinen Grund, warum wir die Idas am Leben erhalten sollten", meint Vetter. "Vor knapp 15 Jahren sah das noch ganz anders aus. Viele brisante Entscheidungen und viel Arbeit standen damals auf der Tagesordnung. "Wir haben auch für viel Aufmerksamkeit gesorgt, denn welches Dorf baut schon seine eigene Kläranlage?", erinnert er. Beim Blättern in Aktenordnern und einem Fotoalbum lässt Vetter die Meilensteine der Erfolgsgeschichte Revue passieren. Auslöser der Aktivität sei eine Bürgerversammlung gewesen, bei der Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD) das offiziell geplante Abwasserkonzept mit den Kosten für Salmsdorf vorstellte. Alle im Markt Rentweinsdorf hätten solidargemeinschaftlich gleich viel zahlen sollen.
Und nach Beschluss des Marktgemeinderates vom August 1997 sollte Salmsdorf an die Geracher Kläranlage angeschlossen werden. Doch mit dieser Lösung wollten sich die Salmsdorfer nicht anfreunden. Die Bürger waren dagegen, ja viele ärgerte das, und mit Plakaten protestierten sie. Eine Informationsfahrt nach Unterulsenbach machte den Bürgern Mut.
Selbst in die Hand genommen Sie beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die Salmsdorfer müssen sich damals wie bei einer Verschwörung gefühlt haben. "Im stillen Kämmerlein sind wir drauf gekommen, etwas anderes zu machen, als die Gemeinde geplant hatte", erinnert sich Vetter. Heraus kam die Idas, die von 31 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben wurde. "Erklärtes Ziel war es, aus dem globalen Abwassersystem der Gemeinde Rentweinsdorf auszusteigen," berichtet Vetter. Die komplette Abwasseranlage und Teile des Abwassernetzes sollten in Eigeninitiative entstehen.
Doch so einfach war das nicht. Der Vorsitzende erinnert sich an einen langen Kampf mit "unendlich vielen Behördenterminen" und viel Überzeugungsarbeit. Bei der Kreisverwaltung schließlich fanden die Salmsdorfer Gehör. Als sich Landrat Rudolf Handwerker (CSU) vermittelnd einschaltete, hat der Gemeinderat seinen Beschluss revidiert, und der Weg wurde frei für die "Eigenbaulösung", wie sie Vetter nennt. Es folgten Jahre der Arbeit, intensiver Verhandlungen, voller Rückschläge aber auch Fortschritte. Zwischenzeitlich wurden sämtliche Kanäle und Leitungen im Ort verlegt.
Deutliche Einsparung "Durch unsere Eigenleistung haben wir 24,5 Prozent an Baukosten eingespart, was bei den Herstellungskosten für die einzelnen Grundstücksbesitzer tatsächlich eine Einsparung von 15 Prozent bewirkt hat", stellt Günther Vetter heraus. Dafür haben sich die Salmsdorfer bei der Eigenleistung mächtig ins Zeug gelegt. "Außerdem sind die Lohn- und Maschinenleistungen im Ort geblieben", sagt der Vorsitzende.
Die Einweihung 2002 wurde zu einem Fest fürs ganze Dorf. "Sogar der Landrat war von unserem Einsatz total begeistert", freut sich Günther Vetter noch heute über das Lob des Kreis-Chefs. Der sprach damals von der größten Gemeinschaftsleistung, die er bisher in seiner Amtszeit erlebt habe.
Geräte wieder verkauft Nach der Einweihung wurde es für die Idas dann Jahr für Jahr ruhiger. Die Maschinen wie Bagger, Radlader oder Rüttelplatte, die man zu Beginn der Maßnahme für 82 000 DM und mit dem Kapitaleinsatz der Mitglieder erworben hatte, wurden nach und nach wieder verkauft. "Statt Kanal fatal auf der Baustelle", so Vetter, hätten sich die Mitglieder dann auch mehr dem geselligen Leben gewidmet: Dankwallfahrten nach Vierzehnheiligen, Wanderungen, Motorsägenlehrgänge und ein Schafkopfrennen.
Vetter sagt, es falle ihm auch deswegen leichter, die Auflösung dieser Zweckgemeinschaft in die Wege zu leiten, da im Ort mit dem Bürgerverein, der Landjugend und der Feuerwehr aktive Vereine tätig sind.
Muß ja ein tolles Gefühl sein, wenn aus dem Duschkopf morgens braune Seichbrühe herausschwetzelt Da ist die Müdigkeit gleich fort, wie?