Der Bayerische Landtag in München hat 180 Sitze. Über 101 Mandate und damit über die absolute Mehrheit verfügt die CSU. Zur CSU-Fraktion gehört der Thereser Abgeordnete Steffen Vogel. Der 41-Jährige sitzt auf Platz 121. Das ist in der vorletzten Reihe. Weit weg von der Regierungsbank und den Spitzenvertretern des Landtags. Ist Steffen Vogel ein Hinterbänkler im bayerischen Parlament?

Nein, Steffen Vogel lächelt bei der Frage. Seit zweieinhalb Jahren hat der CSU-Politiker nun aus dem Landkreis Haßberge, der auch Kreisvorsitzender seiner Partei ist, Sitz und Stimme im Landtag. Seit Herbst 2013 gehört er dem Parlament an, und noch zweieinhalb Jahre sind es bis zur nächsten Wahl. Es ist Halbzeit und Anlass, Bilanz zu ziehen. Steffen Vogel tat das auf Einladung von Medienvertretern in Haßfurt.

In seine Arbeit im Landtag hat der Thereser, der aus einem kleinen Ort in der Gemeinde Maroldsweisach stammt, schnell gefunden. "Erstaunlich offen" sei er aufgenommen worden. "Man hat schnell mit allen eine gute Basis", schildert der Vater dreier Kinder. Und man habe jede Woche die Möglichkeit, zum Ministerpräsidenten zu gehen und sein Anliegen vorzubringen, auch aus dem Stimmkreis.

Einmal in der Woche trifft sich die CSU-Landtagsfraktion, um die aktuellen und wichtigen Themen zu diskutieren. Steffen Vogel gehört dazu und scheint sich wohl zu fühlen in der Runde. Sofort wurde ihm das Du wie allen anderen Neuen angeboten.

Besonders nahe ist er den anderen Abgeordneten aus Franken. Das hat einen einfachen Grund: Während oberbayerische Landespolitiker nach getaner Arbeit nach Hause fahren, bleiben die Franken auch abends in München und treffen sich außerhalb des Landtags. Das kann förderlich sein für die politische Arbeit, "da entstehen Freundschaften", hat Vogel erfahren.

Den Kontakt mit Politikern anderer Parteien und Wählergruppen scheut er nicht. "Es gibt niemanden, mit dem ich nicht könnte", sagt er von sich. Vogel hat zwangsläufig Berührungspunkte mit Grünen und Roten und Freien Wähler zum Beispiel bei der Arbeit in den Ausschüssen des Landtags.

Schnell hat Steffen Vogel erkannt, dass diejenigen, die vor allem auf ihre Karriere schauen und das auch durchblicken lassen, einen schweren Stand haben. Derlei Ambitionen werden nicht gerne gesehen. Und deshalb hat auch ein Hinterbänkler seine Chance. "Ich versuche an dem Platz, an dem ich bin, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen. Man muss sich nach vorne arbeiten. Man muss auch Teamspieler sein."

Seine Arbeit besteht zum Beispiel darin, dass er als Mitglied des Sozialausschusses Berichterstatter seiner Partei für die Kindertagesstätten ist. Vogel ist Vorsitzender des Kindergarten-Trägervereins in Obertheres und deshalb sehr nah dran an der Materie und der Basis.

Stichwort Basis. Steffen Vogel ist der Stimmkreisabgeordnete. Das heißt, er hat bei der Wahl im September 2013 im Stimmkreis Rhön/Haßberge das Direktmandat gewonnen und ist so in den Landtag eingezogen. 90 Direktmandate werden üblicherweise vergeben, die anderen 90 Sitze im Parlament werden über die Listen verteilt.

Das Direktmandat sieht Steffen Vogel als eine besondere Verpflichtung an. Und es ist eine aufwendige Arbeit. Erfolge belohnen diese Arbeit, wie etwa die Behördenverlagerung. Hier bekommt der Landkreis die Landesbaudirektion, die mit rund 100 Arbeitsplätzen nach Ebern zieht. Die Verlagerung beginnt noch heuer, zehn Millionen Euro werden investiert.

Stichwort Ebern. Dort hat Steffen Vogel bei der letzten Kreisversammlung seiner Partei den Ritterschlag als Abgeordneter und auch als CSU-Kreisvorsitzender bekommen. Albert Meyer, der 19 Jahre lang Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium war, adelte Vogel mit den Worten, dass er sich den Thereser durchaus in höheren Positionen vorstellen könnte. Und der mittlerweile 90-jährige Meyer nahm sogar das Wort Ministerpräsident in den Mund.

Steffen Vogel lächelt. Er freut sich über das Lob aus dem Mund Albert Meyers und dessen Wertschätzung. Aber: Den Ehrgeiz, Ministerpräsident werden zu wollen, hat er nicht. "Das schließe ich aus", versichert er.

Wer wird der nächste Kandidat der CSU für den Posten des Ministerpräsidenten in Bayern? Der Amtsinhaber Horst Seehofer hat seinen Rückzug ab 2018 angedeutet. Das unselige Gezerre um die Nachfolge nervt viele Bürger.Vogel hat eine eindeutige Meinung. Er favorisiert Markus Söder, den Franken. Söder habe "großen Rückhalt", auch in Oberbayern, sagt Steffen Vogel. Markus Söder "macht einen guten Job", und vor allem verstehe er es, "schwierige Sachen" zu befrieden.

Ein Franke auf dem Stuhl des Ministerpräsidenten? Rutscht da der Hinterbänkler aus Unterfranken weiter nach vorne, wenn er bei der nächsten Wahl wieder in den Landtag berufen wird? Von einer Wiederwahl ist auszugehen, denn weder in der CSU noch in den anderen Parteien gibt es derzeit einen ernsthaften Konkurrenten für Steffen Vogel.


Kommentar von Klaus Schmitt: Nähe und Distanz

Es ging ganz schnell: Kaum war Steffen Vogel neues Mitglied der CSU-Landtagsfraktion, da wurde ihm auch schon das Du angeboten. Man duzt sich, vom Ministerpräsidenten bis zum Hinterbänkler. Das schafft Nähe.

Szenenwechsel: Bei früheren Wahlkampfveranstaltungen in Haßfurt hat die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (auch CSU) den früheren Ministerpräsidenten Stoiber und den amtierenden Ministerpräsidenten Seehofer am Mikrofon mit Edmund und Horst angesprochen. Auch wieder Nähe.

Derlei Vertrautheit kommt aber bei Bürgern nicht unbedingt gut an. Man wünscht sich von seinen Abgeordneten mehr Distanz zu den Mächtigen. Das vertrauliche Du suggeriert, der Stimmkreis- oder der Wahlkreisabgeordnete ist keiner mehr aus der Gruppe der Menschen vor Ort, sondern gehört zum Machtkreis in München.