Die Bauchlandung eines Autos im Schulhof des Gymnasiums am Donnerstagvormittag hat es (wieder) gezeigt: Welche Feuerwehrleute stehen während des Tages schnell zur Verfügung? Es waren die Heubacher in der Eberner Stützpunktwehr. Wie es um die Verfügbarkeit in den Stadtteilen bestellt ist, wenn während des Tages alle Hilfskräfte am Arbeitsplatz sind, und welche Ausrüstung in einem Ernstfall zur Verfügung steht, ergibt sich aus dem Feuerwehrbedarfsplan 2020, den ein externes Fachbüro aus Heilbronn nach monatelangen Erhebungen und Besprechungen erstellt und am Donnerstagabend dem Stadtrat vorgelegt hat.

Daraus ableiten lassen sich notwendige Fusionen kleinerer Wehren, die künftige Ausstattung mit Fahrzeugen und Gerät sowie die Nutzung der Feuerwehrhäuser. "Wir wollten eine Struktur zur Gefahrenabwehr in der Zukunft gemeinsam festlegen und haben uns dazu ein professionelles Büro an die Seite geholt", sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann zu der 56-seitigen Expertise. "Seit Juni 2015 diskutieren wir mit den Verantwortlichen der Wehren darüber und hatten noch letzte Woche Abstimmungsgespräche."


In zehn Minuten am Einsatzort

Ziel sei es, die rechtliche Vorgabe auf Jahre sicherzustellen, wonach bei einem Alarm innerhalb von zehn Minuten eine adäquate Mannschaft vor Ort sein muss, wenn die Einsatzstelle an einer Straße liegt. "Das schaffen wir mit einem wasserführenden Fahrzeug sowie Atemschutzträgern nur bedingt", erkannte der Bürgermeister. Als Notstandsgebiete kristallisierten sich die nordwestlichen Stadtteile wie Frickendorf, Brünn oder Neuses heraus.

"Deswegen streben wir Kompensationsmaßnahmen durch Zusammenarbeit an, die dann auch Änderungen in der Alarmierungskette nach sich ziehen, wobei die Eberner Zentralwehr stets mit ausrücken soll." Dass dies sinnvoll ist, machte Hennemann an einem weiteren aktuellen Beispiel fest, als in Bramberg eine Tür aufgebrochen werden sollte, und die Leute der Eberner Dienstaufsicht als erste vor Ort waren, obwohl gar nicht alarmiert.

"Wir müssen Mannschaft und Material zusammenbringen, um eine Abdeckung fürs gesamte Stadtgebiet hinzukriegen", lautet für Hennemann das Ziel, wobei in den nördlichen Stadtteilen auch die Nachbarwehren in Pfarrweisach und Burgpreppach mit ins Spiel kommen.

Aus dem Bedarfsplan lassen sich die künftigen Investitionen und Fahrzeuganschaffungen ab- leiten. "Die Zahl der Wehren wird reduziert, um den Rest zukunftsfähig und schlagkräftig zu machen", lautet die Prämisse einer "schwierigen Thematik".


Vier Hauptstützpunkte

Als Schwerpunkt-Standorte kristallisieren sich dabei neben Ebern noch Eyrichshof, Unterpreppach und Jesserndorf heraus. Auf lange Sicht wird für Ebern sogar ein komplett neues Feuerwehrhaus an einem neuen Standort in Betracht gezogen. Möglicherweise in Kooperation mit der FTE-Werksfeuerwehr auf dem einstigen Bahngelände.

Aufgelöst werden die Wehren in Albersdorf, Brünn (wird als Löschgruppe Bestandteil der Wehr Frickendorf), Fierst (Löschgruppe der Wehr Ebern), und Welkendorf (wird Löschgruppe der Feuerwehr Weißenbrunn). Eine
Zusammenarbeit zwischen Neuses und Vorbach wird nächste Woche noch abgestimmt.

Zu Wort meldeten sich die Feuerwehr-Experten im Stadtrat. Als dessen Referent hoffte Dieter Gerstenkorn (CSU), dass "der Plan auch bis 2020 hält", da sich zuletzt immer gezeigt habe, dass Änderungen notwendig wurden. Daher appellierte Gerstenkorn: "Die Leute sollen bei der Feuerwehr mitmachen, damit der Personalstand gehalten werden kann." Auch hofft der Feuerwehrreferent, dass "die alten Fahrzeuge so lange halten, wie es der Plan vorsieht".

Fabian Weber (CSU) warnte davor, sich in eine Abhängigkeit mit der FTE-Werksfeuerwehr zu begeben. "Wer weiß, wer in einigen Jahren in der Werksleitung und in der Werksfeuerwehr das Sagen hat?"


Ausbildung zu aufwändig?

Klaus Schineller (EAL) sah ein Problem der Nachwuchswerbung darin, dass die Ausbildung mittlerweile so zeitaufwendig sei. "Es lassen sich bestimmt mehr Leute begeistern, wenn man die eine oder andere Stunde wegließe."
Dies sei nicht möglich, erklärte dazu Markus Fausten (CSU). "Die Ausbildung steigt proportional zum Gerät. Da lassen sich keine Stunden runter schrauben."
Brunhilde Giegold (SPD) fürchtete, dass "die Umsetzung des Plans die Aktivitäten der Feuerwehr in den Stadtteilen erstickt". Genau das Gegenteil erwartet dagegen Bürgermeister Hennemann: "Wir erreichen damit, dass jeder Feuerwehrmann, auch der aus einer kleinen Wehren, ans beste Gerät kommt."


Traum vom neuen Feuerwehrheim

Örtliche Befindlichkeiten klangen bei Karin Kaiser und Wolfgang Heppt (beide SPD) an. Kaiser würde sich freuen, wenn es mit einem Neubau in Unterpreppach "endlich klappt, da der Spatenstich ja schon 2015 erfolgen sollte". Und Heppt erinnerte an den Antrag der Bramberger Wehr auf ein neues Feuerwehrhaus. "Die warten darauf, wenigstens eine Antwort zu bekommen. Und dazu muss man sich nicht auf ein Ingenieurbüro zurückziehen."

Erst stünden die Fahrzeuge auf der Liste, dann die Gebäude lauten die Prioritäten, wie der Bürgermeister erklärte.

Zum Zeitplan der Umsetzung schwebt Hennemann vor, dass der Bedarfsplan nun dem Landratsamt und dem Kreisbrandrat vorgelegt wird. Danach könnte er in der Juni-Sitzung des Stadtrates endgültig beschlossen werden, um danach die Details wie Alarmierung und Ausrückrouten festzulegen.