Corona stellt die gesamte Gesellschaft vor Herausforderungen. Das Virus macht auch vor der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes nicht halt. Sie sieht ihre tägliche Arbeit deutlich eingeschränkt: Schwimmtraining kann nicht stattfinden, die Abnahme der Rettungsabzeichen fällt sprichwörtlich ins Wasser, und unklar ist, ob heuer überhaupt Freibäder öffnen und damit eine Badeaufsicht benötigt wird.

"Zurzeit ist alles anders", fasst René Oelke, kommissarischer Technischer Leiter der Wasserwacht-Ortsgruppe in Ebern, zusammen. "Aber wir machen das Beste aus der Situation und bereiten uns auf die Zeit nach der Pandemie vor." Aufgrund des Kontaktverbots und der Ausgangsbeschränkung ist es natürlich auch den Ehrenamtlichen der fünf Wasserwacht-Ortsgruppen im Landkreis nicht möglich, das wöchentliche Schwimmtraining abzuhalten.

Körperliche Fitness zählt

Das Training dient nicht nur dazu, sich auf eventuelle Wasserrettungseinsätze vorzubereiten, sondern sich auch körperlich fit zu halten. "Jetzt treten andere Sportarten in den Vordergrund, um die körperliche Fitness aufrecht zu erhalten", sagt Oelke. "Das macht jedes Mitglied ganz individuell für sich." Die einen machen Krafttraining, andere gehen Joggen oder schwingen sich aufs Fahrrad. Schwimmen ist eben wegen der Bäderschließungen nicht möglich.

Wie die nächsten Wochen und Monate weitergehen, vermag die Eberner Ortsgruppe nicht abzuschätzen. Deshalb bereitet man sich dennoch auf ein "Öffnungsszenario" vor. Es werden Dienstpläne für eine Aufsicht im Freibad und für den Herbst im Hallenbad vorbereitet, ebenso finden Planungen für den Kinder-Schwimmkurs im Herbst/ Winter statt. "Wir planen jetzt und bereiten uns vor und sind damit für alle Möglichkeiten gerüstet", beschreibt René Oelke die Situation. "Absagen kann man leichter, als von jetzt auf nachher neu planen zu müssen."

Rund 30 Aktive zählt die Ortsgruppe Ebern der BRK-Wasserwacht aktuell. Unter ihnen befinden sich zehn Rettungsschwimmer. Die Wasserwacht ist vor allem bei der Badeaufsicht im Hallenbad und im Freibad Garant für Sicherheit und entlastet die Stadt und hilft somit Kosten sparen. Im Jahr 2019 haben die Wasserwachtler laut René Oelke im Hallenbad 108 und im Freibad 177 Stunden Badeaufsicht geleistet.

Körperlich fit bleiben? "Das kann aufgrund der aktuellen Lage nur jedes Mitglied für sich alleine tun", bestätigt ebenso Dominik Wohlleben, Leiter der Wasserwacht-Ortsgruppe Haßfurt. Individueller Einzelsport ist hier gefragt. Dafür gebe es unter anderem sehr gute Online-Angebote für Workouts.

Abzeichen in Silber

Die Retter legen jährlich das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber ab. "Die derzeitigen Einschränkungen haben uns mitten in der diesjährigen Abnahme unterbrochen." Die organisatorischen Vorbereitungen für die Saison im Haßfurter Freibad laufen derweil wie jedes Jahr. "Somit können wir den Wachdienst jederzeit auf Abruf beginnen."

Ausbildungen und Unterweisungen der Ehrenamtlichen im Zusammenhang mit einem möglichen Einsatz im Rahmen des in Bayern ausgerufenen Katastrophenfalls wurden mithilfe von Onlineplattformen und Videokonferenzen durchgeführt und finden weiterhin statt. Corona hat an den Aufgabenfeldern der BRK-Wasserretter nichts geändert. Die Schnelleinsatzgruppen (SEG) sind für mögliche Wasserrettungseinsätze rund um die Uhr einsatzklar. Im Zuge des Katastrophenfalls leistet die Wasserwacht für den Kreisverband aktuell auch unterstützende administrative Tätigkeiten.

Natürlich ist der Eigenschutz im Hinblick auf die Vermeidung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus bei der Wasserwacht gewährleistet. "Die SEG-Einheiten wurden durch den BRK-Kreisverband mit persönlicher Schutzausrüstung zum Selbst- und Fremdschutz im Einsatzfall ausgestattet und durch Schulungen und Unterweisungen auf die Situation vorbereitet", sagt Dominik Wohlleben.

Dass wegen Corona alles momentan anders läuft, davon spricht auch Johannes Rennert, stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Sand/Zeil, die unter anderem für die Betreuung des Sander Baggersees und für den Main zuständig ist. Die Wachstationen könnten nicht wie sonst hergerichtet werden. Generell müsse man sehr strategisch bei der Planung vorgehen. "Eine Vorplanung und Absprache, wer was macht, ist nicht ganz einfach. Aber wir stimmen uns mittels Video-Konferenzen ab." Das habe den Vorteil, dass man sich wenigstens sieht.

Fällt die Saison ins Wasser?

Die Kreiswasserwacht, deren stellvertretender Vorsitzender Rennert ebenso ist, ist im BRK als ehrenamtliche Gemeinschaft im Katastrophenschutz mit tätig. Sie ist im Koordinierungsstab des Kreisverbandes für die Corona-Krise integriert. Die Einsatzkräfte würden unter anderem zum Thema Hygiene und Infektionsschutz geschult. Eins freilich fällt für die Wasserwacht derzeit ins Wasser: Übungsfahrten mit dem Boot stehen auf der langen Liste der wegen Corona verbotenen Dinge.

Wie die Badesaison verlaufen wird und ob die Bürger im Sommer die Seen zum Baden nutzen? Dazu lassen sich nach Worten des stellvertretenden Kreiswasserwacht-Vorsitzenden keine Aussagen machen, da unklar ist, wie lange die Ausgangsbeschränkungen gelten und wie sich das Freizeitverhalten danach gestalten wird.