Die Wassermassen, die in den vergangenen Wochen durch den Landkreis Haßberge spülten, hatten etwas Tückisches: Sie waren so ziemlich unberechenbar. "Lokale Starkregenereignisse sind schwer zu erfassen", sagt Frank Pilhofer vom Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen, das auch für den Landkreis Haßberge zuständig ist. Für den hiesigen Bereich findet man auf der Homepage des Amtes keine expliziten Hinweise auf Gefahren: "Derzeit liegt keine Hochwasserwarnung für den Landkreis Haßberge vor", heißt es. Mit dem Zusatz: "Für lokale Überschwemmungen, wie sie zum Beispiel durch örtlich begrenzte Starkregen (Gewitter) auftreten, können keine Warnungen und Vorhersagen erstellt werden."

Bei regelmäßig bevorstehenden Ereignissen wie der Schneeschmelze, erklärt Pilhofer, seien Prognosen eher möglich. Entsprechend frühzeitig kann man sich auf ein Hochwasser einstellen.
Bei örtlichen Wolkenbrüchen wie jetzt am Wochenende zum Beispiel im Bereich der Tretzendorfer Weiher, als die Aurach bedrohlich anschwoll, könne man nur spontan darauf reagieren: Die Feuerwehren hatten die Entwicklung aber im Blick und haben mit Sandsäcken das Wasser zurückgehalten. So wurde offenbar verhindert, dass die Weiher zu schnell volllaufen und das viele Wasser zu Überschwemmungen im Dorf führt.

Sportplatz überschwemmt

Andernorts, wie etwa in Prölsdorf, wo die Rauhe Ebrach dieser Tage den Sportplatz überschwemmte, gehören ausufernde Wassermassen regelmäßig zum Ortsbild dazu. Auch der Ebelsbach in der gleichnamigen Gemeinde, der jüngst mal wieder vom Bach zum Fluss mutierte, kann die Anwohner kaum mehr überraschen.

Denn generell, so sagt es Pilhofer, sei die Region eben von Hochwasser betroffen. Die Leute stellen sich darauf ein. Und für den Hochwasserschutz wurde in den vergangenen Jahren einiges getan. Wenngleich die Situation besser sein könnte, wie Pilhofer sagt. So etwa in Altershausen (Krumbach), Dörflis (Ebelsbach, Streitlingsbach), oder am Main entlang (Sand, Haßfurt, Wonfurt, Eltmann, auch Ebelsbach). Am Main und auch an der Itz ist das Wasserwirtschaftsamt zuständig, da es sich um Gewässer erster Ordnung handelt. Ebenso ist es bei Gewässern zweiter Ordnung (Rauhe Ebrach, Baunach, Nassach).

Aber oft sind die Kosten für Hochwasserschutzmaßnahmen laut Frank Pilhofer sehr hoch, und die Kommunen müssten sich etwa zur Hälfte daran beteiligen (kleinere Gewässer gehören zur Kategorie dritter Ordnung, hier ist allein die Kommune zuständig). Da würde stets abgewägt, ob sich die teuren Maßnahmen gegen Hochwasser lohnten, oder "ob sich die Bewohner damit arrangieren können."

Nachbesserungen

Auch rund um die Tretzendorfer Weiher hat man sich damit arrangiert. Seit es im Jahr 1955 im Dorf eine fatale Überschwemmung gab, ist die Gemeinde auf der Hut: Damals war der Damm am Dorfweiher durchgebrochen. Das würde heute nicht mehr so einfach passieren, sagt Bernhard Denner von der Geschäftsleitung der Gemeinde Oberaurach. Der Damm wurde durch einen Betonkern verstärkt, über die Flutmulde hinter dem Weiher kann Wasser über einen Kanal in die Aurach abfließen. Problematisch ist die Situation eher weiter hinten bei den anderen Fischteichen: Wenn der Wasserstand der Aurach steigt und die Dämme zu den Teichen hin unterspült werden, dann könnten mit einem Schlag große Wassermengen zum Dorfweiher gelangen. Der Dorfdamm würde zwar nicht brechen, aber stoppen könnte er das Wasser ab einer gewissen Menge auch nicht mehr. "Das ist die eigentliche Gefahr", sagt Denner.

Zur Zeit werden die Weiher verschärft beobachtet. Auch wenn die Lage momentan entspannt ist: Ein weiterer Starkregen ist eine Bedrohung. Deswegen sollen die Sandsäcke, die am vergangenen Wochenende geschlichtet wurden, vorerst liegen bleiben, erklärt Denner. Außerdem denkt die Gemeinde darüber nach, Geld für weitere Schutzmaßnahmen auszugeben, etwa für noch einen Damm hinter den Weihern. Fix ist da noch nichts, aber das Thema rangiert bei den Verantwortlichen in der Gemeinde weiterhin oben auf der Prioritätenliste. Gespräche werden bereits geführt.