Nach Eltmann und Ebern kann sich ab sofort auch Haßfurt als dritte Kommune im Landkreis Fairtrade-Stadt nennen. Auf eine große Auszeichnungsfeier musste zwar wegen der aktuellen Corona-Lage verzichtet werden, dennoch präsentierten die Verantwortlichen im kleinen Rahmen dieser Tage bei einem Pressegespräch in der Stadthalle den offiziellen Start.

"Endlich haben wir es geschafft", sagte Heidrun Kirste-Schiffler, die Dritte Vorsitzende des Vereins Partnerschaft Dritte Welt, der den Weltladen in Haßfurt seit 35 Jahren betreibt. Seit 1985 ist das Geschäft in der Lucengasse nahe des Marktplatzes Vorreiter für fair gehandelte Erzeugnisse. Jetzt ist Kirste-Schiffler Sprecherin der Steuerungsgruppe, die rund um die Fairtrade-Stadt für die Vernetzung und Organisation von Veranstaltungen und Aktionen zuständig ist. Mit im Team sind ihre Kollegin vom Weltladen, Heike Paul-Scheuring, und Heike Heumann von der Grundschule Haßfurt. Unterstützung von der Stadt Haßfurt erhält die Steuerungsgruppe von Christian Plott, dem vor einiger Zeit neu eingestellten Mitarbeiter für Kultur und Tourismus.

Im Juli 2019 stellte der Stadtrat die Weichen für die Teilnahme Haßfurts an der Fairtrade-Kampagne. Einige Geschäfte in der Kreisstadt sind schon dabei und bieten fair gehandelte Produkte an. "Mit dem Fairtrade-Sigel hat man die Gewissheit, dass Arbeiter nicht ausgebeutet werden und es keine illegale Kinderarbeit gibt", sagte Bürgermeister Günther Werner (WG), der sich stolz auf die Auszeichnung zeigte.

Die Stadtverwaltung geht voran und schenkt in Stadtratssitzungen und im Bürgermeisterbüro fairen Kaffee und Orangensaft aus. Fair gehandelter Stadt-Kaffee und Stadt-Schokolade können auch in der Touristinformation erworben werden. Ein noch größeres Angebot von fairen Produkten findet man, wie schon erwähnt, im Weltladen, sowie in einigen Einzelhandelsgeschäften und gastronomischen Betrieben. Die katholische Pfarrgemeinde Unterhohenried veranstaltet regelmäßig einen Basar mit fairen Artikeln, in der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Haßfurt wird beim Kirchenkaffee fairer Kaffee ausgeschenkt.

Bildungsarbeit zum Thema leistet die Grundschule Haßfurt - zum Beispiel durch Fußbälle, die das Problem von Kinderarbeit im sogenannten globalen Süden beleuchten. Fairtrade bietet hier durch strikte Regeln und höhere Einkommen für die Familien konkrete Hilfen. Auch in der Waldorfschule in den Mainauen laufen viele Aktionen. Zum Beispiel brachten 2019 die Schüler fairen Segelkaffee per Rad vom Hafen Hamburg zur Rösterei in Schweinfurt - ein Projekt, das auch große mediale Aufmerksamkeit fand.

Die Kampagne Fairtrade-Towns fördert gezielt den fairen Handel auf kommunaler Ebene. Dass die Idee funktioniert, zeigt das große bundesweite Interesse von Kommunen jeder Form und Größe: "Was 2009 mit Saarbrücken als erster Stadt begann, hat einen Domino-Effekt ausgelöst", sagte Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender vom Verein TransFair, der die Kampagne in Deutschland trägt. Die Auszeichnung Haßfurts ist das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Städte und Gemeinden spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung globaler Entwicklungsstrategien. Die Kampagne Fairtrade-Towns bietet Kommunen konkrete Handlungsoptionen. So sind Fairtrade-Towns auch wichtige Akteure für die Implementierung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Hier engagiert sich die Kreisstadt zusätzlich im "Pakt zur nachhaltigen Beschaffung" der Metropolregion Nürnberg, zu der der Landkreis Haßberge gehört.

Die lokale Steuerungsgruppe in Haßfurt hofft, dass sich zukünftig noch mehr Einzelhändler und Vereine an der Initiative Fairtrade-Stadt beteiligen und zur gegenseitigen Vernetzung beitragen. Interessierte können sich an Heidrun Kirste-Schiffler (weltladen.hassfurt@web.de, Telefon 09521/1228) oder Christian Plott aus der Stadtverwaltung (christian.plott@hassfurt.de, Telefon 09521/688302) wenden.