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Haßfurt
Prozess

Vergewaltigung in Haßfurt: Mann verkleidet sich als Arzt und missbraucht Praktikanten

Er hat sich als Arzt verkleidet und anschließend einen Praktikanten in einer Lagerhalle in Haßfurt vergewaltigt. Das Landgericht Bamberg schickt nun einen 41-Jährigen für seine Tat über fünf Jahre ins Gefängnis. "Es tut mir leid" waren die letzten Worte des Angeklagten.
 
Vergewaltigung in Haßfurt: Mann verkleidet sich als Arzt und missbraucht einen Praktikanten
In Haßfurt hat sich ein Mann als Arzt verkleidet und anschließend einen seiner Praktikanten in einer Lagerhalle vergewaltigt.

Weil er im August 2009 einen damals 14-jährigen Praktikanten in einer Lagerhalle in Haßfurt vergewaltigt hat, hat das Landgericht Bamberg am Montag einen 41-Jährigen aus dem Kreis Schweinfurt wegen Vergewaltigung in zwei Fällen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt.

Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte das Landgericht gegen den Angeklagten wegen zweifacher Vergewaltigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch sechs Jahre Haft verhängt. Der Verurteilte legte Revision ein - mit Erfolg: Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, dass der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs bereits im Jahr 2014 verjährt war, weshalb der Täter "nur" wegen zweifacher Vergewaltigung belangt werden könne. Der BGH verwies den Fall daher zur erneuten Verhandlung zurück an das Landgericht in Bamberg.

Angst vor Ärzten: Opfer leidet bis heute unter den Folgen des Missbrauchs

Das Opfer hatte die Taten erst im März 2018 angezeigt, weil der Angeklagte ihm befohlen hatte, niemandem etwas davon zu erzählen. Laut Nebenklage-Anwältin Sabine Müller leidet ihr Mandant bis heute unter den Folgen der Tat. Er könne vor einem Termin mit ihr tagelang nicht schlafen. Als er eine Ladung zur erneuten Verhandlung erhielt, habe er Panikattacken bekommen, erzählte die Anwältin vor Gericht. Zur Verhandlung musste er nicht erscheinen. Eine erneute Aussage blieb ihm erspart.

Da der Angeklagte bei den Taten einen weißen Doktorkittel und ein Stethoskop trug, habe ihr Mandant große Probleme damit, sich von Ärzten mit weißen Kitteln oder mit Stethoskop behandeln zu lassen. Als der Geschädigte im Juli dieses Jahres von einer Wespe gestochen wurde, schob der Wespenallergiker einen Krankenhausbesuch so lange hinaus, bis er Lähmungserscheinungen hatte. Er ließ sich dann doch von einem Freund ins Krankenhaus fahren, wo er wegen der Coronakrise jedoch alleine eintreten musste. Er habe außerdem Angst vor Dunkelheit und vor älteren Männern, schilderte die Anwältin weiter. Einen Therapieplatz habe er erst vor kurzem gefunden.

9000 Euro hat der Täter bereits an sein Opfer als Schmerzensgeld bezahlt. Vor Gericht einigten sich die Parteien auf die Zahlung von weiteren 6000 Euro als "Teilvergleich". Eine Entschuldigung des Täters für seine Taten akzeptiere ihr Mandant nicht, sagte die Anwältin. Die Staatsanwältin forderte eine Strafe von fünf Jahren und neun Monaten. Der Angeklagte sei mit krimineller Energie vorgegangen, indem er die Tat mit einem "perfiden Plan" ausführte: Er habe sich einen Arztkittel und ein Stethoskop besorgt und die Taten am Ende des Arbeitstages ausgeführt, als die anderen Angestellten die Firma bereits verlassen hatten, und habe seine Machtposition als Vorgesetzter ausgenutzt.

Verteidiger fordert mildere Strafe: Täter sei "extrem haftempflich"

Der Verteidiger des 41-Jährigen erachtete vier Jahre und drei Monate Haft als angemessen, da die Taten schon lange zurückliegen und sein Mandant "extrem haftempfindlich" sei. Seit fast zwei Jahren befinde er sich sehr isoliert in Untersuchungshaft und habe zuletzt wegen der Coronakrise keinen Besuch empfangen können.

Richterin Marion Schmidt begründete das Strafmaß von fünf Jahren und drei Monaten mit den erheblichen Folgen der Taten für den Geschädigten. Positiv sei das umfassende Geständnis des Angeklagten zu werten. Neben den Prozesskosten muss der Angeklagte auch die Kosten der Nebenklage und der Revision bezahlen. "Es tut mir leid", waren die letzten Worte des Angeklagten, der ebenso wie die Staatsanwältin die Strafe akzeptierte. Das Urteil ist somit rechtskräftig.

Symbolfoto: somkanokwan/Adobe Stock