Nachdem in den vergangenen Wochen ein Grundstück in der Gemarkung Schlettach als Standort für ein neues Tierheim ins Gespräch gebracht worden war, regt sich in Sylbach Widerstand gegen das mögliche Projekt. "Große Unruhe unter weiten Teilen der Ortsbewohner" habe das Ansinnen von Landrat Rudolf Handwerker (CSU) mit Unterstützung der Stadt Haßfurt (Grundstückseigentümer) verursacht, teilt die Jagdgenossenschaft und Waldkörperschaft Sylbach in einem Schreiben mit. Deren Mitglieder hatten wegen der Gespräche über einen möglichen Tierheim-Neubau eine Versammlung einberufen.
"Bereits vor einigen Jahren sollte auf dieser Grundstücksfläche die Haßfurter Biogasanlage gebaut werden", heißt es in dem Versammlungsbericht. Damals habe eine Bürgerinitiative den Bau verhindern können.
Denn diese Fläche ist laut Kurt Ebert von der Jagdgenossenschaft und Waldkörperschaft Sylbach ein "Naherholungsgebiet". Mit dem Bau eines Tierheims würde man die schöne Landschaft dort negativ beeinträchtigen. Es handle sich hier um einen sensiblen Bereich im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes.
"Gegen ein Tierheim ist ja niemand", erklärt Ebert. Aber nach Ansicht der Jagdgenossen sollte ein solches Vorhaben nicht "an diesem Standort mitten in der Natur" realisiert werden. In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Wer sich näher mit der Angelegenheit befasst, kann erkennen, warum etwa vier bis fünf Hektar von den zukünftigen ,ehrenamtlichen' Betreibern des Tierheimes gefordert werden. Private Interessen dürfen hier nicht ausschlaggebend sein und berücksichtigt werden."
Die Versammlung richtet sich mit der Bitte beziehungsweise Aufforderung an die Verantwortlichen in Kreis und Stadt, nochmals zu überdenken, "das Problem Tierheim ohne großen Eingriff in Natur und Umwelt sowie am kostengünstigsten zu lösen. Die Zeche müssen so die Kreisbürger zahlen".


Weitere Inhalte der Pressemitteilung im Wortlaut

In der Mitteilung heißt es außerdem im Wortlaut: "Weshalb lehnte denn diese Personengruppe (die Tierschutzinitiative Haßberge, die Red) bisher andere Standorte eines künftigen Tierheimes ab? Wenn einmal ein 40 m langes Gebäude erstellt ist, wird hier weiter¬gebaut. Anderen Interessengruppen kann dann auch nichts in die Wege gelegt werden. Jedem Privatmann wird es untersagt in der freien Natur zu bauen, bzw. die Natur zu verunstalten. Doch der Herr Landrat kann ja zum Wohl der Allgemeinheit alles umgehen.

Es stellte sich die Frage weshalb denn ein Tierheim, für das der Kreis zuständig ist, in Haßfurt sein muss. Es gibt in vielen großen Gemeinden des Landkreises viele Grundstücke und Flächen, die sich anbieten. Argumente wie: die Tiere müssen doch dann weit gefahren werden dürfen kein Gewicht spielen. Gefahren werden müssen Fundtiere so oder so, ob jetzt 5 oder 20 Kilometer und zudem fallen die Fundtiere nicht nur in Haßfurt an. Auch in den Nachbarlandkreisen befinden sich die Tierheime nicht in zentraler Lage. Wenn ein Tierheim unbedingt in Haßfurt sein muss, wurde angeregt auf der Fläche des alten Tierheims, kostengünstig und angepasst die erforderlichen Räumlichkeiten zu bauen. Zumal schon dort ein baureifer Plan vorgelegen hat bzw. noch vorliegen dürfte sowie auch hier Erweiterungs- möglichkeiten bestehen. Jetzt erfährt man, dass die Fläche am ehemaligen Tierheim Standort renaturiert werden soll. Ein weiterer Standort wäre noch zwischen Biogasanlage und Biotop also vor dem Schlettachwald. Diese Fläche müsse man aber erwerben und man hätte nicht städtischen Grund im Erbbaurecht zur Verfügung. Warum kann man nicht, wenn der Kreis unbedingt ein Tierheim in Haßfurt haben will die erforderlichen Anbauten am Kreisbauhof an der Uchenhofer Straße vornehmen. Hier könnten die meisten Kosten eingespart werden, denn die notwendige Infrastruktur und Personal sind vorhanden. Für 12 Hunde und mehrere Katzen könnte man leicht Unterkünfte schaffen.

Die Verantwortlichen und die Kreis- und Stadtbewohner sollten auch Bedenken welche Kosten und Folgekosten entstehen. Man spricht von einer Bausumme von über 1 Million Euro. Zahlen kann man aber vorher schön reden. Für Gas, Wasser, Strom und Abwasser dürften erhebliche Anschlusskosten bei diesem Standort entstehen. Ist eine Sickergrube, wie aus Kostengründen vorgeschlagen, für einen derartigen Betrieb in der heutigen Zeit überhaupt noch erlaubt? Ein Tierheim im vorgesehenen Ausmaß kann und darf nicht von "Ehrenamtlichen” betrieben werden. Wurde denn schon einmal nachgefragt wie viele angestellte Mitarbeiter andere Tierheime benötigen? Unterhalts- und Personalkosten im fünfstelligen Bereich fallen an. Der Kreis darf sich nicht nur darauf berufen, dass alles ehrenamtlich geschieht. Ohne feste Verträge lässt sich ein Tierheimbetrieb nicht mehr durchführen.

Aus der Versammlung kam auch der Einwand. Es sei durchgedrungen, dass die Amtstierärztin Frau Nowak von oben den Auftrag bekommen habe, das Projekt Tierheim unter allen Umständen durchzuziehen. Es stellte sich die Frage, ob die Tierärztin die Tiere dann auch kostenlos behandeln würde. Ähnliche Bemerkungen kamen bezüglich des Naturschutzes. Die untere Naturschutzbehörde ist Teil des Landratsamtes. Sowohl die Mitarbeiter des Veterinäramtes und der unteren Naturschutzbehörde unterstehen dem Landrat und sind in gewisser Beziehung von dessen Wohlwollen abhängig. Wer geht auch denn schon dagegen vor, wenn auch das Ansinnen seines Vorgesetzten gegen den normalen Menschenverstand verstoßen dürfte?

Warum kam es denn so weit, dass man ein neues Tierheim benötigt? Hätten sich die Verantwortlichen des Kreises und der Stadt, wie es ihre Pflicht und Schuldigkeit ist, um einen ordnungsgemäßen und finanziell angepassten Rahmen um das ehemalige Tierheim gekümmert, so wäre es nicht zum "Skandal” und zur Schließung gekommen."