Irgendwie kommen einem Form und Kubatur bekannt vor. Der Mensa-Neubau für die Grundschule und der Ganztagesbetreuung ähnelt stark dem Betreuungsgebäude am Friedrich-Rückert-Gymnasium. Das Innenleben indes unterscheidet sich in wesentlichen Teilen, wie bei der Präsentation im Rahmen der Stadtratssitzung am Donnerstagabend deutlich wurde.

Eines vorneweg: Es bleibt beim Bau mit zwei Etagen und einem begrünten Flachdach. Andere Dachvariationen, wie sie mit Blick auf die noch bestehende Kujathvilla und die Auswirkungen auf die Altstadtsilhouette diskutiert wurden, lehnte der Stadtrat mehrheitlich ab.

Architekt Günter Pollach hatte vorgerechnet, dass andere Dachformen zu Mehrkosten zwischen 100 000 und 220 000 Euro führen würden.
So scheiterte auch die CSU-Fraktion mit ihrem Vorstoß, eine stärkere Dachneigung als die jetzt vorgesehenen zwei Grad zu wählen.


Kostenrahmen bei zwei Millionen

"Wir wollen im Kostenrahmen von zwei Millionen Euro bleiben", lautet die Prämisse, die sich Architekt und Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) auf die Fahnen geschrieben haben. Und diesem Diktat fiel auch der Gedanke eines Holzhauses zum Opfer. "Das würde zum Einbau einer Brandmeldeanlage und etlichen Sonderbauteilen führen." Pollachs Sohn Sebastian setzte dem Traum vom Holzflair nüchterne Vorschriften entgegen. "Das Holz müssten wir mit feuerhemmenden Materialien einhausen und am Ende sieht man vom Holz gar nix." Deshalb regte Bürgermeister Hennemann an, das "Holzflair über Einrichtungs-Elemente reinzubringen".

Wie der Bürgermeister erläuterte, sei der jetzt vorliegende Entwurf mit den Zuschussgebern an der Regierung von Unterfranken und den Schulvertretern abgestimmt. "Das Raumprogramm für Mittagsbetreuung und Ganztages-Grundschule wurde anerkannt und das pädagogische Konzept lässt sich darin umsetzen."

Der Baukörper sei so konzipiert, dass er mit einer Nutzfläche von 450 Quadratmetern auf das Gelände der Kujath-Villa passt. "Entscheidend ist aber das Innenleben, die Raumgestaltung, die einen optimalen Unterricht möglich macht. Die Wünsche der Lehrer und die Vorgaben des Schulamtes sind darin gut abgebildet", befand der Bürgermeister, der sich zudem über eine Förderquote von "über den Daumen 55 Prozent" freute.


Nur Portionierung und Ausgabe

Wie Günter Pollach ergänzte, bleibt das Erdgeschoss dem Mensa-Betrieb vorbehalten, wobei keine Vollküche, sondern nur eine Portionierung vorgesehen sind, was Karin Kaiser (SPD) nicht als vorteilhaft erachtete. "Durch eine Komplettküche wäre das Projekt größer und damit teurer geworden", dämpfte Hennemann entsprechende Hoffnungen. "Das ist mit der Awo als Betreiber auch so abgestimmt."

Das Treppenhaus mit behindertengerechtem Aufzug führt in den 1. Stock, wo Ganztagesschule und Mittagsbetreuung einziehen, wobei Faltwände viel Flexibilität eröffnen, was besonders Philipp Arnold (Freie Wähler) als erfahrenen Pädagogen freute. "Eine variable Möblierung ist zeitgemäß und von großem Vorteil."

Zur städtebaulichen Situation sagte Pollach, dass die Abstimmung mit der Denkmalpflege erfolgt sei. "Der Neubau wird 6,50 Meter hoch, beim Kujathhaus sind es jetzt 11,50 Meter. Stadtmauer und Parkanlage werden durch den Neubau nicht beeinträchtigt. Die Blickbeziehung zur Stadtsilhouette bleibt frei", zerstreute Pollach dahingehende Bedenken.

Auch die "schlechten Erfahrungen mit Flachdächern", die Bürgermeister Hennemann ansprach, hakte Pollach als erledigt ab. "Diese Probleme wurden in den letzten Jahren abgestellt. Es gibt nicht mehr so viele Durchdringungen der Außenhaut, die stets Schwachstellen darstellten. Dafür gibt es jetzt Fertigteile in allen Variationen", versicherten Günter und Sebastian Pollach unisono.

Dem flach nach außen geneigte Gründach rang der Architekt viele Vorzüge ab: "Es puffert das Wasser, schützt vor thermischen Differenzen und wertet das Gebäude optisch auf." Eine Grünpflege sei nicht notwendig.

Auch der Bürgermeister versprach sich dadurch ein "gestalterisches Element". Hennemann: "Auf ein reines Blechdach möchte ich von meinem Amtszimmer aus auch nicht schauen."

Der Abriss der Kujath-Villa soll im August erfolgen, die Bauarbeiten dann im September beginnen.

Verständnis für Abholzmaßnahmen?

Zwei Nachbarinnen versuchen zu retten, was zu retten ist: Sie sammeln Zweige mit Palmkätzchen zusammen, um sie daheim in eine Vase zu stellen. Die Masse des Busches bleibt aber gerodet in einer Pfütze liegen. Das nächste Opfer eines Kahlschlages.

Als Fotograf kommt man kaum noch hinterher, da in diesen Tagen Beschwerdeanrufe en masse in der Redaktion eingehen. "In der Hecke brüten Neuntöter und Fasan", empörte sich eine Frau am Telefon, die Landratsamt, Bund Naturschutz und Bürgerverein aktivieren will.

Die Begründung, dass Äxte und Sägen derzeit Hochsaison haben, lieferte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) am Ende der Stadtratssitzung am Donnerstag, als er in einer persönlichen Erklärung um "Verständnis für die Einsätze des städtisches Bauhofes" warb. Hennemann: "Das Abholzen muss natürlich in den Wintermonaten gemacht werden, weil ab 1. März ist das nur noch möglich, wenn Gefahr in Verzug ist."

Mit Blick auf die kontinuierliche Berichterstattung unserer Zeitung gestand der Bürgermeister ein, dass "manche Maßnahmen schon starke Eingriffe darstellen". Er versicherte aber, dass sämtliche Rückschnitts- und Pflegemaßnahmen nach fachlichen Kriterien ausgeführt werden.

Dabei verwies er auch auf den aktuell Auftrag erweiterten Beratungsvertrag mit den Bamberger Landschaftsarchitekten Ammermann und Döhler, die nun auch den Walk-Strasser-Anlagenbereich zwischen Raiffeisenbank und Angerbach aufplanen. Dies auch im Zusammenhang mit weiteren Eingriffen im Anlagenring, die durch den Bau des Mensa-Gebäudes notwendig werden (siehe gesonderten Bericht oben).

Weiter verwies der Bürgermeister darauf, dass "wir bei den aktuellen Eingriffen nicht nur Bäume und Büsche entnehmen, sondern auch Nachpflanzmaßnahmen folgen lassen".

Der Kritik aus weiten Bevölkerungskreisen setzte Hennemann ein Versprechen entgegen: "Ich versichere, dass wir um die Bedeutung des Anlagenringes wissen und damit behutsam umgehen." Dies will er auch im Amtsblatt darlegen.