Über 500 rote Briefumschläge werden am Sonntagnachmittag vor Frederic Koller liegen. Am Ende des Tages müssen alle geöffnet und ausgezählt sein. Zusammen mit acht anderen ist der 19-Jährige Briefwahlhelfer.

Vor vier Wochen ist Frederic Koller aus Dankenfeld gefragt worden, ob er das Ehrenamt für jemanden übernehmen kann, erzählt er. Kurzerhand ist er eingesprungen. "Ich dachte mir, man lernt so immer etwas dazu." Seitdem hat er sich immer tiefer in das Thema Wahlen gegraben. "Ich habe mich noch mehr damit auseinander gesetzt." Schließlich darf der jungen Oberauracher bei den Wahlen in diesem Jahr zum ersten Mal seine Kreuzchen setzen. Das sei aber gar nicht so einfach, meint er.

Schwierige Entscheidung

Die Frage nach dem Wen oder Was hat er für sich noch nicht beantwortet: "Ich habe mich noch nicht entschieden.
Aber ich weiß schon, in welche Richtung es gehen wird." Er findet es besonders für Erstwähler schwierig, sich für eine Partei zu entscheiden. "Die Parteiprogramme sind undurchsichtig und oft extrem schwer verständlich." Dass er wählen geht, stand für ihn aber fest.

Der 19-Jährige kann jedoch die Nichtwähler zum Teil verstehen. "Das ist schon ein großer Zeitaufwand." Auch weil die Wahl und die Programme oft schwer zu durchschauen seien. "Außerdem kümmert sich ja auch niemand darum, den Erstwählern die Wahl zu erklären." Die Gemeinden könnten eine Informationsveranstaltung organisieren, meint der 19-Jährige. "Oder es könnte eine Diskussionsrunde geben mit Jugendlichen und Parteisprechern, die uns dann erklären, worum es ihnen geht."

Wertvolle Stimme

Es sei wichtig, dass man sich seine Meinung selbst bildet, meint er. "Viele lassen sich oft von Eltern oder Freunden leiten, das ist ja nicht Sinn der Sache." Andere denken, "ihre Stimme ist sowieso nur wenig wert". Gar nicht erst wählen zu gehen, sei aber keine Lösung. "Manche haben auch Angst, den Falschen zu wählen." Man könne aber nicht auf andere vertrauen, sondern müsse es selber in die Hand nehmen, sagt er.

Und das hat Frederic Koller vor. Gerade macht er in Eltmann eine Lehre zum Steuerfachangestellten. Er ist im dritten Ausbildungsjahr und bald fertig. Außerdem spielt er Fußball und engagiert sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Kirchaich. Dort hat er schon die Atemschutzausbildung hinter sich. Der 19-Jährige ist viel unterwegs. Für ihn ist politisch wichtig, "was unten raus kommt". Er will eine Partei unterstützen, die sich auch für jüngere Leute einsetzt und die "wirklich unabhängig von den großen Konzernen" ist. Er befürchtet, dass weniger die Abgeordneten die Politik machen, sondern eher die Lobbyisten und dass diese Interessensgemeinschaft am Ende wieder den Wahlkampf finanziert. Gar nicht wählen zu gehen, ist aber keine Alternative für ihn.

Briefwahlhelfer in Oberaurach

Bis Sonntag will sich Frederic Koller entscheiden und seine Stimme bei der Landtags- und Bezirkstagswahl und den Volksentscheiden abgeben. Dann wird er auch die Stimmzettel der Briefwähler aus der Gemeinde Oberaurach auswerten mit ihren Gemeindeteilen Dankenfeld, Fatschenbrunn, Kirchaich mit Nützelbach, Neuschleichach, Oberschleichach, Tretzendorf, Trossenfurt mit Hummelmarter und Unterschleichach. Die Stimmzettel kommen jeweils in einem verschlossenen Kuvert mitsamt dem Wahlschein an. Alles zusammen in einem roten Umschlag. Vor der Auswertung wird Frederic Koller mit den anderen Briefwahlhelfern den Wahlbrief öffnen, prüfen, registrieren und dokumentieren. Ab 18 Uhr öffnen sie die Umschläge mit den Stimmzetteln und zählen sie aus.

Frederic Koller geht am Sonntag persönlich zur Urne; er ist kein Briefwähler. "Ich mache mir doch nicht selber noch mehr Arbeit", sagt er und lächelt.