Ein Tag - 24 Stunden - 1440 Minuten oder 86 400 Sekunden! Viel Zeit! Was kann man in dieser Zeit alles schaffen? Und vor allem schafft man es, den inneren "Schweinehund" zu überwinden und möglichst lange im Wasser zu bleiben und viele Kilometer zu schwimmen? Das war die Herausforderung des "24-Stunden-Schwimmens", das die DLRG Ebern im Rahmen ihres 50-jährigen Jubiläums als besondere sportliche Veranstaltung anbot und damit Leistungssportler, aber auch viele Breitensportler aus Ebern und Umgebung anzog.
Das neue Hallenbad in Ebern bot dazu die besten Voraussetzungen, und das Team der DLRG Ebern unter Vorsitzendem Rudi Rath und Erwin Reuther hatte alles bestens organisiert. Die Organisation dieses besonderen Events rund um die Uhr erforderte so auch über 50 ehrenamtliche Helfer, welche für die Anmeldungen, aber auch die Betreuung der Schwimmer sorgten. Aber da hat der Verein mit seinen 550 Mitgliedern ja genügend Erfahrung.


Der Verein legt wieder zu

Vorsitzender Rudi Rath brachte auch seine Freude zum Ausdruck, dass nach einem Stagnieren und sogar Absinken der Mitgliederzahlen nach dem Abriss des alten Hallenbades man nun wieder von einer erfreulichen Zunahme an Mitgliedern sprechen könne. "Unser Ziel ist es, dass jeder das Schwimmen lernt. Wir haben deswegen viel Schwimmunterricht für Anfänger und sind ja auch jeden Tag beim Schwimmunterricht der Grundschulen von Ebern, Maroldsweisach und Untermerzbach im Einsatz. Im Turnus von 14 Tagen betreuen wir dabei jeweils 270 Kinder."
Sein besonderer Dank galt aber Erwin Reuther, der für die Organisation dieses "24-Stunden-Schwimmens" verantwortlich war. "Ohne ihn wäre dies nicht möglich gewesen und er hat aus seiner Erfahrung heraus alles bestens organisiert." Stellvertretender Landrat Michael Ziegler zollte der DLRG Ebern ein großes Kompliment, denn es bedeute schon einen großen Aufwand solche ein riesiges Event zu organisieren, angefangen von der Abwicklung der Anmeldungen über die Verpflegung bis hin zur Kontrolle der Schwimmer, ihrer Zeiten und Schwimmstrecken. Bestimmt komme man dabei auch in der Nacht einmal an den "toten Punkt". Michael Ziegler stellte aber auch den Einsatz der DLRG über das ganze Jahr hindurch heraus. Das sei nicht selbstverständlich. Er wisse das aus eigener Erfahrung in seiner Stadt Eltmann, die ja das älteste Schwimmbad im Landkreis habe, noch dazu mit einer 50-Meter-Bahn.


Startschuss

Michael Ziegler gab dann auch den Startschuss, mit dem 2. Bürgermeister Harald Pascher und Stadträtin Ulrike Zettelmeier das 24-Stunden-Schwimmen eröffnete, aber dann auch selbst als dritter in das Becken sprang. Die ersten jüngeren Schwimmer konnten es ebenfalls nicht mehr erwarten und schon bald herrschte reger Betrieb auf den Schwimmbahnen.
Am Beckenrand macht sich auch schon der 38-jährige Sascha Auer aus Estenfeld bei Würzburg fertig, der sowohl als Einzelschwimmer antritt als auch beim "Team Warmduscher". Er gilt als Anwärter auf den Thron des erfolgreichsten Schwimmers und hofft auf eine Schwimmstrecke in die Nähe von 60 Kilometern, "aber es kommt dabei auch sehr auf die Luftfeuchtigkeit an. Die macht beim Schwimmen wirklich sehr viel aus", meint er.


Keine Prognose

24 Stunden Schwimmen! Kann man das überhaupt? 24 Stunden schwimmen bedeutet natürlich nicht, dass man 24 Stunden ununterbrochen schwimmt. Was zählt, sind die in dieser Zeit zurückgelegten Kilometer. Aber wenn man siegen will, muss man natürlich auch viele Stunden im Wasserbleiben und geht nur zum Essen und beim Gang auf die Toilette heraus oder, wenn es tatsächlich einmal der Körper verlangt. "Das kann man nicht planen und deswegen will ich auch keine Prognose abgeben", meint der Extremschwimmer, der erst im Januar in Hildesheim und Hof und dann im März in Rudolfstadt und Schorndorf solche "24-Stunden-Schwimmen" erfolgreich absolviert hat.
Bei der Frage, wie er zu den "Warmduschern" und dieser Extremsportart gekommen ist, erzählt er, dass er 12 Jahre bei der Bundeswehr gewesen sei und davon noch ein bisschen zehre. Natürlich war er in einer Sportkompanie und zwar in Warendorf, wo viele Leistungssportler ihren Dienst absolvieren. Dort habe er auch seinen Trainerschein gemacht. Er habe schon immer mit dem Gedanken gespielt, mal etwas Außergewöhnliches zu machen, habe sich dazu vorbereitet, aber auch Rückschläge erlitten. Nun seit er seit 2 ½ Jahren sehr erfolgreich und wenn es in Ebern gut verlaufe, könne er hier seinen 20. Sieg in dieser Disziplin holen.
Er verrät auch, welche Motivation oder vielleicht sogar welche Sucht hinter all dem stehe. "Es bedeutet für mich jedes Mal den eigenen Körper neu kennenzulernen. Mit dem Kopf übst die Kontrolle über den Körper aus. Zu 80 Prozent ist das eine Kopfsache. Wenn der Kopf nicht mehr will, hat der Körper keine Chance mehr. Das ist das absolute Muss, um solch ein Schwimmen zu überstehen."


Schöner im Team

Noch ein weiteres Geheimnis verriet Sascha Auer für Brillen- oder Linsenträger. "Eine Schwimmbrille muss sein, schon wegen Chlor im Wasser. Ich brauche aber Linsen, da ich ohne sie nichts sehen würde. Dabei muss man natürlich vorsichtig sein, dass kein Wasser in die Schwimmbrille kommt."
Neben ihm sieht man auch die 22-jährige Alena Kolb, die erst im Jahre 2015 ihr erstes derartiges Schwimmen in Schonungen mitgemacht hat. Sie schwimmt schon lange "aber im Team ist es viel schöner und mit Sascha Auer zu trainieren, ist besonders cool", sagt sie mit Begeisterung. Dabei verhehlt sie nicht, dass sie an Mukoviscidose leidet. "Aber das Schwimmen stärkt ja die Lunge und reinigt auch ihre Funktion und wirkt sich auch positiv auf Muskulatur und Knochen aus. Auf dem Papier dürfte ich diesen Sport eigentlich gar nicht tun, aber ich fühle mich wohl dabei."


Rekord: 46 Kilometer

Dabei sei sie auch in gutem Kontakt mit einer Sportambulanz in Würzburg und trainiere unterschiedlich auf der Langstrecke bis zu ihrem Rekord von 46 Kilometern oder auch in kurzen Einheiten und Anstrengungen. Ihren größten Erfolg feierte sie 2016 in Schorndorf, als sie sich mit einer Teamkollegin durch die Nacht kämpfte und damit die Gesamt- und Frauenwertung gewann. Auch ihr Ziel sei es, ihren Körper herauszufordern und zu sehen, wie weit sie komme.
Das Team ergänzt auch noch die 25-jährige Anja Friedrich, die vor drei Jahren mit 26 Stunden bei der Bodenseeüberquerung dabei war. Sie weist darauf hin, dass man während solcher "Marathon-Schwimmen" natürlich auch ausreichend auf Vitamine und Magnesium angewiesen sei.
Neben diesen drei "Verrückten" aus dem "Team Warmduscher" beteiligten sich natürlich viele Jugendliche und Erwachsene, die aus "reinem Spaßfaktor" und Spaß am Schwimmen sich an dieser Veranstaltung beteiligten. Aber eine Urkunde erhielt jeder Teilnehmer nach Beendigung seiner Schwimmstrecke.