Da wurden Kindheitserinnerungen wach. Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) sah sich als Bub, der mit der Milchkanne in der Hand vom Groka-Markt durchs Mühlenviertel heimschlenderte und die Milch schleuderte. Andere waren vom Wiltschka-Laden über den Marktplatz unterwegs und erforschten das physikalische Gesetz der Zentrifugalkraft ebenfalls mit der rotierenden Milchkanne in der Hand. Gemeinsam standen sie am Sonntag vor der großen Vitrine im Heimatmuseum Ebern, wo es so eine Milchkanne mit vielen Dellen zu bestaunen gab.

Ein Exponat im Rahmen einer Ausstellung mit dem etwas sperrigen Titel "Von Arauner bis Wüstenfeld", die das Referat für Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirks Unterfranken zusammengestellt hat und bis 26. Juni im Heimatmuseum bewundert werden kann.
Gezeigt werden Lebensmittel aus Unterfranken (und deren Hersteller) aus den letzten 100 Jahren.


Selters aus Ermerhausen

Mit dabei die Maintal-Konfitüren aus Haßfurt, Zucker aus Zeil oder ein Limokasten der Selterswasser-Fabrik Willi Brückner aus Ermershausen. Gerne hätte Bürgervereinsvorsitzender Ingo Hafenecker noch Heinerle-Produkte als heimische Artikel ins Programm genommen. "Aber die Firma hat auf unsere Anfragen nicht reagiert."

Bürgermeister Jürgen Hennemann vermisste das Müller-Schabeso aus Burgpreppach und auch Quark-Becher aus der Eberner Molkerei, mit denen er eine besondere Verbindung pflegte. "Mit der Übernahme durch den Staffelsteiner Milchhof standen da alle zehn Strophen des Oberfranken-Liedes drauf, das ich so in- und auswendig gelernt habe."

Dass es sich indes um eine unterfränkische Ausstellung handelt, machte Bezirksrätin Karin Renner (CSU) aus Bad Kissingen deutlich, die mit Ebern nur beste Erinnerungen verbindet. "Die Schwester meiner Großmutter arbeitete im Krankenhaus und bei unseren Besuchen als Kinder durften wir dort so viel Eis essen, wie wir nur wollten."

Womit sie schon beim Thema gelandet war: die Bedeutung der heimischen Kaufläden in den 1950/60er Jahren, wobei ihr nostalgischer Blick zurück in ein hochmodernes Programm mündete: "Die Rückbesinnung auf regionale Produkte hat wieder Konjunktur. Diese Ausstellung soll den Anstoß geben zur intensiven Beschäftigung mit Produkten aus dem unmittelbaren Umfeld."


Bei Brause Gesicht verzogen

Dass viele der Produkte Assoziationen aus Tagen der unbeschwerten Kindheit heraufbeschwören, wurde nicht nur beim Bürgermeister deutlich. "Wer hat nicht gerne die Eichetti-Schokotörtchen (aus Werneck) genascht?" Oder die Tütchen mit Brausepulver, deren Anblick sogleich an den sauren Geschmack erinnert und zu einem verzerrten Gesichtsausdruck führt. Bayla-Säfte aus Würzburg sind ebenso noch ein Begriff wie die Markenbutter aus Gerolzhofen (Kreis Schweinfurt).

Keinen Hehl machte Hennemann aus der "Schwierigkeit, die Geschäfte in Kleinstädten zu halten". Als Gegenrezept empfahl er: "International informieren, heimisch einkaufen. So lässt sich die Versorgung auf dem flachen Land sichern."

Bezirksrätin Renner bezeichnete die Wanderausstellungen des Bezirkes Unterfranken als "Unterstützung für kleinere Museen, um deren Attraktivität zu steigern". Ein informatives Begleitheft weist auf viele Details der liebevoll zusammengestellten Ausstellung hin.