Jeder weiß, wie langweilig Schule manchmal sein kann. Zuerst Mathe, dann Deutsch und dann auch noch Hausaufgaben am Nachmittag. Wo ist da der Spaß? Die Schüler der Grundschule und des Förderzentrums in Ebern können über solche Eintönigkeit im Schulalltag derzeit nicht klagen. Denn in ihrem Schulhaus tummeln sich seit Montag 52 naturwissenschaftliche Phänomene, die es zu entdecken gilt.

Vor gut zweieinhalb Jahren wurde die Ausstellung beantragt, nun ist sie endlich nach Ebern gekommen: die "Miniphänomenta", ein Projekt der Bildungsinitiative "Technik - Zukunft in Bayern 4.0".

"Hier geht es um das Staunen, Forschen und Entdecken", erklärte Schulleiterin Ingrid Mandery, als am Mittwochnachmittag auch die Eltern der vierten Klassen zum Tag der Öffentlichkeit der Ausstellung eingeladen wurden. "Die Kinder machen dabei ihre ganz eigenen Erfahrungen.
Durch Ausprobieren und Greifen der Dinge begreifen sie es dann auch."


Spielerisches Lernen

Spielerisch also ergründen die Schüler die naturwissenschaftlichen und technischen Zusammenhänge in Eigenregie und trainieren sich eine gute Basis für ausdauerndes Technikinteresse an. Denn im Lehrplan der Grundschule sind nur einige dieser Themen verankert.

An einer Station erfahren die Schüler zum Beispiel, dass eine Kerze Sauerstoff benötigt, um zu brennen. An einer anderen, dass ein Würfel rollen kann. Auch die Geheimnisse des Magnetismus lassen sich mit bestimmten Experimenten ganz einfach ergründen. Großen Anklang gepaart mit etwas Grusel findet bei den Kindern auch das Schwarzlicht-Kino.

Die Idee der "Miniphänomenta" geht auf die Arbeiten von Professor Lutz Fiesser zurück. Er gilt als Begründer des ersten deutschen Science Centers, der Phänomenta in Flensburg, und hat sich im Rahmen der Lehrerausbildung über Jahrzehnte mit der Frage befasst, wie der geeignete Rahmen für elementare naturwissenschaftliche Erfahrungen in Schule und Unterricht geschaffen werden kann. Eine seiner Antworten hierauf ist das Konzept der "Miniphänomenta".


Bayernweit unterwegs

Die "Miniphänomenta" in Bayern ist seit dem Jahr 2007 jährlich an zwölf Schulen zu Gast und nun schon zum zweiten Mal im Landkreis Haßberge. Die Projektleitung liegt beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw). Hauptsponsor der Ausstellung sind die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber (bayme vbm).
"Uns werden bald viele Fachkräfte in Bayern fehlen", informierte Patrick Püttner, Mitarbeiter des Verbandes in der Geschäftsstelle Unterfranken, "deshalb ist es wichtig, dass wir auch schon die Kinder für die Technik gewinnen können. Und das geht am besten, wenn man es selbst ausprobiert." Dass es nicht früh genug passieren kann, Jungen aber auch Mädchen an die Technik heranzuführen, ergänzte Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD).

"Top ausgestattet", lobte Hausmeister Michael Dinkel das Projektteam und das Konzept.
In diesen zwei Wochen ist von morgens bis abends kaum Stille im Schulhaus, da sich alle Klasse nach einem bestimmten Plan durch die Experimente forschen. In seinem Büro steht ein großer Wagen mit Ersatzteilen und Werkzeug, falls doch mal das ein oder andere Teilchen kaputt geht. Im Vorfeld der Ausstellung wurden die Lehrkräfte Alexandra Wachter-Spies und Dominik Leimeister von den Projektträgern zu Lernbegleitern ausgebildet und können nun die Kinder auf ihrer Forschungsreise unterstützen. "Wir bekamen alles erklärt und haben auch einige Station schon selbst gebaut. Ich habe das sehr gerne gemacht. Die Rückmeldung der Kinder ist nur positiv", so Dominik Leimeister.


Nachbauten sind geplant

In ein paar Tagen zieht die Ausstellung an die nächste Schule weiter. Was zurückbleibt, ist ein ehrgeiziger, aber nachhaltiger Plan: Schülereltern sollen einige Experimente nachbauen und stellen diese den Schülerinnen und Schülern damit langfristig zur Verfügung. "Wir haben dafür bereits Listen ausgehängt. Ich hoffe, Sie tragen sich zahlreich ein", wandte sich die Schulleiterin Ingrid Mandery an die Eltern. Bürgermeister Jürgen Hennemann hat die Unterstützung des städtischen Bauhofs zugesichert.