Es kommt nicht so dick wie anfangs befürchtet: Bei der Firma Bosch-Rexroth in Augsfeld haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite auf ein Zukunftskonzept geeinigt, das zwar Einschnitte bringt, aber nicht in der gravierenden Form, wie sie zeitweise diskutiert worden ist.


In Turbulenzen geraten

Hintergrund ist, dass das Unternehmen mit seiner Hydrauliksparte in Schwierigkeiten geraten ist. Die Geschäftsleitung verlangte einen Sparkurs. Jetzt gab es eine Einigung, über die die Gewerkschaft die Öffentlichkeit in Kenntnis setzte. Betriebsratsvorsitzender Peter Greich bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung die geplanten Maßnahmen. Für die Unternehmensleitung in Lohr bestätigte die Sprecherin Judith Mühlich die getroffene Vereinbarung.


Unterschiedliche Ansichten

Nach den Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat, Industriegewerkschaft (IG) Metall und der Standortleitung über die von der Firma Bosch-Rexroth im vergangenen Sommer angekündigten Umstrukturierungsmaßnahmen wurden am Mittwoch die Beschäftigten in Mitarbeiter-Versammlungen über die Ergebnisse der Beratungen informiert. Die Ergebnisse unterscheiden sich nach den Gewerkschaftsangaben deutlich vom ursprünglichen Konzept, welches durch einen Mix aus Personalabbau, Verlagerungen und Einsparungen einen Arbeitsplatzabbau für die knapp 420 Beschäftigten am Standort Augsfeld bedeutet hätte.


Verlagerungen

Das nun von Arbeitnehmervertretung und der Standortleitung im Zuge der Verhandlungen gemeinsam entwickelte Werkskonzept sieht dabei zwar ebenfalls Verlagerungen vor, allerdings mit deutlich geringeren Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl als ursprünglich angestrebt. Nur noch rund 50 statt der zwischenzeitlich im Raum stehenden über 100 Arbeitsplätze sollen jetzt in den kommenden drei Jahren abgebaut werden. "Zu betriebsbedingten Kündigungen soll es dabei nicht kommen", betont die Gewerkschaft. "Natürlich tut uns dieser Einschnitt weh", unterstreicht der Betriebsratsvorsitzende Reiner Greich. "Aber letztendlich entsteht auf der Basis dieses Verhandlungsergebnisses ein - auch aus unserer Sicht - überzeugendes Werkslayout." Mit dem Ergebnis "können wir sehr zufrieden sein", sagte er unserer Zeitung, wenngleich natürlich "jedes Einzelschicksal dramatisch ist".


Ideen der Belegschaft

Die frei gewordene Fläche wird den Angaben zufolge genutzt, um die von der Arbeitnehmerseite geforderte Rückführung der momentan in eine angemietete Halle in Haßfurt ausgelagerten Logistik in das Werk Augsfeld umzusetzen. Zur Optimierung des Warendurchflusses und der Logistik hat das Unternehmen zusätzlich in den nächsten Jahren auch einige bauliche Veränderungen am Standort Augsfeld zugesagt. "Diese Punkte sind für uns sicherlich der Kern des Konzeptes, weil dadurch die Abläufe am Standort besser und einfacher werden", meint Greich. Daneben werden zwei für die Mobilhydraulik wichtige Neuprodukte zukünftig in Augsfeld gefertigt (Steuerblöcke und Scheibenventile laut Sprecherin Judith Mühlich) und ferner Ideen aus der Belegschaft, wie die Neukonzeption einer Montagelinie, umgesetzt.

Als Gegenleistung verpflichten sich die Arbeitnehmer laut Gewerkschaft im Wesentlichen auf den Verzicht freiwilliger betrieblicher Zulagen für einen Zeitraum von drei Jahren sowie zu einer Neuausrichtung des Schichtsystems zur Optimierung der Betriebslaufzeiten.

Als "durchaus bemerkenswert" beschreibt Thomas Höhn, der zuständige Gewerkschaftssekretär der IG Metall Schweinfurt, den Verhandlungsverlauf. "Die Standortleitung in Augsfeld hat den vom Konzern angekündigten ergebnisoffenen Dialog mit der Arbeitnehmerseite wirklich sehr ernst genommen und sich mit den Vorschlägen der Arbeitnehmer konstruktiv auseinandergesetzt."


"Viel Zuspruch"

Das Unternehmen sieht das ebenso und ergänzt, dass die Gespräche sehr konstruktiv geführt worden seien und alle Seiten sich um einen tragfähigen Kompromiss bemüht hätten.

"Das Konzept bekam auch aus der Belegschaft viel Zuspruch und ist für viele ein positives Signal in die Zukunft", beschreibt Reiner Greich die Stimmung nach den Mitarbeiterversammlungen, die für die einzelnen Schichten abgehalten worden sind. Eine Betriebsversammlung hat der Betriebsratsvorsitzende für den 14. März (Montag) angekündigt

Bosch-Rexroth hatte im Juli 2015 in seinem Bereich "Mobile Applications" (Hydraulik) weitreichende Sanierungspläne angekündigt. An sechs Standorten sollen bis 2018 knapp 450 Millionen, allein am Standort Augsfeld rund 25 Millionen Euro, eingespart werden. Die Pläne stießen auf Widerstand vonseiten der IG Metall und des Betriebsrates der Firma. ks