Zwei Vorbesprechungen waren notwendig, danach die fachmännischen Pinselstriche eines Grafikers aus München: Jetzt hat auch Reutersbrunn sein eigenes Dorfwappen, entworfen von Kreisheimatpfleger Günter Lipp.

Damit soll der Gemeinschaftsgeist wie auch der Zusammenhalt im Eberner Stadtteil gefördert werden, hoffen die Initiatoren aus den drei Ortsvereinen, die an der Auswahl unter vier Entwürfen beteiligt waren. Feuerwehr, Schnupfer und Obst- und Gartenbauverein hatten die Initiative ergriffen, wobei die Idee vom Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Albert Martin stammte. Der gebürtiger Kraisdorfer kennt Lipp noch aus dessen Zeit als Dorfschullehrer und hat vom Kreisheimatpfleger auch schon ein Familienwappen erstellen lassen.

Im "kleinen Kreis" wurden seit Anfang des Jahres die Vorbereitungen angegangen. Kosten sind keine entstanden. Günter Lipp verzichtete auf jegliches Honorar, die Kosten des Grafikers übernahm Ortssprecher Andreas Leibold.

Der findet das Ergebnis denn "sehr gelungen", und den geschichtlichen Exkurs im Vorfeld -als "Reingeschmeckter"- auch "sehr aufschlussreich". "Wir haben in die Vergangenheit von Reutersbrunn geguckt und recherchiert, was für das Dorfwappen wichtig sein könnte".

Mehrere Verwendungen

Das Dorfwappen steht nun allen Vereinen zur Verfügung. Zwei große Ausführungen sind für die einstige Schule und das Feuerwehrhaus vorgesehen, zwei kleinere Versionen sind für die Begrüßungstafeln an den Ortseingängen gedacht. Den Druck und die Tafeln hat der Schnupferverein bezahlt. Weiter stellt sich der Ortssprecher die Anschaffung von Bierkrügen mit dem Dorfwappen vor. Albert Martin, selbst Feuerwehrmann, hat das Einsatzfahrzeug und die Feuerwehr-Uniformen als "Werbeflächen" im Auge.

Kreisheimatpfleger Günter Lipp spannte bei seinen Recherchen zur Symbolik ein weiten Bogen von der erstmaligen urkundlichen Erwähnung Reutersbrunns in der Pfarrweisacher Pfarrteilungsurkunde aus dem Jahr 1232 ("Ihr könnt' bald die 800-Jahr-Feier begehen und schon einmal einen Festausschuss bilden") bis in die Gegenwart.

Dabei gebe es wenig über den Stadtteil nahe dem Bürgerwald wenig zu berichten, da es kaum Unterlagen gebe. "Die Lehrer und Pfarrer haben uns nicht viel hinterlassen."

Der Name Reutersbrunn bezeichne eine Rodung im Haßwald um einen Brunnen herum, lautet Lipps Deutung. Im Ursprung bestand Reutersbrunn aus zehn Höfen. "Meist hatte die Stadt Ebern mehr zu sagen als die Rotenhan oder der Bischof", liest der Kreisheimatpfleger aus den Urkunden heraus. Seit 1472 gehörte es zur Stadt, die es dem verschuldeten Fürstbischof von Würzburg abgekauft hat. 1522 hat Eberner Magistrat die erste Dorfordnung für Reutersbrunn erlassen.

Nur noch drei Einwohner

Zum Ende des 30-jährigen Kriegs anno 1647 hatte Reutersbrunn noch drei Einwohner. "Diese Zahl hat sich schnell verdoppelt", schmunzelt Lipp, der auf ein weitere Beziehung zur "Haupt"-Stadt gestoßen ist. "Die Reutersbrunner haben 608 Baumstämme für das Fachwerk des Rathauses am Marktplatz geliefert." Die Gegenleistung rechnet Lipp hoch: "Heute wäre das eine Brotzeit für 2500 Euro."

Seltenes Patrozinium

Als bemerkenswert erachtet Heraldiker Lipp auch den Kirchenpatron des Heiligen Georg, weshalb in Reutersbrunn bis heute der "Schorschentag" begangen wird. Lipp: "Ich kenne nur noch eine Kirche in der Region, die dem Heiligen Georg gewidmet ist. Das ist in Hellingen bei Königsberg ein evangelisches Gotteshaus." 1799 kam die Kirchengemeinde zur Pfarrei Unterpreppach, 1828 wurde Reutersbrunn selbstständige Gemeinde bis zur Eingemeindung nach Ebern im Zug der Gebietsreform in der Neujahrsnacht 1972. Lipp hat nachgerechnet: "Hätten die Altvorderen damals noch sechs Jahre gewartet, wäre Reutersbrunn 150 Jahre lang selbstständig gewesen."

Diese Geschichte spiegelt sich natürlich nicht im Wappen wider. Dominiert wird es von den Eberner Stadtwappen gelb-schwarz. Es zeigt einen Brunnen mit dem roten Georgs-Kreuz, der von einem schwarzen Kreis umgeben ist, der für die gerodete Fläche steht, die von zwei Reuthauen gekreuzt wird. Der schwarze Schatten im Brunnen soll als Anspielung auf den hohlen Stein gedeutet werden.