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Friesenhausen
Geschichte

Ein Blick in die Vergangenheit

Das Haus mit dem Schild "Gemischtwaren Jakob Schmidt" gewährt einen Blick in die Zeit, als es noch Gemischtwarenläden gab. Die Besitzerin Andrea Meub möchte es auch für nachfolgende Generationen offenhalten.
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Andrea Meub an der Waage mit Tütenvorrichtung, wo nahezu alles abgewogen wurde. Foto: Günther Geiling
Andrea Meub an der Waage mit Tütenvorrichtung, wo nahezu alles abgewogen wurde. Foto: Günther Geiling
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In vielen kleinen Gemeinden gibt es heute keinen Bäcker, keinen Metzger und auch kein Lebensmittelgeschäft mehr. So ist es auch in dem 350-Einwohner-Dorf Friesenhausen am Fuße der Haßberge, wo es früher drei Gemischtwarenläden gab. Der Blick durch die Fenster eines unscheinbaren Hauses in der Dalbergstraße 8 und das Schild über der Eingangstür "Gemischtwaren Jakob Schmidt" lassen aber einen Blick in die Vergangenheit zu, den Hausbesitzerin Andrea Meub auch für nachfolgende Generationen offenhalten will.

Andrea Meub hat dazu in den vergangenen sechs Jahren viel Arbeit, Mühe, Zeit und Geld in das Gebäude mitten im Ort investiert und erhielt zur großen Freude vor kurzem einen Brief von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, der einen Staatspreis in Höhe von 2000 Euro beinhaltete und bei einem Festakt am 24. Oktober in der Münchner Residenz persönlich ausgereicht wird. "Dem außerordentlich großen Engagement der Preisträger ist es zu verdanken, dass für das Ortsbild und die Baukultur in Bayern charakteristische Gebäude erhalten und zeitgerecht genutzt werden können", schreibt die Ministerin dazu.

Die neue Hausbesitzerin hat tatsächlich ein Haus und vor allem sein Innenleben vor sechs Jahren aus einem "Dornröschenschlaf" erweckt. Dabei hat das Haus sogar eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich und war ab 1820 katholische Schule sowie Lehrer- und Mesnerwohnung, bevor es in den Besitz des Freiherrn Carl Maximilian von und zu Dalberg überging. Nachdem es dann Georg Nicolaus Hußlein erworben hatte, wurde es von dessen Tochter und Schwiegersohn, Elisabeth und Heinrich Fellmann (Jude) als Krämerladen geführt. Danach kam es in den Besitz von Jakob und Babette Schmidt, deren Tochter Lina den Gemischtwarenladen bis 1976 weiterführte. Nach fast 40 Jahren "Leerstand" erwarb nun Andrea Meub das Haus, das an ihr Elternhaus angrenzt.

Eigentlich wollte ja schon ihr Vater Julius Häpp vor einigen Jahrzehnten das Haus kaufen, abreißen und für die andere Tochter hier ein Haus bauen. Aber es war nicht verkäuflich. Auch das Fränkische Freilandmuseum in Fladungen hatte Interesse gezeigt, aber der Staat war dazu nicht bereit. Dann wurde es plötzlich doch zum Verkauf angeboten und da habe man zugeschlagen.

Als man mit der Sanierung beginnen wollte, sei dann auch die Denkmalbehörde auf diese Kostbarkeit aufmerksam geworden, denn das Haus mit der ursprünglichen Hausnummer 44 ist schon um 1700 gebaut worden. Einen solchen Hinweis konnte man im Sandstein freilegen. Die 1200-Jahrfeier von Friesenhausen habe eine zusätzliche Motivation ausgelöst, das Anwesen herzurichten und das ist Andrea Meub in den vergangenen sechs Jahren gelungen. Dabei hatte sie selbst nicht daran gedacht, dass es einmal so kommen könnte, wie sich jetzt alles abzeichnet.

Andrea Meub sagt: "Wenn mein Vater nicht gewesen wäre, hätten wir das Gebäude nicht gekauft. In unserer Familie gab es dazu auch eine heiße Debatte: "Was sollen wir damit?" Ich habe es mir am Anfang auch nicht so vorgestellt. Aber als wir beim Aufräumen auf diese vielen Dinge und den vollkommen erhaltenen Kaufladen aus früherer Zeit stießen, dachte ich, dass es zu schade wäre, dies alles zu entsorgen. Erst da reifte in mir die Idee zum Erhalt dieses historischen Ladens.

Ein solches Heimatmuseum einzurichten oder solch eine historische Seltenheit zu erhalten, ist doch eigentlich mehr Sache einer Gemeinde oder eines Vereins. Wie fühlen Sie sich dabei als Privatperson?

Ich sehe die Erhaltung dieses Dorfladens als reines Hobby an, das mir wirklich Spaß macht. Ich habe ja auch eine besondere Verbindung zu dem Laden, weil ich hier als Nachbarskind ein- und ausging und oft mehrmals am Tag hier eine Kleinigkeit erledigte. Es ist mir eine große Freude, wenn Leute kommen, den Laden anschauen und dann ganz begeistert sind. Es kamen auch schon sehr viele Gäste. Am "Tag des Museums" waren mehr als 70 interessierte Besucher hier.

Um welche Leute oder um welches Publikum handelt es sich dabei?

Die Altersspanne reicht von Kindern bis hin zu den Senioren. Auch Teenager sind manchmal richtig begeistert. Ich hätte nie gedacht, dass es auch denen so gefällt. Aber auch aus den Seniorenheimen von Maroldsweisach, Hofheim und Birnfeld hatte ich schon Besucher. Diese Frauen und Männer sehen sich in ihre eigene Kindheit versetzt und man hört dann immer wieder: "Ja, so war das früher!"

An was zeigen die Besucher denn besonderes Interesse?

Das ist natürlich ganz verschieden. Die Frauen interessieren sich mehr für die früheren Spitzen und Litzen, Knöpfe oder auch die Waschmittel, während die Männer mehr die Werkzeuge im Blick haben oder die Werbung für Zigarettenmarken wie "Zuban" oder "Eckstein". Auch das gesamte Interieur von Behältern und Schubbern, in denen die Waren präsentiert wurden, findet große Beachtung. Dazu kommen natürlich die Wiege- oder Messmöglichkeiten und die Abwicklung des Verkaufs aus großen Behältern in Papiertüten und vieles andere mehr.

Bei all Ihrer Liebe, einen solchen historischen Laden zu erhalten, sind neben der aufwendigen Zeit für die Unterhaltung auch weitere finanzielle Aufwendungen damit verbunden. Lohnt sich das oder ist es Ihnen das wert?

Selbstverständlich fallen hier zahlreiche Kosten an so wie bei einem Eigenheim mit Gebühren oder Versicherungen bis hin zur Haftpflichtversicherung. Aber alle anderen Dinge erledigen wir selbst und zum Glück helfen auch meine beiden Töchter bei besonderen Veranstaltungen mit. Wir verlangen auch keinen Eintritt, freuen uns aber über einen kleinen Einwurf in eine Spendenbox und bei mancher Besichtigung gibt es für die Besucher dann auch Kaffee und Kuchen auf Spendenbasis. Ein kleiner Zuschuss wie jetzt die 2000 Euro vom Bayerischen Saat ist uns natürlich besonders willkommen und dafür gibt es vielseitige Verwendung.

Wie sehen Sie die Zukunft für Ihren wirklich einmaligen Gemischtwarenladen?

Mich freut es ganz besonders, wenn ich sehe, wie die Besucher Spaß bei der Besichtigung haben. Das gibt mir immer wieder neue Motivation. Deswegen möchte ich den historischen Dorfladen alle vier bis sechs Wochen für interessierte Gäste öffnen. Für Gruppen gibt es auf Anfrage zusätzliche Angebote, die auch zusätzlich eingebunden sein können in den Verein "besser gemeinsam leben" oder in die Kleinkunstbühne "die Rolle". Der historische Dorfladen ist sicherlich eine Besonderheit, wie es ihn ein zweites Mal im weiten Umkreis nicht gibt und ich hoffe, dass ihn weiter viele Gäste aufsuchen und er noch lange diesen Blick in die Vergangenheit ermöglicht.

Das Gespräch führte Günther Geiling