Und zwar mit dem Spezialisten Günter Lieberth. Der ist bekannt als Energieberater im Umweltbildungszentrum, und kennt sich mit erneuerbaren Energien, Stromsparen und staatlichen Fördermöglichkeiten aus. Seine wahre Leidenschaft aber sind Elektroautos, und der Mann ist ein wandelndes Lexikon zu allen Fragen rund um diese Art der Motorisierung.

In gut verdaulichen Häppchen werden wir in der Serie über die verschiedensten Aspekte des Fahrens mit Strom informieren, stellen den Stand der Technik vor, erinnern an erste Gehversuche und schauen uns die Alltagstauglichkeit von Elektroautos an.

Erster Kandidat, der beim Bebildern des Artikels vor die Flinte, respektive den Fotoapparat, läuft, ist der Haßfurter Bernhard Schierling. Der Oberschwappacher Hobbywinzer lebt mitten in der Altstadt von Haßfurt und marschiert gerade über den Marktplatz, um sein Auto zu holen. Elektroauto? "Ne, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht", sagt er offenherzig, "aus dem einfachen Grund, weil ich gar keine Möglichkeit hätte, das zu laden!" Vor der Haustüre in der Brückenstraße kann er nämlich nicht parken, geschweige denn einen Dauerparkplatz haben. "Eine Garage oder einen Stellplatz am Haus haben wir nicht", sagt Schierling. Und es wäre ja auch keine Lösung, für die möglichen zwei Stunden das E-Auto an der Zapfsäule am Marktplatz zu laden und es dann wieder umzuparken.

Ne, also erst mal kein E-Auto. Sicherlich die Hälfte aller Altstadt-Bewohner würden wohl so antworten wie Bernhard Schierling, denn in der Kreisstadt sind Parkplätze natürlich Mangelware.

Dabei hat man sich gerade hier wirklich massiv darum bemüht, Ladeplätze zur Verfügung zu stellen. Das Stadtwerk Haßfurt ist Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien und wurde mit seinem Chef Norbert Zösch dafür auf vielen Feldern schon überregional mehrfach ausgezeichnet.

Wo er in Haßfurt nur offene Türen fand, berichtet Günter Lieberth, hatte er in manchen Kommunen im Landkreis schon seine liebe Müh und Not mit der Überzeugung von Bürgermeistern, im Dorf doch mal eine (bezuschusste) Ladesäule aufzustellen. "Für Fremde machen wir das doch nicht", hörte Lieberth, der aber findet, dass gerade ein Lade-Netzwerk ein wesentlicher Punkt für den Landkreis Haßberge ist, um in Sachen Tourismus deutschlandweit konkurrieren zu können.

Eben erst wurden am Knetzgauer Autorastpark die schicken Tesla-Ladesäulen aufgestellt. Stylisch rot-weiß, zwar aus dünnem Kunststoff, aber eben viel schicker als das industrielle (solide) Baukastensystem auf dem Haßfurter Marktplatz.

Ein Schub für die Umstellung auf E-Autos

Günter Lieberth ist trotzdem begeistert. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch erlebe", sein Grinsen durchs Telefon scheint bis ins Homeoffice. Die staatliche Förderung hat Früchte getragen, doch die braucht es auch, denn es "bringt die Sache voran. Industrie und Hersteller haben die klare Aussage vermisst". Zum Beispiel beim Bau neuer Produktionsanlagen.

Als Mitarbeiter im Ubiz hat Lieberth schon immer Überzeugungsarbeit geleistet und den neuen Trend im vergangenen Jahr deutlich gespürt bei seiner Arbeit. Motiviert durch die Prämien sind die Leute, die ein älteres Auto ersetzen wollten, auch E-Autos Probe gefahren, "und dann war es sowieso keine Frage mehr", sagt Lieberth. Denn die kleinen (und großen) Stromer überzeugen durch das leichte Fahrgefühl. Als Zweitwagen angeschafft, ergatterten sie sich oft den Status des "Erstwagens".

So machte Günter Lieberth die interessante Beobachtung: Die Ubiz-Kurse zu Stromern wurden kaum mehr nachgefragt, doch die Leute riefen ihn an, nachdem sie den Wagen gekauft hatten. "Es braucht eben die verlässlichen Signale der Politik, da musst du dann auch gar keine Kurse mehr halten. Und nach dem Kauf kommen dann die Detailfragen." Eine eigene Ladestation anschaffen und wie ist das mit dem "Tanken"? Solche Fragen stellen sich. Das Tanken eines E-Autos läuft nämlich über Karten, ähnlich den EC-Karten. Stadtwerk Haßfurt, Überlandzentrale Lülsfeld und viele andere Stromversorger boten als Pioniere diese Karten an, inzwischen müssen sie teilweise ihre Ladestationen nachrüsten, weil "der Zugang barrierefrei" sein soll. Bedeutet: Per Handy, QR-Code oder SMS sollte jede Karte europaweit nutzbar sein.

Für die eigene "Wallbox", den Stromkasten an der Wand, etwas mehr Geld auszugeben, das macht Sinn, erklärt Lieberth weiter. Denn, ab 900 Euro gibt es (gefördert) Einrichtungen mit "Rundsteuerempfänger". Ein praktisches kleines Ding: Wenn der Wagen eingesteckt ist, bekommt er erst nach einem Signal im Stromnetz das Kommando zum Laden, nämlich dann (über Nacht), wenn der Strom billiger ist.

2020 war übrigens auch das Jahr, in dem es Günter Lieberth selber in den Fingern kribbelte: "Ich hab am 22. Dezember mein Drittes zugelassen", sagt er. Seit Jahrzehnten fährt er schon E-Auto, kommt regelmäßig auf rund 23 000 Kilometer im Jahr. Jetzt wählte er ein Modell mit höherer Reichweite und ist sich sicher, dass künftig eine Stromladung pro Woche ausreicht. Genug, um an vier Tagen von dem Bundorfer Gemeindeteil, in dem er wohnt, quer durch den Landkreis zur Arbeitsstelle im Ubiz zu fahren. 66 Kilometer hin und zurück.