Nein, die Kartschule befindet sich nicht (mehr) in Schleifenhan, wo die meisten Eberner Kartrunden jemanden hinschicken, wenn er einen Fehler fabriziert, also etwa die falsche Farbe angespielt oder sich verworfen hat.

Diese "Nüsskarter" landen nicht mehr in dem Weiler an der B 4. Die Kartschule befindet seit Freitag in der alten Schule, dem einstigen Pfarrzentrum, der neuen Heimat der VHS. Dort findet erstmals ein Einsteigerkurs für angehende Schafkopfer statt. Die Resonanz ist enorm. Mann und Frau, Jung und Alt wollen sich in die Geheimnisse des traditionsreichen Kartenspiels einweihen lassen. Dieser Aufgabe hat sich Hans Forkel (55), der aus Coburg stammt, mittlerweile aber in Rentweinsdorf wohnt, ebenso so launig wie kompetent verschrieben.

Die erste Runde war noch einfach. Eine Vorstellungsrunde der 16 Kursteilnehmer, die aus Allertshausen, Ebern, Rabelsdorf, Maroldsweisach, Gräfenholz und Kirchlauter stammen und in den nächsten Wochen mehrere Abende miteinander verbringen werden.

Die Motivation für den Sprung an den Karttisch ist bei allen fast identisch. Sie möchten nicht länger nur zuschauen, sondern mitmischen. Im wahrsten Sinn des Wortes. "Bislang war ich nur daneben gesessen und hab' zugeschaut", bekennt Johannes aus Allertshausen.

Das soll ändern, findet auch Katja aus Maroldsweisach. Der Eberner Markus möchte sich nicht mehr als fünftes Rad am Wagen fühlen. Und Marco aus Ebern freut sich auf den Tag, da er mit seinen Kumpels fortgeht und "nicht mehr in die Röhre schaut". Künftig schaut er sich und anderen in die Karten. Wie Schafkopf funktioniert, interessiert Vater und Sohn, Florian und Valentin, aus Kirchlauter. Mit der Vorstellungsrunde wurde schon ein Fehler begangen. Es wurde (zu?) viel geplaudert.

Denn eines der Kapitel, das sich der Kartlehrer für seine Schützlinge vorgenommen hat, lautet: "Sie werden sich die ganz spezielle Kartsprache aneignen und damit professionell umgehen." Sprache? Es gilt das nicht- gesprochene Wort, lautet eine der Regeln, die die Lehrlinge verinnerlichen müssen. "Am wichtigsten sind die unausgesprochenen Worte, sie lernen, wie durch bestimmte Spielweisen unter den Kartern laufend Informationen fließen, ohne das auch nur ein Ton fällt. Solche Strategien sind wichtig und es ist wichtig, sie zu kennen." Und wie lautet die Devise der "Profi-Karter" bei umkämpften, engen Partien zur nonverbalen Kommunikation?: "Des Spiel verträcht kan Schnauferer."

Den VHS-Kurs hat Forkel so konzipiert, dass keinerlei Vorkenntnisse erforderlich sind. "Der taugt für Neueinsteiger wie auch zur Auffrischung."

Forkels Freude am Schafkopfspiel geht auf Kindheitserlebnisse zurück. "Zunächst war ich Einzelkämpfer und alle 14 Tage wurde der Großvater herangekarrt, damit eine komplette Kartrunde zusammenkam. Das war für mich das Highlight, auch wenn es meist so endete, dass sich Vater und Großvater gegenseitig Vorwürfe machten, dass der andere nur Fehler (Stuss) gekartet hat." Zu Schulzeiten gab's mehr Glücksmomente: "Da warst du der King, wenn du Schafkopf konntest."

Forkel bevorzugt ein langes Blatt. "Da geht's gemütlicher zu, das kurze Blatt ist mir zu aggressiv und scharf."
Auch wenn das Schafkopf-Spielen vielen Gesetzmäßigkeiten folgt und hohen Wahrscheinlichkeitsquoten folgt, ist doch jedes Spiel anders. "Es gibt Millionen unterschiedlicher Kombinationen und doch nur ein Ziel: "Um das geht's - am Ende mehr als 60 Augen zu haben." Womit der Bettel, bei dem der Spieler gar keinen Stich machen darf, zumindest in der ersten Unterrichtsstunde zunächst ausgeklammert war.