Mit einem Feuerwerk startete die Konzertreihe "Musik in fränkischen Schlössern": Am Samstagnachmittag öffneten sich die Türen von Schloss Rentweinsdorf der Familie Rotenhan.

Die Herren im Jackett gekleidet, die Damen im Sommerkleid festlich gewandet, eilten sie über den gekiesten Schlossplatz hin in den zum Garten gelegenen Festsaal in der Rokokoanlage. Neben Schubert, Debussy und Beethoven waren an diesem Nachmittag die wichtigsten Personen: Der langjährige Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, Peter Rosenberg, und seine Begleitung am Klavier, Bruna Pulini.

Für die beiden Musiker war es eine Premiere, im Schloss in Rentweinsdorf auf der Bühne zu stehen. Eine Premiere aber auch, zusammen im Duett zu spielen. "Es war das erste Mal, dass wir zusammen aufgetreten sind", so die Pianistin und Südtirolerin Bruna Pulini. "Wir kennen uns über eine Bekannte aus Bozen."


Voller Harmonie

Nichts außer Harmonie war bei diesem Zusammenspiel an diesem Nachmittag zu spüren.
Bruna Pulini studierte in Italien, Österreich und Deutschland und ihr wurden bereits mehrere Auszeichnungen verliehen. Als Solistin und Kammermusikerin gibt sie Konzerte nicht nur in Europa, sondern auch immer wieder in Japan.

Sie spielt mit Künstlern der Wiener Symphoniker und der Münchner Philharmoniker zusammen.
Peter Rosenberg war von 1982 bis 2015 erster Konzertmeister der Bamberger Symphoniker. Der aus Rumänien stammende Musiker studierte in Deutschland und Israel. Er war als Pädagoge und Professor an der Hochschule tätig, machte zahlreiche Rundfunkaufnahmen und konzentrierte fast rund um die Welt.

In seinem Ruhestand widmet und engagiert er sich nun vor allem für Nachwuchsmusiker. Kein Wunder, an einen seiner Söhne gab Rosenberg sein musikalisches Talent weiter.

Wer Peter Rosenberg in Rentweinsdorf verpasst hat, kann ihn vom 22. bis 24.September bei den ersten Eberner
Musiktagen in der Stadtpfarrkirche St. Laurentius hören, die er selbst ausrichtet.

Der zum Garten hin gelegene Festsaal im Schloss Rotenhan besticht mit einem wunderbaren Ausblick über Garten, fließendes Gewässer und Felder hinweg.


Vom Ambiente verzückt

Ein Raum mit knarzendem Holzboden, zurückhaltendem stuckierten Muschelwerkdekor und Vorfahren an den Wänden gepinselt, deren abblätternder Teint viele Jahrzehnte vermuten lässt.

In Lavendel-lila getünchte Wände und mit Fayencefliesen beschnittene Wandgliederung runden den Raum ab, in welchem am Samstag das Konzert von Violine und Klavier stattfand.

Die Besucher aus Frankfurt, Nürnberg, Würzburg und Ebern gerieten nicht nur über die Musik, sondern auch über die einzigartige Schlossanlage ins Schwärmen.

Musikalisch stand auf dem Programm: Im ersten Teil die Sonate A-dur, op. 162 von Franz Schubert und Claude Debussys Sonate g-Moll. Schubert war schon tot, als Debussy in Frankreich geboren wurde. Moderner also musste Debussys Musik sein.

Impressionistisch und imposant war es, wie Rosenberg und Pulini die Motive der Sonate vortrugen. Vor allem an der Violine musste Peter Rosenberg die Finger am Steg tippeln lassen und Purzelbäume schlagen.
Seinen akrobatischen Fähigkeiten ließ er freien Lauf. Die Schweißperlen liefen ihm die Schläfen hinunter, beim Presto flog ihm die graue Haarsträhne in die Luft.

Bruna Pulini am Klavier war graziös und ließ dem großen Meister immer wieder den Vortritt. Es war ein spontanes, aber vollkommen überzeugtes "Bravo" aus der ersten Reihe, das die Künstler wohlverdient in die Pause begleitet.

Den zweiten Teil des Nachmittages vereinnahmte die "Kreutzersonate", deren Geschichte mindestens genauso interessant ist, wie deren Musik.

Der ursprüngliche Titel lautete: "Sonata mulattica". Denn Ludwig van Beethoven hatte dieses Werk im Mai 1803 in Wien mit einem mulattischen Geiger uraufgeführt.


Unspielbare Sonate aufgeführt

Doch da sich Komponist und Violinist später verkrachten, widmete Beethoven die Sonate schließlich dem französischen Geiger Rodolphe Kreutzer, Beethoven nach "ein guter, lieber Mensch" mit wohltuender "Anspruchslosigkeit und Natürlichkeit", und außerdem einer der größten Solisten seiner Zeit.

Doch ausgerechnet Kreutzer, mit dessen Name das Werk bis heute eng verbunden ist, hat die Sonate wohl nie gespielt. Sie sei zu schwer, lautete des Künstlers einfach gesagt Begründung.

Peter Rosenberg und Bruna Pulini wagten sich an diese einst als unspielbar geltende Sonate der Superlative und schafften es damit, qualitativ hochwertigste Musik den Besuchern in Rentweinsdorf zu präsentieren.