Die Hochzeit in Rumänien in den Augen eines Haßfurters

6 Min
Ein traditioneller rumänischer Tanz fehlt bei einer rumänischen Hochzeit natürlich nie. Fotos: Peter Schmieder
Ein traditioneller rumänischer Tanz fehlt bei einer rumänischen Hochzeit natürlich nie.  Fotos: Peter Schmieder
Mit der Dampflokomotive "Ioana" geht es auf Schmalspurgleisen durch den Wald.
Mit der Dampflokomotive "Ioana" geht es auf Schmalspurgleisen durch den Wald.
 
Draculahotel, Vampirkitsch und Monstermasken: Die Touristenfallen von Piatra Fântânele.
Draculahotel, Vampirkitsch und Monstermasken: Die Touristenfallen von Piatra Fântânele.
 
Draculahotel, Vampirkitsch und Monstermasken: Die Touristenfallen von Piatra Fântânele.
Draculahotel, Vampirkitsch und Monstermasken: Die Touristenfallen von Piatra Fântânele.
 
Wunderschöne Landschaften: Auf beiden Seiten der Cheile Turzii türmen sich bis zu 300 Meter hohe Felsen auf.
Wunderschöne Landschaften: Auf beiden Seiten der Cheile Turzii türmen sich bis zu 300 Meter hohe Felsen auf.
 
Der Höhepunkt einer orthodoxen Trauung: Das Brautpaar bekommt Kronen aufgesetzt.
Der Höhepunkt einer orthodoxen Trauung: Das Brautpaar bekommt Kronen aufgesetzt.
 
Unterirdische Freizeitanlagen mit einem Riesenrad: Die Saline bei Turda hat einiges zu bieten.
Unterirdische Freizeitanlagen mit einem Riesenrad: Die Saline bei Turda hat einiges zu bieten.
 
Das Hotel Continental in Klausenburg könnte als Vorbild für einen Handlungsort aus Bram Stokers Dracula gedient haben.
Das Hotel Continental in Klausenburg könnte als Vorbild für einen Handlungsort aus Bram Stokers Dracula gedient haben.
 

Rumänien ist im Landkreis Haßberge präsent in Form der Rumänienhilfe der früheren SPD-Bundestagspräsidentin Susanne Kastner, die in Maroldsweisach lebt. Das Bemühen um bessere Lebensbedingungen in den östlichen Ländern hat sich Kastner ebenso auf die Fahnen geschrieben wie der Haßfurter Mundartdichter Wilhelm Wolpert, der sich mit "Haßfurt hilft" seit gut 20 Jahren auf Albanien konzentriert. Einen spannenden Blick auf Rumänien kann dieser Tage unser freier Mitarbeiter Peter Schmieder geben, der Gast einer rumänisch-amerikanischen Trauung sein durfte.

Von seiner Reise berichtet Schmieder im Folgenden, und er gewann, wie er sagt, Einblicke, die den Touristen meist verborgen bleiben.

"Angefangen hat alles mit einer Einladung. Meine Freundin Eva (sie lebt in Nürnberg) hat seit langem ein besonderes Verhältnis zu Rumänien: Ihre Eltern stammen von dort, sie selbst spricht fließend Rumänisch und hat auch schon viel Zeit in dem Land verbracht. Während ihres Studiums in Klausenburg hatte sie Paula kennen gelernt und sich mit ihr angefreundet. Nun, einige Jahre später, erhielt Eva eine Einladung zu Paulas Hochzeit." Neben einer orthodoxen Trauung erlebten die beiden außerdem eine Fahrt mit einer Dampflok durch die Wälder an der rumänisch-ukrainischen Grenze, einen unterirdischen Freizeitpark und wunderschöne Landschaften, aber auch viel touristische Vermarktung.


Rumänischer Autoverkehr? Au weia

Erstes Abenteuer 1#googleAds#100x100 für Peter Schmieder: Für den Mietwagen sind mehrere Fahrer teuer, also "hat sie nur mich eingetragen. Ich stehe also vor der Aufgabe, mich durch den rumänischen Straßenverkehr zu kämpfen. Ein etwas mulmiges Gefühl habe ich. Immerhin durfte ich auf früheren Rumänienreisen den wilden Fahrstil vieler Autofahrer kennen lernen.

Bisher nur als Beobachter, jetzt darf ich mich selbst ins Getümmel stürzen. Nicht umsonst ist Rumänien EU-weit auf Platz 2 der Staaten mit den meisten Unfalltoten pro Einwohner - nur in Lettland ist Autofahren noch gefährlicher. Dennoch setzte ich mich hinters Steuer und komme besser zurecht, als ich befürchtet hatte. Zwar beobachte ich auf der Fahrt viel riskantes Fahrverhalten wie beispielsweise Überholmanöver mitten in unübersichtlichen Kurven. Ich selbst komme allerdings in keine wirklich gefährliche Situation."

Erster Halt ist Piatra Fântânele. ",Da will ich unbedingt mal hin‘, hatte Eva vorher darüber gesagt, was allerdings vor allem ihrem abgedrehten Humor geschuldet ist. Wer touristische Vermarktung in ihrer reinsten Form erleben will, der ist hier genau richtig. Denn hier führt die Straße über den Borgo-Pass, der als Handlungsort von Bram Stokers Roman ,Dracula‘ berühmt ist.

Auf einem Berg steht ein ,Dracula-Hotel‘, dessen Baustil mehr schlecht als recht versucht, eine mittelalterliche Burg zu imitieren. Weiter unterhalb gibt es einen Souvenirmarkt voll mit hässlichen Monstermasken und Vampirkitsch. Als wir den Ort verlassen, kommen wir an einem Festplatz vorbei, auf dem gerade Buden und Stände aufgebaut werden. Eva übersetzt ein Schild am Straßenrand, und ich muss laut lachen: Hier wird für ein großes Knoblauchfest aufgebaut."


Eisenbahnfahren in seiner ursprünglichsten Form

Das Paar aus Franken steuert Viseu de Sus an. Ein Höhepunkt der Reise: eine Fahrt mit der Wassertalbahn. Die Schmalspureisenbahnlinie mitten durch die bewaldeten Berge der Karpaten war für Holztransporte gebaut worden. Seit den 30er Jahren wurde so das Holz zu den Sägewerken im Tal gebracht.

Auch heute wird die Bahnlinie noch zum Holztransport genutzt, allerdings auch für den Tourismus, denn auch Personenzüge fahren auf der Strecke, und ein landschaftlich sehr schön gelegener Haltepunkt wurde zum Ausflugsziel hergerichtet. Da gibt es Essen vom Grill und ein kleines Museum über die Geschichte der Bahn. Während die Arbeitszüge mittlerweile von Dieselloks gezogen werden, fahren die Personenzüge noch unter Dampf.
Eine Attraktion ist das Hotel direkt am Bahnhof der Wassertalbahn: Es besteht aus einem alten Zug, der auf einem Normalspurgleis steht. Die Gäste übernachten in den Abteilen zweier Schlafwagen, ein Speisewagen fungiert als Restaurant.

Schließlich geht es wieder Richtung Klausenburg, denn die Hochzeit soll in Turda stattfinden, einer Stadt in der Nähe.

Schmieder: "Am Abend kommen wir in Turda an, wo wir bei Carolin, einer gemeinsamen Freundin von Eva und Paula, übernachten. Carolin ist Deutsche, die in Rumänien als Deutschlehrerin arbeitet. Ihr Mann gehört der ungarischen Minderheit in Rumänien an und so wachsen ihre Kinder in Rumänien dreisprachig auf. Auch andere deutsche Freunde der Braut übernachten bei Carolin und ihrer Familie. Am Sonntag macht sich dann die gesamte .deutsche Delegation‘, wie wir uns scherzhaft nennen, gemeinsam auf den Weg zur Kirche.

Eva hat mich bereits vorgewarnt, dass orthodoxe Trauungen oft lange dauern. ,Ich hab es schon erlebt, dass ein Gottesdienst zwei Stunden dauert‘, erzählt sie. Ich bereite mich schon einmal innerlich darauf vor, eine lange Zeremonie zu erleben, in der ich kein Wort verstehe. Warum habe ich nicht längst angefangen, Rumänisch zu lernen? Letztlich dauert der Gottesdienst jedoch nur etwa eine Stunde. ,Das liegt vielleicht auch daran, dass wir in der Stadt sind und nicht auf dem Land‘, meint Eva.

Außerdem profitiere ich davon, dass auch der Bräutigam kein Rumäne ist. Paula heiratet einen Amerikaner, der Freunde und Verwandte aus den USA eingeladen hat. So ist im Gottesdienst einiges darauf ausgelegt, auch den nichtrumänischsprachigen Gästen zu erklären, was gerade passiert.

Die Gäste bekommen Zettel, auf denen in englischer Sprache einiges über orthodoxe Trauungen erklärt wird. Während der Predigt macht der Priester sogar nach jedem Satz eine Pause, so dass die Braut alles ins Englische übersetzen kann.


Dunkel und prächtig

Schon beim Betreten der Kirche fallen einige Unterschiede zu dem auf, was deutsche Christen aus der katholischen und evangelischen Kirche gewohnt sind. So ist der Raum viel dunkler, es gibt nicht die hohen Fenster, durch die viel Licht in den Raum fällt. Außerdem gibt es keine Sitzbänke, die Gottesdienstbesucher müssen stehen. Der Priester steht oft mit dem Rücken zur Gemeinde, der Ablauf wirkt stärker ritualisiert als in westlichen Kirchen.

Im Gesamteindruck wirkt es oft, als würde der Priester alleine mit Gott sprechen und dabei die Gottesdienstbesucher viel weniger einbeziehen, als es katholische oder evangelische Geistliche für gewöhnlich tun. Höhepunkt der Zeremonie ist der Moment, in dem Bräutigam und Braut Kronen auf den Kopf gesetzt bekommen. Damit werden sie, nach Verständnis der orthodoxen Kirche, zu König und Königin ihres eigenen kleinen Königreichs (gemeint ist damit ihr Zuhause) gekrönt."


Auf dem Präsentierteller

Nach der Trauung geht es zu einer Gaststätte. Das Brautpaar sitzt in Rumänien viel mehr "auf dem Präsentierteller", erzählt Peter Schmieder weiter. Während die anderen Gäste sich an runden Tischen verteilen, sitzt das Brautpaar an einem langen Tisch mit den beiden Trauzeugen. "Auf der Feier wird viel getanzt und noch mehr gegessen, spätestens beim dritten Gang muss ich die Hälfte zurückgehen lassen, weil ich nichts mehr hinunterbringe.

,Für eine rumänische Hochzeit gibt es ungewöhnlich wenig Alkohol‘, bemerkt Eva irgendwann. Zwar stehen Weinflaschen auf den Tischen und gelegentlich schenken Kellner auch einen Whisky aus, doch Tuica, den traditionellen rumänischen Pflaumenschnaps, gibt es nicht. Später führt eine Gruppe in Trachten rumänische Volkstänze auf.

Eigentlich, so wird mir erzählt, ist das auf Hochzeiten nicht unbedingt üblich. Vielleicht ein Versuch, den amerikanischen Gästen etwas mehr von der rumänischen Tradition zu vermitteln, vermutet Eva."
Pflicht auf einer rumänischen Hochzeitsfeier ist der Sänger mit traditionellen Liedern oder die Hora, ein Tanz, bei dem die Leute sich an den Händen halten und in einer bestimmten Schrittfolge im Kreis laufen ("Wobei ich immer wieder über meine eigenen Füße stolpere"). Und was offenbar weltweit verbreitet ist, gibt es auch in Rumänien: Die Braut wirft ihren Strauß.

Nach der Hochzeit geht das Reiseprogramm weiter: Am Rand von Turda gibt es ein altes Salzbergwerk. Schmieder: "Mittlerweile gibt es dort unten Therapieeinrichtungen für Menschen mit Atemwegsproblemen und viele unterirdisch angelegte Freizeiteinrichtungen. So können Besucher in einer großen Halle der Saline mit einem Riesenrad fahren oder auf einem Salzsee Ruderboote mieten, außerdem gibt es unterirdische Sportanlagen und ein Theater." Die Saline gilt als "schönster unterirdischer Ort der Welt".


Wunderbare historische Gebäude

Und ein Endpunkt ist noch Klausenburg. Das Paar aus Franken schaut sich die Gebäude der Universität an und das Hotel Continental, "das früher noch Hotel New York hieß und vielleicht ein Vorbild für das Hotel Royal in dem Roman Dracula gewesen sein könnte."

"Bevor wir am Mittwochabend wieder nach Deutschland zurückfliegen, lassen wir den Urlaub mit einer Wanderung durch die Cheile Turzii ausklingen, eine Schlucht bei Turda, an deren Seiten sich bis zu 300 Meter hohe Felswände auftürmen.

Bei all den schönen Dingen, die wir auf der Fahrt gesehen haben, lassen sich auch einige Schattenseiten nicht wegdiskutieren. Verglichen mit anderen osteuropäischen Ländern wirkt Rumänien auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges noch um einiges rückständiger. Beispielsweise dauern Reisen innerhalb des Landes sehr lange, da die Verkehrswege oft in einem schlechten Zustand sind. Dass EU-Gelder, die für deren Ausbau vorgesehen waren, offenbar in irgendwelchen dunklen Kanälen versickert sind, zeigt auch, dass Korruption noch heute ein großes Problem darstellt. Dennoch ist Rumänien ein wunderschönes und faszinierendes Land, das auf jeden Fall eine Reise wert ist."