Die Floskel "schwere Geburt" ist abgedroschen, in diesem Fall aber kommt man nicht um sie herum: Am Donnerstag verkündete Landrat Wilhelm Schneider, dass die von ihm 2016 angekündigte Schließung der Geburtshilfe am Krankenhaus in Haßfurt vom Tisch ist. Erst einmal. In München hat nach langen Wehen ein Förderprogramm das Licht der Welt erblickt, das kleinen Kliniken wie der in Haßfurt ein bisschen mehr Luft zum Atmen verschafft.

Zwei-Säulen-Modell

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat zuletzt beim "Hebammengipfel" in Nürnberg betont, dass dem Freistaat die Betreuung werdender Mütter nah an ihrem Wohnort eine Herzensangelegenheit ist. In München wurde ein Zwei-Säulen-Modell entwickelt, das nach Humls Vorstellung mehr ist als eine lebensverlängernde Maßnahme für Kliniken am Rande des Existenzminimums: Der Freistaat fördert die Hebammen, die händeringend gesucht werden (auch am Krankenhaus in Haßfurt ist eine Stelle frei).

"Hoher sechsstelliger Betrag"

Zum Zweiten hat der Freistaat nicht zuletzt auf Drängen aus Haßfurt ein Strukturförderprogramm aufgelegt. Aus dem mit 30 Millionen Euro gefüllten Topf sollen ab 2019 kleine Kliniken unterstützt werden, deren Geburtshilfestationen rote Zahlen schreiben. Bayern will bis zu 85 Prozent des Defizits übernehmen, das im Falle der Haßbergkliniken bislang der Landkreis trägt. Landrat Schneider rechnet mit einem "hohen sechsstelligen Betrag", der im nächsten bayerischen Doppelhaushalt ab Herbst zur Verfügung stehen werde.

Die Kinderlein kommen

Der Huml-Topf ist kein Füllhorn. Maximal eine Million Euro pro Klinik will der Freistaat überweisen, und die Zahlung ist an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. "Es gilt dabei unter anderem zu definieren, was genau das Defizit in der Geburtshilfe ist", erklärt Klinik-Vorstand Stephan Kolck. Im Klartext heißt das auch: München will die Bücher sehen; man wird wohl auf Dauer kein Krankenhaus unterstützen, in dem schlecht gewirtschaftet wird.

Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Kinder kommen. Der Freistaat fordert im Falle der Klinik in Haßfurt unter anderem, dass mehr als 50 Prozent der Kinder, die im Landkreis Haßberge das Licht der Welt erblicken, dies im Krankenhaus in Haßfurt tun. Und es sollten jedes Jahr mindestens 400 Geburten sein. Letztere Zahl wurde 2018 zwar mit 397 knapp verfehlt, dafür ist die Quote mit 52,2 Prozent klar im grünen Bereich.

Schon 40 Geburten

Und für dieses Jahr sieht es auch schon wieder gut aus: Im Januar kamen bereits 40 Kinder zur Welt, im ersten Monat des Vorjahres waren es nur 22.

Die Geburtshilfe in Haßfurt ist damit erst einmal in trockenen Tüchern, gibt sich Schneider erfreut, und Kolck fällt hörbar ein Stein vom Herzen, denn für eine Klinik ist die einzige Abteilung, in der Gesunde "behandelt" werden, von besonderem Stellenwert. "Das ist mehr als nur Prestige, das ist auch ein ganz wichtiges Stück Identifikation des Hauses mit der Region und der Menschen mit dem Haus", sagt er. Beide, Schneider und Kolck, betonen aber auch, dass die Rettung der Geburtshilfe kein Selbstläufer ist, sondern eine Daueraufgabe: Geht die Zahl der Geburten stark zurück, könnte der Freistaat die Nabelschnur schnell wieder kappen.