Es wurde heiß und laut und windig: Im Tunnel "Schwarzer Berg" der Maintalautobahn (A 70) war in der Nacht zum Sonntag einiges los. Dabei war die Strecke zwischen den Anschlussstellen Eltmann und Knetzgau komplett in beide Richtungen gesperrt. Das war auch nötig, denn die neuen Sicherheitseinrichtungen wurden getestet, die in die beiden über 700 Meter langen Röhren eingebaut worden sind. Sie sollen den Durchgang für die Verkehrsteilnehmer sicherer machen. Das Kernstück ist die Brandschutzmeldeanlage.

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatte die Autobahndirektion die Funktionen geprüft. Sie funktionierten. Jetzt wurde der Test realitätsnaher: "Wir simulieren einen Fahrzeugbrand", beschrieb Matthias Bauer von der Autobahndirektion Nordbayern das Szenario. An acht Stellen in den beiden Röhren wurde Feuer mit einem Gasbrenner in einem Auto erzeugt und Rauch dazu eingeblasen. Die entscheidende Frage: Bemerkt die neue Brandschutzmeldeanlage das Feuer und werden die weiteren Schritte entsprechend ausgelöst?

Bei einem der ersten Tests am Samstagabend gab es noch "kleinere technische Probleme", gestand Frank Heim, der Tunnelmanager der Autobahndirektion. Aber dafür sei der Test eben da, um diese Probleme zu lösen. Später lief alles reibungslos. Die Tunnel "ist sicher", lautete seine Fazit am Sonntagmorgen nach den Tests.

Die Autobahndirektion hatte zu der Überprüfung Vertreter von Sicherheitsorganisationen aus dem gesamten nordbayerischen Raum sowie Kommunalpolitiker eingeladen. Sie verfolgten einen Test in der Südröhre. Auf dem Parkplatz an der Autobahn, in der Leitzentrale für den Tunnel und im Durchgang selbst erfuhren die Teilnehmer, mit welch großem Aufwand die Technik aufgerüstet und optimiert worden ist.

In jeder der beiden Röhren verlaufen entlang der Decke Brandmeldekabel. Sie haben alle acht Meter Sensoren, die auf Temperaturunterschiede, wie sie ein Feuer verursachen würde, reagieren. Auf diese Weise würde ein Brand gemeldet, und zwar an die Integrierte Leitstelle Schweinfurt (Einsatzzentrale für die Feuerwehr) und an die Tunnelleitzentrale der Autobahndirektion in Fischbach bei Nürnberg. Dort wird der Verkehr im "Schwarzen Berg" rund um die Uhr überwacht. Alle zehn Sekunden messen die Sensoren die Temperatur. Steigt innerhalb der zehn Sekunden die Temperatur um über 2,8 Grad Celsius, dann wird der Alarm ausgelöst.

Brennt es im Tunnel, passieren neben der Alarmierung mehrere Dinge: Die Ampeln an den Portalen werden auf Rot gestellt, damit keine Autofahrer mehr in den Tunnel gelangen. Gleichzeitig senken sich dort die Schranken. Die Notfallbeleuchtung in den Röhren springt an.

Vor allem: Die Lüfter an den Decken der beiden Röhren schalten sich ein. Sie haben die Aufgabe, die Rauchgase aus den Röhren zu blasen. Jeweils acht Lüfter hängen in beiden Röhren.

Die Lüfter, die wie Schneekanonen aussehen und in etwa auch diese Größe haben, müssen optimal laufen. Sie sollen mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde den Rauch aus dem Tunnel befördern. Laufen sie zu schnell, besteht die Gefahr von Verwirbelungen und der Rauch, der sich normalerweise oben an der Decke sammelt, würde nach unten gedrückt - auf die Verkehrsteilnehmer. Laufen die Lüfter zu langsam, besteht die Gefahr, dass der Rauch auch in die andere, in die falsche Richtung zieht - zu den Autofahrern, die hinter der Brandstelle im Stau stehen.

Für den Eltmanner Tunnel haben Spezialisten zusammen mit der Autobahndirektion eine Simulation entwickelt, wie diese Lüfter optimal geschaltet werden. Am Computer wurden 210 Szenarien durchgespielt (berücksichtigt wurden Verkehrsaufkommen, Art des Brandes, Wetterlage und weitere Faktoren), damit für jeden Einzelfall der passende Lüfterlauf konzipiert werden konnte. Dieses Simulationsverfahren ist einmalig und der Eltmanner Tunnel gilt als Pilotprojekt für ganz Deutschland. Erste Überprüfungen hatten laut Matthias Bauer ergeben, dass in 34 Fällen der 210 Szenarien Optimierungsbedarf besteht, und diese Lücken wurden nach und nach geschlossen.

Neben dem erfolgreichen Test für die Brandmeldeanlage wurden am Wochenende die weiteren neuen Einrichtungen sowie die bestehende Technik - zum Beispiel die Kennzeichnung der Fluchtwege und die Videoüberwachung - überprüft. Die ganze Nacht über liefen die Tests. Und die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz absolvierten ihre Großübung am und im Tunnel. Alle vier Jahre ist eine solche Übung vorgeschrieben, erläuterte Alexander Leis, der Leiter der Dienststelle Würzburg der Autobahndirektion Nordbayern. Bis Mitternacht waren rund 230 Einsatzkräfte vor Ort, danach immerhin noch rund 70.

Laut Kreisbrandinspektor Peter Pfaff (Zeil) spielten die Einsatzkräfte fünf Szenarien durch: die Wasserförderung vom Main zum Tunnel für das Löschen eines Brandes; die Kommunikation mit der neuen Digitalfunk-Technik; die Verkehrsregelung (da gab es laut Pfaff Defizite jüngst bei der Massenkarambolage auf der A 70 nahe Knetzgau); die Menschenrettung aus einem verunglückten Auto; und das Zusammenspiel des erstmals aufgebauten Koordinierungsstabes wurde trainiert (dazu hatten Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz ihre mobilen Einsatzzentralen auf dem Gelände der Tunnelleitzentrale aufgestellt).

Die Übung ist nach den Worten Pfaffs plangemäß abgewickelt worden. Der Verlauf sei "in Ordnung" gewesen, fasste er am Sonntag zusammen.

Erfreut ist der Kreisbrandinspektor über die neue Funktechnik. Die Übung sei erstmals "komplett digital gefahren" worden, und das habe geklappt, auch mit dem Funk im Tunnel, der ebenfalls auf digital umgerüstet worden ist. Peter Pfaff: "Da sind die Erfahrungen sehr positiv. Es funktioniert so, wie wir uns das vorstellen."