"Ayers Rock" steht fest da - so wie der australische Felsen, nach dem das Pferd benannt ist. Gelassen lässt der 14 Jahre alte Oldenburger alles über sich ergehen, was mit ihm am Donnerstag auf dem Gelände der alten Schule in Rudendorf gemacht wird. Und das ist nicht wenig. Scott Lampert, ein Spezialist für das Beschlagen der Pferde, zeigt am Beispiel von "Ayers Rock", worauf es beim Setzen der Hufeisen ankommt. Der Amerikaner hebt den Pferdefuß, feilt und spricht dabei, und 70 Augenpaare sind auf Lampert und "Ayers Rock" gerichtet. Das Tier macht mit.

"Ayers Rock" ist ein "total braves Pferd", sagt sein Besitzer Bernhard Fenn. Das Springpferd hat sich schon bei Turnieren im Ausland bewährt. Es gehört zu den rund 60 Tieren, die Fenn auf seinem Reiterhof in Eltmann hält. Dazu kommen noch einmal 72 Pferde, die er im Auftrag anderer Besitzer auf seinem Gelände eingestellt hat.

Ganzheitlicher Ansatz

Fenn beschlägt seine Pferde auch selbst. Was er am Donnerstag in Rudendorf erfahren hat, geht aber über das hinaus, was er bisher über das Setzen der Hufeisen wusste. "Das hätte ich nicht gedacht", dass es so viel zu bedenken gibt, räumt der Eltmanner ein. Zum Beispiel, dass die gesamte Muskulatur von der Schulter bis zum Schweif eine Rolle beim Beschlagen spielt. Das ganze Pferd ist eine Einheit. "Der Huf ist der Spiegel des Körpers", beschreibt Tierärztin Brigitte Fiedler aus Bamberg diesen ganzheitlichen Ansatz.

Also: Ein Hufeisen nehmen, dazu ein paar Nägel und das Eisen am Huf befestigen - fertig ist der "Schuh" des Pferdes, wie man laienhaft das Beschlagen beschreiben könnte, geht nicht. Es kommt auf viel mehr an.

Das erkennt man schon daran, dass es rund 750 Formteile für Hufeisen gibt. Reian Werkman von der gleichnamigen Firma aus den Niederlanden hat sie in seinem Sortiment. Sie unterscheiden sich in Dicke, Breite, Material, Größe und bei der Anordnung der Nagellöcher. Und selbst bei dieser Vielfalt an Hufeisenformen muss der Hufschmied das einzelne Eisen noch bearbeiten und individuell dem jeweiligen Tier anpassen. "Ein Hufschmied ist wie ein Orthopäde", sagt Werkman.

Rund 70 Hufschmiede hatten sich an der alten Schule in Rudendorf versammelt, um ihr Wissen um das Beschlagen zu vergrößern. Sie kamen aus Franken und vor allem aus den östlichen Bundesländern. Das ist kein Zufall, denn Sven Bräutigam, der den Workshop in dem Ebelsbacher Gemeindeteil organisiert hatte, hat viele Kunden von dort. Er führt das Geschäft weiter, das einst seine Schwiegermutter in Görlitz an der Grenze zu Polen betrieben hatte. Sie führte einen Betrieb für Hufbeschlagsartikel. Nach dem Tod der Schwiegermutter hat Sven Bräutigam das Geschäft übernommen. Der 42-Jährige lebt seit 18 Jahren in der Gemeinde Ebelsbach und seit fünf Jahren bereits in Rudendorf. Anfang dieses Jahres hat er das Geschäft der Schwiegermutter in Rudendorf neu aufgebaut.

Moderne Technik

Dass der Spezialist Scott Lampert nach Rudendorf kam, hat er auch Reian Werkman zu verdanken. Werkman beliefert die Firma Bräutigam und half bei der Organisation des Workshops in Rudendorf.

Lampert ist weltweit tätig. Er ist ein gefragter Experte. "Er beschlägt die teuersten Pferde der Welt", weiß Sven Bräutigam. In den nächsten Tagen zum Beispiel fliegt der Fachmann in die USA. In Florida wird er ein einziges Pferd beschlagen. Unter den Kunden des Amerikaners sind Menschen, die Geld haben - und teure Pferde. Da kommt es auf das Händchen des Hufschmieds an. "Wenn du da den falschen Nagel setzt..." Sven Bräutigam möchte den Satz lieber nicht vollenden.

Scott Lampert verlässt sich nicht allein auf sein Gefühl, seine Erfahrung und sein Händchen. Er nutzt auch die moderne Technik. Neben Röntgen setzt er auf die Videoanalyse. Er wendet eine Software an, die es den Hufschmieden, Tierärzten und Pferdetrainern erlaubt, mit Hilfe von Kameras und Smartphones hochwertige Aufnahmen zur Bewegungsanalyse anzufertigen.

Galt der Hufschmied vor einigen Jahren noch als ein Beruf, der möglicherweise aussterben wird, ist die Tätigkeit heute wieder verstärkt gefragt. Das hat einfach damit zu tun, dass es wieder mehr Pferde gibt. Bräutigam schätzt, dass im hiesigen Raum, in Haßbergen und Steigerwald, rund 30 Hufschmiede arbeiten. Die meisten von ihnen kommen aus der Metallbranche. Wie auch der 42-Jährige selbst. Er ist gelernter Werkzeugmacher und war früher in einem Heimwerkermarkt an führender Position tätig, bevor er als Unternehmer für Hufbeschlagsartikel in die Branche einstieg.