In den nächsten drei Jahren bildet der Landkreis Haßberge sechs junge Frauen und Männer in vier Berufen sowie vier Anwärter für den gehobenen Dienst aus. Unter den "Neuankömmlingen" im Landratsamt Haßberge war am gestrigen Dienstag die 16 Jahre alte Tanja Silge aus Trossenfurt. Sie will Verwaltungsfachangestellte, Fachrichtung Kommunalverwaltung, werden.


Praktikum war schon mal super

"Ich habe während der Schulzeit ein Praktikum im Landratsamt gemacht, was mir sehr gut gefallen hat", erzählte die Auszubildende, die in Eltmann an der Realschule die Mittlere Reife erworben hat. "Die abwechslungsreiche Tätigkeit, die supernetten Kollegen und das gute Arbeitsklima waren für mich ausschlaggebend, mich für einen Ausbildungsplatz im Landratsamt zu bewerben."

Tanja Silge hat die Zeit der Praktika gut genützt.
"Damals befand ich mich noch in der Berufsfindungsphase", sagte sie und verwies darauf, dass sie sich bei den Praktika ihre Zukunft auch als Krankenschwester, Hotelfachfrau oder Erzieherin hätte vorstellen können. "Doch letztendlich habe ich gemerkt, dass mir der Bürojob am besten liegt", berichtete sie.

Im Landratsamt hatte sie zwei Wochen im Ausländermeldeamt verbracht und die Zeit genossen. "Die Aufgaben haben mir gefallen, und die Ausbildungsleiterin Sandra Welsch hat sich hervorragend um uns Praktikanten gekümmert", beschreibt Tanja. "So hat sie unter anderem mit uns ein Eingangs- und ein Abschlussgespräch geführt und darüber diskutiert, ob das Landratsamt noch etwas verbessern könnte."

Das reichte, und Tanja bewarb sich um die Ausbildungsstelle. "Ich hätte auch in der Stadt Bamberg oder in der Verwaltung der Uniklinik in Bamberg einen Ausbildungsplatz erhalten. Doch letztendlich habe ich mich für Haßfurt entschieden", schilderte die 16-Jährige, die jetzt erst einmal jeden Morgen von ihren Eltern zum Bahnhof in Ebelsbach gebracht werden muss, um den Zug nach Haßfurt zu nehmen. Die Eltern stehen auch jeden Abend dort zum Abholen wieder bereit. "Ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit, in der ich viele Abteilungen kennenlernen werde", sagte Tanja. "Ich finde beispielsweise das Jugendamt total spannend, aber auch das Ausländermeldeamt oder die Geschäftsstelle könnten mir gefallen." Planungen für die spätere Zukunft hat die sympathische junge Frau schon: Sie möchte sich zur Verwaltungsfachwirtin weiterbilden.


Herzlicher Empfang

Einen herzlichen Empfang bereiteten die Verantwortlichen den neuen Auszubildenden Anna Wengel aus Geusfeld, Tanja Silge aus Trossenfurt, Jonathan Seeber aus Haßfurt, Tobias Horcher aus Rattelsdorf, Daniel Schlegelmilch aus Zell und Jana Mauder aus Wonfurt an ihrem ersten Arbeitstag im Landratsamt. "Unsere Türen stehen Ihnen weit offen", sagte beispielsweise der Personalratsvorsitzende Edwin Oppelt.

Offiziell hieß Regierungsdirektor Thomas Albert die Azubis am Landratsamt Haßberge willkommen. Und auch Landrat Wilhelm Schneider begrüßte noch den Nachwuchs, bevor er in Sachen Asyl-Notfallplan zur Regierung von Unterfranken nach Würzburg fuhr. "Wir freuen uns, dass Sie sich für eine Ausbildung bei uns entschieden haben und wünschen Ihnen dabei auch viel Spaß", sagte er. "Wir werden Ihnen eine gute Ausbildung angedeihen lassen, und wir hoffen, dass Sie - nach einem hoffentlich guten Abschluss - unser Team verstärken werden!"


Pflicht, dem Bürger gegenüber

Auch Thomas Albert hoffte, dass die jungen Frauen und Männer voller Elan in die Arbeitswelt starten. Denn mit ihren Leistungen, aber auch ihrem Verhalten in den kommenden Jahren würden sie die Weichen für das weitere Berufsleben stellen. "Wir verpflichten uns, Ihnen eine solide Ausbildung zu vermitteln, Sie zu fördern und zu formen und das berufliche Fundament für Ihren weiteren Lebensweg zu gießen", so Thomas Albert. Damit stelle man sich der Verantwortung für den Landkreis. Denn junge Menschen auszubilden und ihnen hier vor Ort eine Perspektive zu bieten, sei für alle überlebenswichtig und eine Investition in die Zukunft.


Moderner Dienstleister

Das Landratsamt sei ein moderner Dienstleistungsbetrieb, der immerhin 251 verschiedene Leistungen erbringen müsse. Die Anforderungen und Aufgaben an die Mitarbeiter seien unterschiedlichster Art und umfassten nahezu alle Lebensbereiche. Angefangen von der Kfz-Zulassung über die Sozialarbeiterin bis zur Familienhilfe oder den Sachbearbeiter, der Bauanträge genehmigt. "Doch gerade die Vielzahl der Aufgaben macht die Arbeit auch sehr reizvoll und interessant und Sie werden schnell merken, dass das Bild von einer verstaubten, langsamen Verwaltung von gestern ist", betonte Albert.

Auch die aktuellen Entwicklungen und dabei vom Landratsamt zu erledigende Aufgaben wie zum Beispiel bei der Betreuung von Asylbewerbern verdeutlichten dies. "Bei uns sind Flexibilität, Kreativität und natürlich Top-Leistungen gefragt. Daher bitten wir Sie: Bringen Sie sich bitte mit all Ihren Stärken ein, seien Sie leistungsbereit und überzeugen Sie mit Ihren Leistungen", sagte der Regierungsdirektor. Die Auszubildenden hätten aber auch die Möglichkeit, sich bei eigenen Projekten, Veranstaltungen oder der Mitarbeiterzeitung über den Arbeitsalltag hinaus für die Betriebsgemeinschaft zu engagieren.

Albert empfahl den Auszubildenden, sich unvoreingenommen und ernsthaft den Anliegen der Besucher zu widmen sowie immer freundlich und aufmerksam zu sein. "Wenn Sie zum Beispiel im Foyer oder im Treppenhaus auf einen Bürger treffen, der etwas orientierungslos herum irrt, weil er sich nicht auskennt, nicht das richtige Stockwerk oder das Büro der jeweiligen Sachbearbeiterin findet, sprechen Sie ihn an und fragen ihn, ob Sie helfen können", führte Albert an.

Weiterhin bat er die "Neuen", ihren Arbeitskollegen gegenüber respektvoll und aufgeschlossen zu sein und auch Mut zu Anregungen und Verbesserungsvorschlägen zu haben. Ihrer facettenreichen Ausbildung sollten sie sich mit vollem Einsatz und Engagement widmen und diese als eine Chance sehen. "Dann bin ich mir sicher, dass wir gemeinsam etwas erreichen - für Sie, für das Landratsamt und für unseren Landkreis", sagte Thomas Albert, der abschließend allen alles Gute, viel Erfolg und ein gutes Miteinander im Landratsamt wünschte.

"Sie alle haben schon bei den Einstellungsgesprächen einen guten Eindruck hinterlassen", ergänzte der Geschäftsleiter Horst Hofmann. Die Auszubildenden könnten auf alle 340 Mitarbeiter des Landratsamtes zugehen, müssten sich aber auch selbst um ein gutes "Miteinander" kümmern. "Weil wir alle ein bisschen betriebsblind geworden sind, bitte ich Sie auch, Ihre Anregungen einzubringen", erklärte er. Jeder bisherige Auszubildende, der den Notendurchschnitt von 3,5 erreicht habe und am Landratsamt habe bleiben wollen, sei bisher übernommen worden, machte er den Auszubildenden Mut.

Anna Wengel und Tanja Silge werden zu Verwaltungsfachangestellten, Fachrichtung Kommunalverwaltung, Seeber Jonathan zum Fachinformatiker, Fachrichtung Systemintegration, Tobias Horcher und Daniel Schlegelmilch zu Straßenwärtern und Jana Mauder zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste am Bibliothekszentrum Haßfurt ausgebildet. Ab 1. Oktober werden außerdem Carina Berger aus Sand, Ramona Hauck aus Eltmann, Michael Schneider aus Schweinfurt und Claudia Otzisk aus Schwarzenbach an der Saale zu Anwärtern im gehobenen Dienst ausgebildet. Zum gleichen Zeitpunkt beginnen außerdem 13 Schüler beim Zweckverband Berufsfachschule für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege Haßfurt/Schweinfurt ihre Ausbildung zum Gesundheitspfleger.