Neue Sitzmöbel und eine Magnettafel an der Wand. Mit kleinen Veränderungen versucht Steffen Kropp zu zeigen, dass sich etwas geändert hat. Sonst aber atmet die Amtsstube im Rathaus von Rentweinsdorf nach wie vor den Stil seines Vorgängers. Zugezogene Vorhänge dämpfen das Licht und Schrankwände und Regale sind gefüllt mit Aktenordnern und Unterlagen, die Willi Sendelbeck in mehr als 26 Amtsjahren akribisch zusammengestellt und sortiert hat. "Mit einem durchdachten System", wie der jüngste Bürgermeister im Landkreis Haßberge attestiert.

Als Sendelbeck sein Amt antrat , spielte Kropp als Vierjährige gerade mal im Sandkasten. Dennoch: Der Wechsel von der Großvater- zur Enkelgeneration ist nicht etwa ein harscher Bruch. Eher zeichnet sich der fließende Übergang von Genosse zu Genosse, von Fußballer zu Fußballer und von (Justiz-)Verwaltungsmann zu (Gemeinde-) Verwaltungsmann ab. "Ist halt schwierig, wenn man den Bürgermeister nach so langer Amtszeit beerbt", sagt Kropp, da seien die Strukturen fest verwurzelt. Auch Corona erschwere den Wandel. "Auf jeden Fall ist jetzt alles digitaler geworden als bei meinem Vorgänger".

Die Begeisterung hält an

Viel Zeit zum Räumen hat das Gemeindeoberhaupt bislang nicht gefunden und so richtig sei er noch immer nicht angekommen, gesteht Steffen Kropp nach fast vier Monaten im Amt. Ihn bewege noch immer eher die Euphorie über seinen Wahlsieg als die ernüchternde Ankunft im Bürgermeister-Alltag.

Bei der Stichwahl, die er letztlich mit mehr als 58 Prozent der Stimmen klar gegen den RUL-Kandidaten Stefan Horn gewann, habe er bibbernd vor dem Laptop gesessen, erzählt Kropp. Am Ende "war ich baff, dass es so deutlich geworden ist". Seine Familie sei stolz, weil es in so jungen Jahren schon geklappt hat mit dem höchsten Amt in der Gemeinde".

Viele Leute im Markt haben ihn beglückwünscht und sehr gut aufgenommen. "Ich habe in den vergangenen Wochen stets große Unterstützung von allen Seiten erfahren". Er spüre die offensichtliche Freude über den jungen Bürgermeister, der frischen Wind in den Markt zu bringen verspricht.

Die erste Trauung

Ein besonders emotionaler Moment für Steffen Kropp war seine erste standesamtliche Trauung, die er kürzlich im Treinfelder "Türmla" leitete. Da pumpert nicht nur dem glücklichen Brautpaar, sondern auch dem Standesamts-Neuling tüchtig das Herz: "Auf dass ihre Liebe ewig hält", wünscht der Bürgermeister.

Eine erste Bilanz nach vier Monaten? "Die Zeit vergeht unheimlich schnell", gesteht der 31-Jährige, "das unterschätzt man wirklich". Der aktive Kicker und Feuerwehrmann ist sich der hohen Erwartungen bewusst. "Es ist klar, dass sich einiges bewegen soll", sagt der 31-Jährige. Jetzt wollen alle, Wähler und Nichtwähler, Taten sehen. "Mit Wahlversprechen werden ja auch Hoffungen geweckt".

Das Zeitmanagement

Dabei erlebe er "durchaus "Stress, aber einen guten Stress" im Nebeneinander zwischen seinem Hauptberuf als Kämmerer der Gemeinde Untersiemau, dem Bürgermeister-Ehrenamt in Rentweinsdorf und der jungen Familie.

Viele Dinge erledige er unterwegs mit dem Handy, etwa zu 60 Prozent arbeite er im Verwaltungsgebäude in Ebern, etwa halb so viel im Rathaus Rentweinsdorf und den Rest am Laptop daheim. "Mein Zeitmanagement mus ich wohl noch besser in den Griff bekommen", gesteht Kropp und grinst. Gerade im Hinblick auf das Familienleben und seine einjährige Tochter. Dabei werde er gerade in dieser Hinsicht durch das Corona-Virus sogar noch begünstigt, weil ja noch so wenige Veranstaltungen stattfinden. "Das wird alles noch viel geballter kommen".

Sein Arbeitgeber in Untersiemau kommt dem Verwaltungsfachangestellten entgegen, da er dort jetzt nur noch zehn Stunden in der Woche arbeiten muss. Der Löwenanteil seiner Arbeitszeit gehört jetzt dem Markt Rentweinsdorf.

Aus zweierlei Perspektiven

Steffen Kropp ist sich sicher, dass es gut ist, den Verwaltungsapparat auch weiterhin von innen heraus zu erleben. So sei er einerseits Bediensteter und andererseits Chef, könne also beide Seiten beurteilen. "So sieht man, wie man Mitarbeiter richtig führen sollte" und man sieht auch, wie es andere Gemeinden machen". Dabei stellt er klar, dass Rentweinsdorf beileibe nicht über vergleichbare Möglichkeiten verfüge wie die wesentlich größere Gemeinde im Landkreis Coburg.

Große Stücke setzt der Bürgermeister und bisherige Gemeinderat auf das Zusammenspiel mit dem neuen Ratsgremium, das auf immerhin sechs Posten umbesetzt wurde. "Das wird ein ganz anderes Arbeiten", glaubt Kropp, "Jetzt ist eine neue Zeit angebrochen".

Bislang erlebe er konstruktive Zusammenarbeit und ein harmonisches Miteinander, beispielsweise auch beim aktuellen Großprojekt, dem Bau des Kindergartens. Die fälligen Abrissarbeiten sind erledigt, jetzt soll es mit den Tiefbauarbeiten endlich richtig losgehen.

Ein erster Dämpfer

Doch die Ausschreibung für den Kanalbau habe einen Schock bedeutet, denn es gab nur einen Bewerber und dessen Angebot war viel teurer als kalkuliert. So musste rasch eine zweite Ausschreibung her. "Das war die bisher härteste Nuss, die es zu knacken galt", sagt der Bürgermeister. Mit Unterstützung des Bauamts sei dies gelungen. Eine Firma aus Theres wird jetzt für die fristgerechte Verwirklichung sorgen. Für das Kindergartenjahr 2021/22 konnte inzwischen eine Ausweichmöglichkeit im CVJM-Haus gesichert werden.

Kropp vermeldet auch erste erfolgreiche Grundverhandlungen. So rechne er jetzt damit, dass der Bahnübergang bei Lind bis Ende 2022 fertiggestellt sein wird, was auch die Bahn bereits bestätigt habe. Auch für den Feuerwehrbau entwickelten sich die Grundverhandlungen aussichtsreich.

Nachdem im Baugebiet Kappelleite III bereits alle Baugrundstücke vergeben und auch in der Kappelleite II nur noch vier Baugrundstücke zu erwerben sind, denkt die Gemeinde weiter. Ein neues Baugebiet ist in Planung.

Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Gemeinde werden nach seiner Überzeugung erst in den nächsten Jahren richtig durchschlagen. O-Ton Kropp: "Das werden wir massiv zu spüren bekommen". Doch er verspricht, "wir werden unseren Markt weiter nach vorne bringen." Sein Fazit nach den ersten Monaten jedenfalls ist eindeutig: "Es tut sich was".

"Daumen hoch!"

Und wie erleben die Rentweinsdorfer ihren neuen Bürgermeister? "Der macht das eigentlich ganz gut", findet eine Dorfbewohnerin, "keine Beschwerden bisher. Daumen hoch!". Ein älterer Mann meint, "die Jugend muss auch mal ran. Und das Bürgermeister-Team scheint zu harmonieren, das ist gut für die Gemeinde". Ein anderer dagegen bremst: "Noch viel zu früh, um eine Meinung abzugeben. Die großen Bewährungsproben kommen erst noch".

Ein weiteres Porträt stellt Pfarrweisachs neuen Bürgermeister Markus Oppelt vor.