Eigentlich hatte Markus Oppelt das Rennen schon verloren gegeben. Es schien zu kommen wie bei der Wahl vor sechs Jahren, als ihm am Ende sieben Stimmen zur Mehrheit fehlten. Bei der Stichwahl am 30. März lag er vor der Auszählung des letzten Stimmzettel-Pakets hoffnungslos zurück und hatte bereits Zuhause angerufen: "Das wird diesmal wieder nichts." Aber "das letzte Häufle" hat dann doch noch die entscheidenden Stimmen für ihn gebracht. Oppelt ließ Mitbewerber Christoph Göttel um 42 (bei 1086 abgegebenen) Stimmen hinter sich.

Nun sitzt der 50-Jährige seit annähernd vier Monaten auf dem Chefsessel im frisch umgebauten Rathaus von Pfarrweisach und ist mit sich und der Welt zufrieden. "Ich bin positiv überrascht, dass es so gut läuft", sagt der Unternehmer, "eigentlich sogar fast ein bisschen zu glatt". Das hänge wohl auch mit Covid-19 zusammen und all dem, was nicht stattfinden konnte. Einmal , gesteht er, hat er bislang beinahe einen Termin verbummelt. So musste er die Abschiedsrede für Pfarrer Greinke aus dem Stegreif halten, was aber ganz gut gelungen sei. Oppelt ist sich bewusst, dass manche in der Gemeinde nur auf seine Fehler warten. Doch er will, auch denjenigen, die ihm nicht ihre Stimme gaben, zeigen, "dass meine Wahl nicht das Dümmste war".

Neuer Umgangston am Ratstisch

Im letzten Gemeinderat wurde schon mal "mit harten Bandagen gerungen". Jetzt würde sich der Politiker "manchmal ein bisschen mehr Diskussion vor den einstimmigen Beschlüssen wünschen. Das Gremium hat sich eine Whats-App-Gruppe eingerichtet.

Der Kfz-Lackierer spielt bereits mit dem Gedanken, ab kommendem Jahr nur noch für die Gemeinde Pfarrweisach da zu sein. Als Selbstständiger kann er sich seine Zeit relativ frei einteilen. Zur Entspannung nebenher hat er in Lohr und Junkersdorf zwei Jagdreviere gepachtet. Zu den "schönen Seiten des Lebens" zählt jetzt vor allem sein Job als Bürgermeister.

"Ich bin gerne gesehen", fällt ihm zu der Frage ein, wie ihm die Bürger seit seiner Wahl begegnen. Er freue sich darauf, eines Tages, nach der Pandemie, noch mehr unter die Leute gehen zu können.

Wenn er den langen Amtsweg kritisiert, dann meint er nicht die neun Kilometer bis zur Verwaltung in Ebern. Ihm dauert es zu lange, bis behördliche Genehmigungen vorliegen. "Corona hat alles nochmal verzögert." Im Bürgermeisteramt habe er inzwischen einige Zusammenhänge verstanden, sagt er, "als Gemeinderat war ich da noch viel ungeduldiger".

Jetzt läuft's

"Inzwischen geht richtig was voran", findet der CSU-Politiker und verweist auf die Fortschritte im Baugebiet "an der Schule". Das öffentliche Interesse an den regelmäßigen Absprachen dort zwischen Bürgermeister, Baureferenten und Bauleiter wertet er als Zeichen für den großen Zusammenhalt im Dorf.

Ein großes Projekt zurzeit ist die Kindertagesstätte, die für 24 Krippen- und 50 Regelkinder ausgelegt sein soll. Eine Container-Anlage mit rund 150 Quadratmetern Fläche soll auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände entstehen und für die nächsten voraussichtlich zehn Jahre Bestand haben. "Da die Container wohl frühestens zum Jahresende bezugsfertig sind, wird der Pfarrsaal als Zwischenlösung angemietet.

Sprechstunden vor Ort

"In Sachen Kindergarten ist in der Vergangenheit ein bisschen was verschlafen worden", sagt Oppelt. Ein Seitenhieb auf seinen Vorgänger Ralf Nowak, dem der neue Bürgermeister im Wahlkampf schlechte Informationspolitik vorgeworfen hatte. Oppelt will dem Transparenz entgegensetzen. Bei der Bürgersprechstunde (jeweils dienstags von 17 bis 19 Uhr), die möglichst in allen Ortsteilen stattfinden soll, will er sich mit seinen Bürgermeister-Vertretern Christoph Göttel und Sebastian Bock (beide Freie Wähler) ablösen. "Es kann ja sein, dass ein Bürger lieber mit einem anderen Bürgermeister spricht".

Auf den "Burgenwinkel-Bus" wollte die Gemeinde nicht aufspringen, da sie sich davon wenig Erfolg erhofft. Eher schon baut der Geschäftsmann Oppelt auf "innovative Eigeninitiativen" wie in Lichtenstein. Mangels Gastronomie vor Ort hat Burgherr Alexander von Rotenhan für durstige Ausflügler einen Getränkeautomaten samt Spendenbox aufgestellt. "Das läuft gut", lobt er diesen Beitrag zum sanften Tourismus. "Fehlt eigentlich nur noch die Toilette." Die Dürrnhofer legen selbst Hand an, um das Feuerwehrhaus zum Dorfgemeinschaftshaus umzugestalten. Unterstützung dafür gibt es vom Amt für ländliche Entwicklung.

Eigeninitiativen sind Gold wert

Solche Eigeninitiativen sind aus Sicht des Bürgermeisters Gold wert. Dazu zählt er auch das Engagement des Schwimmbadvereins in Kraisdorf, dessen Jubiläum coronabedingt ins Wasser fallen musste. Den gemeindlichen Zuschuss zu diesem Alleinstellungsmerkmal - das einzige privat betriebene öffentliche Freibad weit und breit - werde es auch in Zukunft geben, verspricht der 50-jährige. Er jedenfalls stehe voll dahinter und er erwarte ein einstimmiges Ergebnis im Gemeinderat.

Mit Unterstützung der "Baunach-Allianz" gelinge es gerade, die Spielplätze in Rabelsdorf und Junkersdorf mit neuen Spielgeräten auszustatten. Allgemein aber sei dieser Gemeindezusammenschluss längst noch nicht so weit wie die Hofheimer Allianz. Deren Chef, Bürgermeister Wolfgang Borst, lege beneidenswertes Geschick bei Zuschussverhandlungen an den Tag. "Wenn es irgendwo Fördertöpfe gibt und du steht in einer Warteschlange und vor dir geht eine Tür auf und Wolfgang Borst kommt raus, dann weißt du: Die Töpfe sind leer." Oppelt schildert dies ohne Neid, eher voller Anerkennung für das Wissen der älteren Kollegen. Einer wie Borst unterstütze auch die neuen Bürgermeister mit wertvollen Tipps. "Die Alten wissen halt, wie die Suppe ausgelöffelt wird", sagt er, "wir suchen grade noch den Löffel".