Seit 26 Jahren sind die ehemals getrennten Teile Deutschlands wieder zusammengeführt. "Deshalb sind wir heute, am 3. Oktober, zusammengekommen und feiern diesen ganz besonderen Anlass", sagte Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) am "Tag der Deutschen Einheit" im Hartlebsaal in Maroldsweisch. Gemeinsam wurde dort mit der benachbarten Gemeinde Hellingen (Thüringen) der Wiedervereinigung gedacht. Auch Susanne Kastner (SPD), die frühere Bundestagsvizepräsidentin, und Altlandrat Walter Keller (CSU) waren unter den Gästen.


Ein Zeitzeuge

Einer, der beide Seiten kennt, Ost und West, der als Soldat der ehemaligen DDR die Grenzschließung mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 und den Mauerfall am 9. November 1989 miterlebt hat, ist der 73-jährige Rudolf Otte aus Hellingen in Thüringen. "Am 13.
August 1961 war ich als Grenzsoldat in Behrungen bei Römhild im Dienst", erzählte er. Als die Ablösung kommen sollte, habe ich erfahren, dass wir länger Dienst hätten. Weiteres würden wir noch erfahren." Schließlich sei durchgesickert, dass in Berlin "Grenzschutzmaßnahmen" durchgeführt würden. Der "eisernen Vorhang" zwischen Ost und West begann sich zu schließen. Seine Antwort auf die Frage, was er damals gedacht habe, verwundert zunächst: "Ich dachte mir, dass es damit endlich Zeit wurde", sagte Otte, der zuletzt Hauptfeldwebel war. Das sei für ihn "normal und nichts Besonderes" gewesen, sagt der 73-Jährige. Zur Erklärung ergänzt er, dass er so erzogen wurde und es immer hieß, dass man sich gegen den Klassenfeind schützen müsse.


Im Westen gelandet

Als die Mauer dann 28 Jahre später fiel, sei das für ihn eine große Enttäuschung gewesen. "Enttäuscht deshalb, weil mir dann bewusst wurde, dass wir über viele Jahre von unserem Staat belogen wurden." Ein bewegender Moment sei das damals gewesen, wie sich die Menschen in den Armen lagen, erinnert sich der 73-Jährige. Dankbar sei er noch heute, dass er bei der Baufirma Ottomar Welz in Maroldsweisach für zehn Jahre eine Arbeit als Maurer gefunden habe. Feiern zum "Tag der Deutschen Einheit" hält er für richtig, um immer wieder an die Zeit der Teilung zu erinnern.


Friedlicher Umsturz

Erinnert haben an die Teilung und die Wiedervereingung Deutschlands Bürgermeister Wolfram Thein aus Maroldsweisach und Christoper Other (CDU) aus Hellingen sowie bei einer Andacht, die Pfarrer Martin Popp-Posekardt aus Maroldsweisach, Pfarrer Friedrich Bodo Bergh aus Hellingen und Pater Michael Stutzig aus Pfaffendorf für die katholische Gemeinde. Pfarrer Popp-Posekardt ging in seiner Predigt auf die Gottesdienste in der Nikolaikirche in Dresden und die Montagsdemonstrationen ein, wobei er hervorhob, dass diese friedlich verlaufen sind.

"Wir halten an unserer guten Tradition fest. Das ist gut und richtig. Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Wahlen - das und vieles mehr sind erreicht worden. Es gibt keinen Zaun, keine Mauer, keine Sperrgebiete, keinen Zwangsumtausch, kein Spitzelturm, keinen kalten Krieg mehr", sagte Wolfram Thein. Der Ruf "Wir sind das Volk" klinge noch manchmal in den Ohren. Aus einer friedlichen Revolution und mit Selbstbewusstsein sei vor 26 Jahren ein freies, vereintes, demokratisches Deutschland entstanden.


Noch einiges zu tun

Die Errungenschaften der Einheit seien sichtbar, wenngleich es immer noch einiges zu tun gäbe. "Die Vergangenheit, mehr als zwei Jahrzehnte, haben gezeigt, zu welcher beispiellosen gelebten Solidarität wir Deutsche fähig sind. Gehen wir weiter gemeinsam diesen Weg", so Bürgermeister Thein.

Die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner, bezeichnet die Wiedervereinigung als einen Glücksfall in der deutschen Geschichte. "Ich finde es richtig, durch entsprechende Veranstaltungen wie die heutige daran zu erinnern." Viel zu schnell werde ihrer Meinung nach vergessen, welches Leid die Trennung über viele Menschen gebracht hat.

Bürgermeister Christopher Other aus Hellingen sagte: "26 Jahre Wiedervereinigung und auch bald 27 Jahre Grenzöffnung zwischen Maroldsweisach und Hellingen sind eine große Erfolgsgeschichte. Allen Krisen, Konflikten und politischen Veränderungen zum Trotz behält dieses Bündnis unserer zwei Nachbargemeinden einen `Zauber des Anfangs`, wie Hermann Hesse ihn einst in seinem Gedicht `Stufen` so wortstark proklamierte", sagte Other. Der "Zauber des Anfangs der Stunde null", als im Herbst 1989 erst in Leipzig und Plauen und dann in vielen weiteren Städten der DDR die Menschen auf die Straße gingen und ihre eigene Geschichte von Freiheit schrieben, sei in den Gemeinden Maroldsweisach und Hellingen noch gegenwärtig.


Freundschaft

"Wir haben es geschafft, in bester, weil in freundschaftlicher Verbundenheit, zusammenzuarbeiten, zusammenzuwirken und zusammenzuleben. Wir haben es geschafft, aus den Glücksmomenten der friedlichen Revolution heraus, den Alltag gemeinsam positiv zu gestalten und den Feiertag zu feiern. Auf unsere Freundschaft möchte ich nicht verzichten", so der Bürgermeister aus Hellingen.
"Der Weg nach 2016 war weit, beschwerlich und die Strecke hierhin, wo wir nun alle sind, war steinig. Ich bin stolz auf unser Zusammenwachsen, auf unser Erreichtes und blicke zuversichtlich in die Zukunft unserer Freundschaft", schloss der Hellinger Bürgermeister. Musikalisch umrahmte die "Riether Blasmusik" unter Leitung von Gerd Rohrmann die Feierstunde.