Burgdämonen rufen per Internet-Video zum Sturm auf Gipfel und Ruinen auf. Die Sehenswürdigkeiten des Deutschen Burgenwinkels lockten im Vorjahr 5300 Besucher ins Zentrum, der alten Schule am Eingang neben der Altensteiner Ruine.

Diese Zahl erhöhen möchten der neue Vorsitzende des Zweckverbandes, Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein (SPD), dessen Vorgänger und jetziger Stellvertreter Jürgen Hennemann (SPD) aus Ebern sowie Geschäftsführerin Inga Masemann. Doch neben der verstärkten Außenwirkung waren sie in den letzten Wochen auch mit der inneren Struktur beschäftigt und stellten dabei fest: Der Teufel steckt im Detail und bei den gastronomischen Angeboten tut sich ein Teufelskreis auf.

Altenstein bliebt Zentrale
Somit haben sich die Pläne, die Burgenwinkel-Geschäftsstelle ins Schumacherhaus nach Ebern zu verlagern, um dort ein lokales Fremdenverkehrs-Zentrum zu etablieren, zerschlagen. Darum hatten die früheren Bürgermeister Robert Herrmann (CSU, Ebern) und Wilhelm Schneider (CSU, Maroldsweisach) vor Jahren noch förmlich gerungen.

"Es sind schon ein paar Akten hin und her gewandert", plauderte Hennemann über Versuche, der Satzung gerecht zu werden. Dabei habe sich gezeigt, dass für die Abrechnungen, die für das Leader-Zuschussprogramm notwendig sind, die unterschiedlichen Programme der beiden Verwaltungen "nicht einfach umswitchen lassen". Hennemann: "Wir hätten das in Ebern alles neu eingeben müssen."

Deshalb sei die Entscheidung gefallen, die Geschäftsstelle in Maroldsweisach zu belassen, wo die Abläufe bekannt sind, wobei Geschäftsführerin Inga Masemann während der Sommermonate hauptsächlich im Burgeninformationszentrum in Altenstein sitzen wird, wie Wolfram Thein unterstrich.

Daher sei es auch vernünftig gewesen, dass der Vorsitzende wieder aus Maroldsweisach kommt, was die Zweckverbandsversammlung einstimmig so bestimmte. Hennemann: "Ich klebe nicht dran. Wir müssen nicht alles nach Ebern bringen, weil wir auch so gut zusammenarbeiten und technische Probleme umgehen."

Deshalb bleiben Geschäftsstelle und Vorsitz "dort, wo es sinnvoll ist", so Hennemann, und wo auch so manche Besuchergruppe mal den Kopf reinsteckt, wie Inga Masemann beobachtet hat.

Wanderungen und Führungen
"Wie oft das passiert, hat mich selbst überrascht", erzählt das "Burgfräulein", das seit dieser Saison auch regelmäßig am ersten Sonntag eines Monats ab 14.30 Uhr öffentliche Führungen anbietet.

Neu ins Programm aufgenommen werden noch geführte Wanderungen zu den Außenstationen. Jeden Monat ein anderes Ziel. "Viele Leute haben sich danach schon erkundigt", weiß Masemann aus einer Kunden-Befragung.

Und noch ein Ansinnen treibt Besucher um: "Wo gibt's was zu essen und trinken?" Ein wunder Punkt, wie Thein und Hennemann eingestehen. "Wanderer nehmen schon andere Touren, weil es keine Gasthäuser gibt. Die Wirte öffnen nicht, weil keine Wanderer kommen", beschreiben sie einen Teufelskreis.

"Hier im Burgeninformations-Zentrum gibt's Getränke und bei angemeldeten Gruppen sorgt der Burgen- und Heimatverein für Kaffee und Kuchen. Um die "Grundversorgung" weiter zu sichern, werde an Wandererstationen derzeit die Aufstellung von Wurstomaten nach dem Vorbild eines Eberner Metzgers geprüft, schaut Jürgen Hennemann voraus.

Und Wolfram Thein blickt zurück: "Ich hatte mir die Wiederbelebung der Gastronomie in Altenstein vom ersten Tag im Bürgermeisteramt an auf die Fahnen geschrieben. Als Gemeinde können wir aber nur etwas im U-Boot (Schwimmbadgaststätte, die Red) anschieben".

Bummeln durch Luftkurort
Dazu werde aktuell eine Machbarkeitsstudie erstellt, wie der Kiosk am Freibad und dessen Parkplätze mit dem Burgeninformations-Zentrum kombiniert werden können. Gedacht sei an zwei Touren durch den Luftkurort mit entsprechenden Hinweistafeln zwischen beiden Ausflugszielen, die sich durchaus gegenseitig befruchten könnten.

Von den einstmals florierenden Gasthäusern, als zwischen Altenstein und Berlin noch wöchentlich Pendelbusse mit Urlaubern verkehrten, sei nicht mehr viel übrig: "Eines macht erst am Abend auf, eines steht zum Verkauf und ist in einem schlechten Zustand, beim anderen bräuchte man nur den Schlüssel umzudrehen, und könnte weitermachen. Aber der Eigentümer ist nicht mehr greifbar, weswegen nur die Hoffnung auf eine Versteigerung bleibt", so Thein.

Biergarten kann genutzt werden
Ein Hoffnungsschimmer: Seitens des Burgenwinkels kann ein vorhandener Biergarten, der auf einem Gelände entstanden ist, das dem Landkreis gehört, genutzt werden. "Für Kindergeburtstage und so", plant Inga Masemann, die für den 31. Mai einen Aktionstag ankündigt, an dem das "Mittelalter erlebbar" wird und auch die neue Grabungsstelle für Kinder, wo nach Relikten aus der Vorzeit gebuddelt werden darf, in Betrieb genommen wird.
Für September steht ein Lichterabend auf dem Programm.

Weiterentwickelt werden die Pauschalangebote in Zusammenarbeit mit Übernachtungsbetrieben. "Solche Paketlösungen funktionieren schon bestens mit dem Rügheimer Landhotel oder einem Haus in Dörflis", weiß die Geschäftsführerin aus Erfahrung. Weitergehende Überlegungen wurden jüngst bei einem VHS-Seminar für Gastwirte vertieft.

Womit der Themenbereich Vernetzung angesprochen ward. "Da haben wir noch viele Pläne und Möglichkeiten", wunschdenken Thein und Hennemann unisono. Zum Beispiel die Kooperation mit dem Deutschen Burgenmuseum in Heldburg, das 2016 offiziell eröffnet wird.

"Dazu müssen wir aber die Mobilität sicherstellen." Dazu zählen die beiden Bürgermeister die Verknüpfung der Heldburg mit der Veste Coburg und der Ruine Altenstein. Oder eine Freizeitbuslinie vom Bahnhaltepunkt in Ebern über Altenstein/Maroldsweisach bis nach Bad Rodach, das ebenfalls von der Bahngesellschaft Agilis angefahren wird. "Deswegen stehen wir mit dem VGN und Agilis in Verhandlungen. Klar ist, dass das schwierige Verhandlungen werden, da über Landkreise, Bezirke und sogar Bundesländer hinweg Einigungen erzielt werden müssen."