Großer Bahnhof in und vor dem kleinen Haus in der Eberner Kapellenstraße. Regelrecht überschwemmt wurde die "Lese-Insel" am Dienstag zur Mittagszeit. Sogar das Bayerische Fernsehen war mittendrin.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte die Buchhandlung von Ursula Gräbe wegen ihres Engagements, Kinder zum Lesen zu "(ver-)führen", für die diesjährige Verleihung des Gütesiegels "Leseforum Bayern - Partner der Schule" auserkoren. Mit dabei auch Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU) aus dem Kultusministerium in München.

Mit dem Lesen hat sie's, aber dann fehlten ihr doch die Worte: Ulla Gräbe war überwältigt. Von der Auszeichnung, die ihrem Team verliehen wurde, und von den Laudatoren, die solche Lobeshymnen auf dieses Team anstimmten. Der Vertreter der Staatsregierung und der des Buchhandels erlebten leibhaftig, was es heißt, "500 Kinder am Welttag des Buchs durch den kleinen Laden zu schleusen", worüber der Geschäftsführer des Börsenvereins, Dr. Klaus Beckschulte, spürbar staunte. "Das ist mehr als ein kaufmännischer Ansatz." Dazu gesellte sich das Lob eines Stammgastes: "Hier geht es immer eng zu, deswegen ist es so schnuckelig."

Diesmal war das Gedränge aber besonders groß. Noch größer indes war die gut sortierte Auswahl und das Lob Beckschultes für das Engagement Gräbes, um Kindern die Grundkompetenz Lesen näher zu bringen. "Sie motivieren kleine Kinder, ein Buch in die Hand zu nehmen, und unterstützen dabei die Lehrer in ihrer Arbeit."


Wiege des Kopf-Kinos

Danach prägte der bayerische Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels einen Satz, den alle weiteren Redner aufgriffen: "Durch das Lesen entstehen Bilder im Kopf, an die kein Kino, kein Fernseher und kein Computer heranreichen." Das Bücherei-Team haben dazu ein Netzwerk mit Schulen und Kindergärten aufgebaut und den Nachwuchs in die virtuelle Lese-Insel geholt. "Ich bin froh, wenn wir solche Exemplare, wie Sie ehren können", sagte Beckschulte zu Ursula Gräbe.

Über die Unterstützung bei der Leseförderung durch den Buchhandel, der Ebern stellvertretend für 151 weitere Geschäfte auszeichnete, freute sich Bildungsstaatssekretär Eisenreich, weil dies zu den "Kernaufgaben unserer Schulen" zähle. Lesen lernen sei wichtig und zu Beginn "richtig harte Arbeit".

Durch diese Fähigkeit stellten sich nicht nur Erfolge in der Schule ein. "Wer lesen kann, schafft die Teilhabe an Geschichten, am Leben und wird kreativer." Und dies gelte nicht nur für Buchhandlungen in großen Städten, sondern auch für so "tolle Buchhandlungen in der Region wie hier in Ebern", wo qualitativ hochwertige Arbeit geleistet werde - durch Lese-Abende, Fahrten zu Buchmessen, Bücher-Ausstellungen, Lese-Tüten für Abc-Schützen, Lese-Koffer für Klassen und Autoren-Lesungen an Schulen. Eisenreich: "Das großen Spektrum zeigt, dass es Ihnen eine Herzensangelegenheit ist."

"Wunderbar" fand Landrat Wilhelm Schneider (CSU) das Netzwerk, das Ulla Gräbe aufgebaut habe, um Kindern das Lesen näher zu bringen.

Und Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) bezeichnete die Buchhandlung als "Aktivposten in unserer Schulstadt", der so weit ausstrahlt, dass die Preisverleihung sogar ihre Erwähnung in der Süddeutschen Zeitung gefunden habe. "Das haben Ebern und besonders Ulla Gräbe verdient."