Die Realschule als Plattenbau mit Graffiti? Da hatte Meister Sido wohl noch Bilder aus Berlin im Kopf, als er zur Stipvisite nach Ebern kam. Das Pausenhof-Konzert wurde zu einer Dreifach-Lehrstunde: wie man als Lümmel gelten und trotzdem brav sein, wie man die Pause verlängern und dabei was lernen und wie man mit dem guten alten Radio heute noch die Massen mobilisieren kann.

Der Radiosender Antenne Bayern hatte das Kurz-Gastspiel möglich gemacht: In der Online-Abstimmung für das Pausenhof-Konzert mit Sido lieferten sich die Eberner Realschule und das Kronacher Frankenwald-Gymnasium ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Ebern mit einer Handvoll Stimmen für sich entschied.


Über 30.000 Stimmen
"Schier unglaublich, dass es in so einer kleinen Stadt möglich war, so viele Leute zu mobilisieren", sagt Cornelia Klotz von Antenne Bayern.
Am Ende waren es über 30.000 Klicks für Ebern, der Wettstreit, der in Internet-Foren teils deftige Züge angenommen hatte, war entschieden.

Die Philosophie der Pausenhof-Aktion lässt allerdings keinen Massenansturm zu: Es soll ein Fest nur für die Schüler sein, und zwar eben genau eine Pause lang. Eine pfiffige Idee, die das gute alte Dampfradio mit dem Worldwideweb verknüpft und den Berliner Sido mit der fränkischen Bratwurst. Wetten, dass man so auch noch so angestaubte Fernsehshows retten könnte?



Schüler und Lehrer waren jedenfalls gleichermaßen angetan von der "besten Pause aller Zeiten" (Sido) in Ebern. Zum Rap-Star kommen durften alle Kids, die der Realschule zum Sieg verholfen hatten, und das waren gut 1500, die auf dem zum Pausenhof und Festivalgelände umfunktionierten Großparkplatz an der Stadtmauer eine bemerkenswerte Sido-Show erlebten.

"Hallooohoho". Ganz und gar schulmäßig begrüßte der 33-jährige Berliner seine jungen Gäste und - vielleicht - Fans von morgen. "Mir ist schon klar, dass ich keine Musik für Acht- und Neunjährige mache", sagte der Rapper im Kurz-Interview nach dem Kurz-Konzert.

Trotzdem: Der Großstadt-Poet sucht und findet den Draht zum Publikum, auch wenn er sich in Ebern weniger als ein Star zum Anfassen gab und mehr mit dem Beat punktete als mit seinen derb-komplexen Texten.
Sch...egal: Nach 30 Minuten, die zugleich erstaunlich lang wie kurzweilig waren, animierte Paul Hartmut Würdig, wie der vor einem Jahr zum zweiten Mal Vater gewordene Sido bürgerlich heißt, Lehrer und Schüler zum musikalischen Wettstreit. Auch da gab es einen klaren Sieger.


Pädagogischer Beistand
Die Lehrer tröstete der Rapper mit ein wenig pädagogischem Beistand, als er die Kinder zurück in den Unterricht schickte: Die Schule ist klasse, und "Mathe ist besser als Hartz IV". Einer muss das ja machen. Rüpel-Rap? Das war einmal. Wenn irgendwo einer auf den Papa wartet, wird ein Berliner Lümmel brav. Man darf gespannt sein, ob Sido bei seinem Gastspiel in Bamberg nächstes Jahr im Februar eine andere Maske trägt.