Gastwirt Uwe Rädlein vom Traditionsgasthaus Faber-Rädlein in Ibind (Gemeinde Burgpreppach) sieht schwarz für die Gastronomie in der Region. "Sollte der zweite Lockdown wegen der Pandemie überwunden sein, werden wieder etliche Wirtshäuser von der Landkarte verschwunden sein", schätzt er die Situation bei einem Pressegespräch ein.

Für die "abgehängten" Gastbetriebe fühle es sich fast an wie ein Super-Gau, meint er; denn ein Dorfwirt komme sich in diesen Corona-Zeiten mittlerweile so ähnlich vor, "wie es einem nach alter römischer Juristenweisheit auf hoher See oder vor Gericht ergeht: Da ist man allein in Gottes Hand". Dabei ist Uwe Rädlein Gastwirt im Nebenerwerb - tagsüber im Dienst im Straßenbauamt Schweinfurt. Ihm und seiner Frau Andrea liegt aber das Traditionsgasthaus mit seiner Kleinkunstbühne am Herzen. Und sie wollen es unbedingt erhalten - als Kulturgut.

Die Großen und die Kleinen

"Ich meine halt, dass das mit der ewigen Staats-Unterstützerei der sogenannten Großen bei gleichzeitigem Linksliegenlassen der Kleinen wirklich ein Thema ist, das ausgesprochen werden muss", sagt er.

Die Wirtsfamilie, deren fränkisches Gasthaus Faber-Rädlein im Sommer 2018 in München vom Heimatministerium zu einem der "100 besten Heimatwirtshäuser Bayerns" gekürt wurde, durfte im Oktober 2019 das 125. Wirtshausjubiläum mit vielen Freunden , Helfern und Gästen feiern. Als es dann im Frühjahr 2020 zum ersten großen Lockdown kam, wurden der damals laufende Tauben- und Kleintiermarkt und das Wirtshaussingen abrupt beendet. Die Gastronomie musste komplett dichtmachen. Wie gelähmt sei man sich vorgekommen, blickt Uwe Rädlein mit ernster Miene zurück. "Nichts ging mehr."

Erst im Mai sei es wieder zu ersten Lockerungen gekommen, und zumindest mit dem Wiederaufleben des Sonntagsstammtisches konnte das Wirtshaus einen dörflichen Kulturbeitrag leisten. Auf Veranstaltungen im Tunnelsaal auf der Kleinkunstbühne wie Akustik-Rocknacht, Musikantenabend oder die Kracher kurz vor der Adventszeit mit "Frankensima", "Häisdn däistn vom Mee" oder "Spilk" wollte man sich erst gar nicht einlassen. Jedoch die Herausforderung Kirchweih 2020, welche im September anstand, ging die Wirtsfamilie mit Mut und Tatkraft an. Mit einem entsprechend durchdachten Hygienekonzept traute sie sich als eine der wenigen an diese Aufgabe heran. Die Gäste seien der Wirtsfamilie gegenüber sehr dankbar gewesen, sagt Rädlein, dass sie trotz aller Widrigkeiten die Kirchweih abgehalten und gefeiert hätten.

"Nichts geht mehr"

Nachdem es im Oktober 2020 nach dem ersten Wirtshaussingen der neuen Singsaison erneut zum Gastro-Lockdown kam, musste die Wirtsstube wieder zugemacht werden. Erneut hieß es also: "Nichts geht mehr!"

Die Ibinder Wirtsfamilie versucht seit dieser Zeit, mit einigen wirtshauskulinarischen Aktionen ihren Betrieb durch diese Zeiten zu bugsieren. Mit großem Engagement wird Verschiedenes "zum Abholen" zubereitet und angeboten, wie es viele Gasthäuser in der Region tun. Die Dienstleistung "Abgabe von Speisen und Getränken zum Mitnehmen" ist vom Gesetzgeber erlaubt, ja sie ist sogar erwünscht. Denn damit wird versucht, eine, so Uwe Rädlein, kleinvernetzte und dadurch "virusbremsende Versorgung der Bevölkerung" zu gewährleisten.

So wird vom Ibinder Wirtshaus, wie dort in der kalten Jahreszeit üblich, einmal im Monat Kesselfleisch angeboten. Immer am zweiten Samstag des Monats geht's im Schlachthaus hoch her.

Derzeit bietet die Ibinder Wirtshausküche sonntäglichen Mittagstisch an. Bis einschließlich Palmsonntag läuft dieser Service - schließlich ist ja Taubenmarktzeit, schmunzelt der Gastwirt ironisch. Natürlich geht das momentan auch nur per Abholung und gemäß entsprechender Vorbestellung. Ebenso bis zum Palmsonntag brät die Wirtsfamilie im Hof jeden Sonntagnachmittag für Vorbeikommende ihre hausgemachten "Iwinner Rostbratwürscht" zum Mitnehmen.

Ein weiteres Fass neben Corona macht Uwe Rädlein auf: die steigenden Auflagen seitens der Behörden. Dieser "Windmühlenkampf besteht schon seit langem für unsere Gilde, die kleinen Dorfwirtschaften", sagt er. Veterinäramt und Lebensmittelkontrolleur, die horrenden Gebühren für die Gema bei Veranstaltungen - sie scheinen immer mehr und größer zu werden.

Und abschließend holt er aus: "Entweder wir nehmen weiterhin die Herausforderung auf oder wir geben halt dann doch klein bei, geben auf und schließen ganz einfach die Pforten - das wäre dann wohl am einfachsten; denn viele Wirtskollegen sind diesen Weg mittlerweile schon gegangen, wie ja jeder weiß." Nicht vorstellbar für ein 125 Jahre altes Traditionsgasthaus wie das in Ibind .