Flüchtlinge in Rentweinsdorf? Fehlanzeige. "Es gab zwar mal die Anfrage, die Turnhalle zu belegen, aber das hat sich wieder zerschlagen", so Pfarrer Hans Körner. Trotzdem gibt es in der evangelischen Gemeinde einen Gebetskreis, der speziell die Anliegen und Probleme der Asylbewerber und Flüchtlinge in den Mittelpunkt stellt.
Im Herbst letzten Jahres luden die evangelischen Christen die arabisch sprechenden Flüchtlinge aus Ebern zu einem Jesus-Film ein. "Schadet ja nichts, wenn sie unsere Position des Glaubens kennenlernen", meinte Körner. Und am vergangenen Samstag trafen sich mehr als 50 Männer und Frauen, um bei einem "Asyltag" noch viel mehr über die Menschen und ihre Integration zu erfahren.

Warum das alles, wenn doch keine Flüchtlinge vor Ort sind? "Mit den Medien bekommen wir die Nachrichten in das Wohnzimmer geliefert", antwortete Körner. Jeder weiß, was da los ist.
All diese Aktivitäten dienen der "Horizonterweiterung. Wir dürfen nicht nur schimpfen, wie am Stammtisch. Sondern lernen, darin auch die Menschen zu sehen."

Und das sollte seiner Meinung nicht nur Ziel derer sein, die sich sowieso schon einem Asylhelferkreis angeschlossen haben und aktiv helfen, sondern der ganzen Kirchengemeinde.


Gute Ratschläge

Mit dem Theologen und Evangelisten Stefan Lepp aus Weingarten referierte zu dem Thema "Flüchtlinge in Deutschland - und ich/wir?" am Samstag in Rentweinsdorf einer, der sich auskennt. Als gelernter Konditor absolvierte er während seinem Wehrdienst eine Ausbildung zum Sanitäter und Fallschirmspringer. Seither ist er mit einer Hilfsorganisation aus Kaufbeuren immer wieder international im Einsatz. Er war im Kosovo-Krieg, im Bürgerkrieg in Kenia - in mittlerweile 36 Ländern hat er die äußerlichen und innerlichen Verletzungen von Menschen, verursacht nicht nur durch Krieg und Armut, gesehen. In Rentweinsdorf sprach er in den letzten Jahren bereits zu verschiedenen Themen. "Es ist einfach schön, ihm zuzuhören", schwärmte Ulrike Weber, die sich schon einige Monate in Ebern um die Flüchtlinge kümmern.

Zusammen mit den Männern und Frauen aus der evangelischen Gemeinde Rentweinsdorf packte Stefan Lepp die Flüchtlingsthematik ganz praktisch an. "Ladet zum Essen ein, aber nehmt auch Einladungen zum Essen an", war seine Botschaft, "das ist sehr wichtig für den Selbstwert der Menschen. Gastfreundschaft spielt in deren Kulturen eine viel größere Rolle. Und wenn ihr dann eine Einladung habt, dann esst davor nichts. Sonst habt ihr nämlich ein Problem." Die Vielfalt der Küchen, die die Flüchtlinge mitbringen, ist kaum in Worte zu fassen. Und: "Nennt die Flüchtlinge beim Namen. Sie sind keine Nummer, sondern Menschen. So könnt ihr Beziehungen aufbauen. Und durch Beziehung entsteht Integration."


Eine Verpflichtung

Letztere übrigens sieht Stefan Lepp als eine Verpflichtung, die bei den Menschen liegt, die nach Deutschland kommen. "Diese Verpflichtung dürfen wir ihnen nicht abnehmen. Denn sonst entsteht Ghettoisierung. Die Integration ist elementar für den Fortgang unserer Gesellschaft", betonte Stefan Lepp.


Über Generationen

Und wie schnell funktioniert das mit der Integration? "Wir gehen das manchmal sehr blauäugig an. Das geht nicht innerhalb von ein paar Jahren. Die wahre Integration findet erst in der dritten Generation statt", weiß er aus seinen Erfahrungen, die er auch in Toronto bei seiner Mitarbeit in einem christlichen Flüchtlingsaufnahmelager machen konnte.

Es wäre ein recht normaler Informationsnachmittag in Rentweinsdorf gewesen, wenn Stefan Lepp nicht immer wieder Bezüge zum christlichen Glauben bei den verschiedenen Thematiken hergestellt hätte. Genau darin lag der Mehrwert. Zu zeigen, was das mit den Flüchtlingen eigentlich mit uns und unserem Leben zu tun hat.
"Die Bibel ist voller Flüchtlingsgeschichten. Sie ist das Flüchtlingsbuch schlechthin. Bis dahin, dass Gott selbst Asyl beantragt hat an Weihnachten und es nicht bekommen hat", zeigte der Theologe auf.
Was Gott zur Integration sagt? "Wir sollen den Fremden lieben wie uns selbst und ihn nicht als Fremdling behandeln. Wir sollen ihn in unser Haus, also in unser Leben, aufnehmen", so Lepp.
Denn eines schaffen die Politiker, die zwar dem Flüchtlingsansturm mehr oder weniger sachlich, finanziell und logistisch - nämlich auf die typische deutsche Art und Weise - gerecht werden, nicht: "Beziehungen von Herz zu Herz zu den Menschen aufzubauen. Das schafft Integration", ermutigte Stefan Lepp die Männer und Frauen im evangelischen Gemeindehaus in Rentweinsdorf.