Der Jugendtreff der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im ehemaligen Hausmeisterhaus an der Mittelschule bleibt als wichtige Anlaufstation für die Jugend in Ebern und Umgebung unersetzlich, sagt Manfred Jung, der Leiter des Hauses. Er biete ihnen "freien Auszeitraum ohne Eltern, Lehrer und Lehrherrn". Hier könnten sie soziale Kontakte aufbauen und pflegen. Junge Leute benötigten solche Angebote zum Erlernen sozialen Verhaltens, zum Aufbau von Beziehungen sowie zum Austausch von Meinungen, von Erlebtem und von Erfahrungen. Das gilt laut Jung grundsätzlich, auch wenn Corona vieles erschwert. Aktuell lassen die Pandemie-Vorschriften keinen Betrieb im Treff zu.

Unkomplizierte Regelungen

In der Regel aber steht der Treff, der Jugend jeden Nachmittag und Abend offen, außer sonntags. An den Wochenenden und in den Sommermonaten gelten verlängerte Öffnungszeiten, und bei Bedarf kann auch mal früher aufgesperrt oder später geschlossen werden. Die Absprachen funktionieren den Angaben zufolge unkompliziert via Telefon oder Whatsapp.

Der Treff, für viele auch nach mehreren Umzügen noch immer das "Obendrin", erreicht laut Jungs Statistik die 13- bis 17-Jährigen, hauptsächlich Schüler, vorwiegend aus Mittel- und Realschule. Seltener sind Azubis oder Ausgelernte zu Gast. Die meisten Besucher kommen aus Ebern und Umgebung; das Einzugsgebiet reicht aber bis hinauf ins Maroldsweisacher Gemeindegebiet, ist also "durchaus beachtlich", findet Jung. Seine jahrelangen Helfer Timo Hohnhausen, Johannes Freibott und Lukas Meister sind ausgeschieden; neu ins Team rückten Ann Kathrin Liebender, Leon Klostermann und Julia Hülbig, "so dass wir wieder zu viert den Laden schmeißen können".

Covid 19 macht's schwierig

Das Corona-Jahr traf auch den Jugendtreff. Für mehrere Wochen im Frühjahr und neuerlich seit November galt und gilt: komplett geschlossen. In den Sommermonaten war ein Hygieneplan einzuhalten, mit Anmeldung, Maskenpflicht und beschränkter Besucherzahl. Das verhinderte die sonst übliche Spontaneität für Besuche und Verabredungen im Jugendzentrum. So blieb der Besuch hinter den Zahlen aus der Vor-Corona-Zeit zurück. Hatten im Winter zuvor an Wochenenden bis zu 50 Mädchen und Jungs den Treff besucht, so kamen in den letzten Öffnungsmonaten maximal 17 Leute pro Tag vorbei.

Entsprechend ausgedünnt waren die Aktivitäten, über die Jung Bericht erstatten kann. Immerhin fand sich die Zeit, einige Wände neu zu weißeln und den maroden PVC-Bodenbelag im großen Kellerraum in Handarbeit zu entfernen. Inzwischen haben Bauhofmitarbeiter dort Fließestrich aufgebracht. Hier soll demnächst ein neuer Bodenbelag verlegt werden.

Jugend gestaltet die Räume selbst

Der große Kellerraum wurde von den Jugendlichen mit Playstation, Beamer und Großleinwand für Youtube-Projektionen, Sofas, Matratzen und Kissen ausstaffiert - vor allem von den Jungs gern genutzt. Diese "Männerhöhle", so Jung, musste wegen der Abstandsregeln aufgegeben werden. Der Kickerraum dagegen stand bis zuletzt zur Verfügung. Einen weiteren Raum nutzt man für Hausaufgaben und zum Lernen.

Das Handy im Fokus

Beliebt seien Kartenspiele, berichtet der Jugendtreffleiter, aber auch beim "Mensch ärgere dich" entwickelten die jungen Leute "Leidenschaft, enormen körperlichen Einsatz und höchstes Gaudium". Eher ein Schattendasein fristet der Satellitenfernseher. TV sei den Kids zu langweilig. Sie konzentrieren sich aufs Handy und den Austausch in sozialen Netzwerken.

Er und seine Mitarbeiter, versichert Jung, hielten Augen und Ohren offen, ob Mobbing vorkommt, fragwürdige Liedtexte und "sonstiger Schrott" angesehen oder verbreitet werden. Kritische Fälle würden freundlich aber bestimmt durchdiskutiert und in die richtigen Bahnen gelenkt. Die Betreuer seien angehalten, sich selbst offenzuhalten für gute Laune und ein Ohr zu haben für die Sorgen und Fragen der Jugendlichen.

Laut geht's zu

Zum Alltag im Treff gehört Musik, sehr laute Musik, Jung zufolge ein Mix aus Volks- und Blasmusik, 60er-Jahre-Schlager und aktuellem Rap-Sprechgesang. "Da ist es sehr vorteilhaft dass das Jugendzentrum allein und weit weg von anderer Bebauung steht", sagt er.

Alkoholische Getränke, noch im vorigen Jahr ein heikles Thema, seien im Treff verpönt. Zu kaufen gibt es Limo, Wasser, Schorle und Eistee. Der Gewinn werde dafür verwendet, dass sich die Kinder selbst kostenfrei eine Brotzeit machen können. "Es gibt Kinder in Ebern", sagt Jung;, "für die ausreichendes Essen nicht selbstverständlich zu sein scheint".

Jugendsozialarbeit in unmittelbarer Nähe

Als großes Plus wertet der Awo-Angestellte, dass die Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) im selben Haus untergebracht ist. JAS-Mitarbeiterin Heike Czehmann sei den meisten Jugendlichen bekannt und Schwellenängste weitgehend abgebaut.