Diese These untermauerte Hans Josef Fell am Montag im Umweltbildungszentrum (Ubiz) in Oberschleichach, wo er sein neues Buch mit dem Titel "Globale Abkühlung" vorstellte.

Fell war als Grünen-Bundestagsabgeordneter Autor des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und ist heute Präsident der Energy Watch Group. Günther Lieberth, der als Energieberater Fell zur Lesung ins Ubiz eingeladen hatte, bezeichnete Fell (Hammelburg) als Politiker mit Vorbildcharakter. Sein Beispiel habe Lieberth selbst dazu gebracht, die Elektromobilität zu entdecken.

Hans-Josef Fell stellte in seinem Vortrag fest, dass es utopisch sei, bei Weltklimakonferenzen eine weltweite Übereinkunft zugunsten erneuerbarer Energien und null Kohlendioxid -Emissionen anzustreben. Die Förderländer fossiler Energieträger würden das nie unterschreiben.
Die Energiewende sei anders zu schaffen: durch gute Beispiele einzelner Staaten, die zeigen, dass die Wende nicht nur finanzierbar ist, sondern auf Dauer klare finanzielle Vorteile bringt. Steigende Rohöl- und Gaspreise ruinierten reihenweise Staatshaushalte, sagte Fell. Der Umstieg auf erneuerbare Energien bedeute dagegen eine neue Unabhängigkeit.

Fell zeigte auf, mit welchen Strategien Sonne, Wind und Biomasse weltweit den Energiebedarf decken können. Dazu komme eine rasante Entwicklung bei den Speichermöglichkeiten, und sehr vernachlässigt würden bisher noch die Möglichkeiten der Energieeinsparung und Effizienzsteigerung.

Die derzeitige Entwicklung in Deutschland zeige, dass es funktioniert, obwohl noch vor zehn Jahren das Gegenteil behauptet wurde. Ohne Gegensteuern der Bundesregierung, wie es jetzt erfolge, führe die laufende Entwicklung auf 100 Prozent "Erneuerbare" schon im Jahre 2030 hinaus. Diese Dynamik komme nicht von den Energiekonzernen, sondern von Privatleuten, Mittelständlern, Stadtwerken und Energiegenossenschaften.

Fell kritisierte, dass das EEG an den falschen Stellen novelliert würde. Die entscheidenden Fehler aus der letzten Novellierung würden zwar kritisiert, aber nicht ausgebessert, sondern an den falschen Stellschrauben gedreht.
Fell rechnete vor, dass der weltweite Umstieg auf erneuerbare Energien im Laufe von 20 Jahren zwar 100 000 Milliarden Dollar koste, im gleichen Zeitraum werde aber das doppelte Geld für fossile Brennstoffe ausgegeben, die durch den Umbau ja immer weniger und dann gar nicht mehr benötigt würden.

"Es wird immer behauptet, die Energiewende sei teuer. Allein Hurrican Sandy im Herbst 2013 hat einen Schaden von 100 Milliarden Dollar angerichtet. Der Klimawandel ist teurer".

Auch die Frage zwischen "Tank und Teller" bei der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen stellte sich nicht, denn es gebe bewährte landwirtschaftliche Verfahren, auch bisherige Brachflächen und sogar Wüsten zu begrünen und dort Biomasse zu gewinnen. Hunger und Armut auf der Welt seien am effektivsten durch bezahlbare Energie zu bekämpfen und durch die gerechte Verteilung der Lebensmittel, meint Fell.

Eine wesentliche Rolle weist Fell der Finanzwirtschaft zu. Was verantwortungsbewusste Banken ermöglichen können, das zeigten die Mikrokredite in Bangladesh oder Indien. "Rendite muss es da geben, wo sozial und umweltschützend gehandelt wird", erklärte der Experte.