Die Gewürze aus dem eigenen Garten, den frischen Fisch schnell beim Nachbarn geangelt? Woher kommen Fleisch und Geflügel? "Natürlich von hier", lautet die doppeldeutige und pfiffige Antwort von Jürgen Stahl aus Ebern. Er ist Restaurant- und Hotelchef der Frankenstuben gleich am südlichen Stadteingang und Vorsitzender einer Interessensgemeinschaft von Gastronomen und Direktvermarktern aus dem gesamten Landkreis Haßberge, die sich einen Anspruch aufs Logo und die Fahnen geschrieben haben: "Bei uns kommen heimische Produkte auf den Tisch."

Mindestens drei Gerichte stehen auf der Karte der 15 Gastronomen, die sich über die Haßberge, den Steigerwald und das Maintal verteilen. Identisch die Zahl der Lieferanten, der Direktvermarkter, und deren Verbreitungsgebiet.

Natürlich holt sich Jürgen Stahl seine Fische und Eier nicht beim Nachbarn. Aber weit muss er nicht fahren. Er kennt sozusagen die Forelle, die er zubereitet, und das Huhn, das seine Eier legt, beim Vornamen. "Wir haben ein enges Vertrauensverhältnis, das klappt bestens", schwärmt der Küchen-Chef über seine Lieferanten. Eier und Geflügel bezieht er aus Untermerzbach, Fische aus Salmsdorf, den Wein aus Ziegelanger, Spirituosen vom Weiki-Hof und Spargel aus Steinsfeld.

Enge Lieferanten-Beziehung

"Da sind auch kurzfristige Bestellungen möglich", versichert Stahl, auch am Wochenende. So kommen für seine Fischgerichte nur Tiere auf den Tisch, die vorher frisch zubereitet wurden - dank des nahen Fischzüchters und des eigenen Bassins. Viele Gewürze holt er sowieso aus dem eigenen Garten: Bärlauch, Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Maggiekraut, um einige zu nennen. "Das kommt bei der Kundschaft gut an."

Seit 13 Jahren blüht und gedeiht das Geschäft mit dem Anspruch und Slogan, das "Beste aus der Region" aufzutischen. 2001 erfolgte die Gründung aus einer Gemeinschaftsinitiative des Kreisverbandes des Hotel- und Gaststättenverbandes sowie des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten heraus.

Viele Initiativen

"Seitdem haben wir schon 40 000 Prospekte unters Volk gebracht", bilanziert Jürgen Stahl nicht ohne Stolz. Durch Auftritte bei Freizeitmessen in Nürnberg, Mainfrankenmessen in Würzburg und der Teilnahme an Veranstaltung wie "Köche verzaubern" oder der Kulinea in Knetzgau, dem "Bomben-Renner", wie der Eberner heute noch schwärmt.

Über neue Mitglieder wäre die Interessensgemeinschaft erfreut. "Die Gastwirte müssen halt mindestens drei Gerichte auf die Karte nehmen, deren Hauptbestandteil von einem Direktvermarkter aus der Region stammt, dazu noch zwei Getränke, die extra gekennzeichnet werden. Die Direktvermarkter garantieren, dass es sich um Eigenerzeugnisse ohne Zukäufe handelt."

Um den Gemeinschaftsgeist zu schärfen, finden dazu noch Seminare und Ausflüge statt. "Heuer geht's nach Handthal." Dort werden die Kontakte mit den Tourismusstellen vertieft und wenn einer fragt, woher man komme, lautet die Antwort: Natürlich von hier ...