"Soll ich denn Leute, die 80 bis 100 Kilometer Anreise auf sich genommen haben, einfach wieder heimschicken?" Vor diese Frage eines Frust-Osterausflugs sah sich Stefan Kaiser am frühen Nachmittag des Ostersonntags gestellt. Eben hatte ihm die für den Abend gebuchte Kultband "Revolver" abgesagt, weil Schlagzeug Event Fraterman wegen einer Lungen-Erkrankung plötzlich ins Krankenhaus hatte müssen.

Zum Glück hatte Kaisers Gegenüber am Telefon auch schon eine Lösungsvorschlag parat: Er wusste eine Band, die kurzfristig einspringen würde: "Number Nine". Gitarrist Jürgen Kühnlein aus Zell am Main spielt in beiden Bands und bei ihm laufen auch die Management-Fäden zusammen. Vor einem Jahr schon hatte er beim damaligen Gastspiel von "Revolver" die Neuauflage an Ostern mit Stefan Kaiser vereinbart.

"Wir bereiten uns nicht durch eine spezielle, gemeinsame Probe auf einen Auftritt vor. Unsere gemeinsamen Proben finden unabhängig vom einem Auftritt statt", hatte er in einem Vorab-Interview mit unserer Zeitung erklärt. Und auch Sänger Uwe Gaasch freute sich schon auf den Preppach-Gig, wie er gestand. Aber dann kam die ernsthafte Erkrankung Fratermans dazwischen. Gaasch: "Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten."

Als Kühnlein davon erfuhr, reagierte er schnell. "Number Nine" hatte noch Samstagnacht die Posthalle in Würzburg gerockt und "zwei der Jungs waren schon zurück auf dem Weg nach München", wusste Stefan Kaiser, als sie Kühnleins Anfrage und Rückruf ereilte. "Und ich musste mich binnen einer Minute entscheiden", beschrieb Kaiser die Lage.


Individuelle Technik

Die Beschallungstechnik war ohnedies über eine externe Firma geordert, den Rest haben die Musiker selbst im Gepäck. "Da jeder sein eigenes und spezielles Equipment backline hat und dies auch immer für seine jeweiligen musikalischen Aktivitäten benötigt, bringt jeder sein persönliches Equipment zum Auftritt mit. Das heißt also ... Backline bringen wir, sprich jeder einzelne Musiker mit, Licht & P.A.-Anlage werden in der Regel zu jedem Auftritt angemietet, wie auch die dazu benötigte Technik-Crew für Auf-Abbau", lässt sich Kühnlein in die Karten schauen.

Sein Outfit verändert er indes schon. Und so staunte Uwe Gaasch nicht schlecht über Kühnleins Cowboyhut, als er den Fans die kurzfristige Umbesetzung erklärte. "Einen adäquateren Ersatz als Number Nine hätte es nicht geben können. Wir hätten gern gespielt, aber ohne unseren Drummer geht es nicht."
Gaasch dankte den Kollegen, die nach dem Gastspiel in Würzburg am Vorabend sicher "lieber auf dem Sofa rumgeflätscht" hätten, nun aber so spontan einspringen.

Von Müdigkeit war bei "Number Nine" aber nichts zu spüren. Energiegeladen halfen sie den Fans über den Schmerz hinweg, wie es Frontmann Martin Reagel formulierte. "Wir werden die Nacht schon rumbringen."
Es gelang, und zwar zur Begeisterung der meisten Fans, obgleich "Number Nine" deutlich härtere Töne anschlägt als "Revolver". Mehr Bauch- denn Kopfmusik. Lediglich im Internet beschwerten sich einige Number-Nine-Fans, dass sie nicht rechtzeitig von dem Zusatzauftritt erfahren hatten.