Im Jahr 1867 wurde er ausgerottet, dann 1996 wieder eingebürgert - und schließlich 2002 siedelte sich der erste im Landkreis Haßberge an. Die Rede ist vom Biber. Die Zeiten, in denen es eine Seltenheit war, eine Biberburg oder einen Biberdamm am Flusslauf zu entdecken, sind längst Geschichte.

Rund 500 Biber leben nach derzeitigem Stand aufgeteilt auf rund 150 Reviere im Landkreis Haßberge, wie Manfred Husslein, Fachreferent für Naturschutz und Landschaftspflege am Landratsamt Haßberge, erklärt. "Damit hat sich die Zahl innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt, und das ist ein starker Anstieg", stellte auch Verwaltungswirtin Ramona Hauck vom Sachgebiet Wasserrecht und Naturschutz im Landratsamt fest. Waren es 2016 noch 70 Reviere, sind sie im Folgejahr auf 81, im Jahr 2018 auf 112 Reviere und 2019 auf 142 Reviere angestiegen, gemäß der Biberkartierung der Regierung von Unterfranken.

Zweite Biberberatungsstelle

Das Bayerische Umweltministerium hat bereits vor über zehn Jahren das bayerische Bibermanagement etabliert, dessen Ziel es ist, schadensbedingte Konflikte möglichst zu verhindern oder zu minimieren und gleichzeitig einen günstigen Erhaltungszustand der Biberpopulation sicherzustellen.

Die erste Säule des bayerischen Bibermanagements bezieht sich auf die Information und Beratung der Betroffenen. Dies ist vor allem Aufgabe der unteren Naturschutzbehörden, der Biberberater und der Bibermanager.

Ein Hilfstrupp für das Nagetier

Mit Wolfgang Lappe hat der Landkreis Haßberge seit einigen Jahren einen Biberberater. Weil die Konflikte mit Bibern immer weiter zunehmen und teilweise auch immer zeitaufwendiger werden, ist es wichtig, eine weitere Biberberaterstelle zu schaffen, heißt es in der Beschlussfassung der kommenden Kreistagssitzung, welche ursprünglich am 11. Januar stattfinden sollte, nun jedoch abgesagt werden muste. Bereits im Umwelt- und Werkausschuss erfolgte am 19. November eine Vorbehandlung, wie die Pressesprecherin des Landratsamtes Haßberge, Monika Göhr, berichtet.

Damit es bei der Bearbeitung von Fällen nicht zu Überschneidungen kommt, sollen feste Zuständigkeitsbereiche festgelegt werden. Lappe soll die Gemeindegebiete der Verwaltungsgemeinschaft Ebern, der Gemeinde Untermerzbach und der Marktgemeinde Maroldsweisach übernehmen. Die neue Stelle wird für den Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim und der Stadt Königsberg vorgesehen. Der südliche Bereich des Landkreises soll weiterhin durch die amtlichen Naturschutzfachkräfte betreut werden.

"In der Regel sollen sich Bürger bei der Unteren Naturschutzbehörde melden, wenn sie ein Biberproblem haben. Dann kommt derjenige Biberberater, der für den Bereich zuständig ist, rausgefahren", erklärt Manfred Husslein. "Die Beratung ist die erste Säule des Bibermanagements."

Prävention und Entschädigung

"Unsere zweite Säule ist die Prävention, also muss man sich fragen: Wie kann ich Schäden vermeiden?", erklärt Husslein. Da der Biber unter Naturschutz steht, dürfe dieser nicht einfach von Privatpersonen vertrieben oder erlegt werden. Hussleins Tipp für Grundstückseigentümer, deren Bäume angenagt werden: einen etwa einen Meter hohen Hasengitterdraht mehrfach um den Stamm wickeln.

Werden Schäden ausgeglichen?

"Die dritte Säule ist der Schadensausgleich, der gilt für landwirtschaftliche Schäden, forstwirtschaftliche Schäden und für Einbrüche", so der Biberberater. Zu landwirtschaftlichen Schäden zählen beispielsweise Flächen, die durch Biberdämme überstaut sind, oder Ernteausfälle, wenn Biber in die Felder gehen und den Ertrag fressen. Dann muss die beschädigte Fläche begutachtet, die Quadratmeter ausgerechnet werden. So wird der Ernteausfall berechnet und entschädigt.

Forstwirtschaftliche Schäden entstehen dann, wenn der Biber im (Privat-)Wald Bäume annagt. "Da wird je nach Baumart und Durchmesser unterschiedlich entschädigt", so Husslein. Gefahren bestehen vor allem dann, wenn Bäume umfallen - gerade in der Nähe von Bahngleisen sei das nicht zu unterschätzen.

Bei Einbrüchen, so Husslein weiter, wenn der Biber im Ufer Höhlen und Gänge gräbt, können Ausgleichszahlungen beansprucht werden, zum Beispiel dort, wo Felder einstürzen oder gar Fahrzeuge wie Traktoren einbrechen. Auch gewerbliche Teichanlagen werden entschädigt, private Kleingartenanlagen werden aber nicht berücksichtigt. "Das ist oft ärgerlich, weil die Person keinerlei Nutzen vom Biber hat, die Schäden aber nicht einreichen kann."

Entnehmen oder vergraulen?

"Generell sind bei privaten Grundstücken die Hürden hoch, einen Biber zu entnehmen. Hier müsse man eher versuchen, den Biber zu vergrämen", erklärt Husslein. Zum Beispiel hat ein Biber in Rügheim im Dorfbach einen Damm gebaut, wodurch die Keller der Bewohner unter Wasser liefen. Dann hat man den Biberdamm sofort entfernt. "Das ist eine Möglichkeit, den Biber zu ärgern, dass er dann woanders hingeht", so der Biberberater.

Bei Mühlkanälen, Kläranlagen und gewerblichen Teichanlagen, wo der Biber nistet, besteht im Gegensatz dazu die Möglichkeit, dass man den Biber entnimmt, das bedeutet, ihn einfängt und tötet. "Man kann ihn nicht woanders aussetzen, weil die andern Stellen schon besetzt sind." Früher konnte man die Biber zum Beispiel ins Ausland senden, da dort keine Population herrschte. "Aber die Zeiten sind auch vorbei."

Keine Angst vor Überpopulation

Die Sorge, dass sich der Biber weiter verbreiten wird, bestehe nicht, "weil alle Gewässer bereits besetzt sind und die Tiere ihre Reviere verteidigen. Die Kurve flacht also wieder ab. Auch werden immer häufiger Biber überfahren", so der Biberberater. Seit 2006 waren es etwa 120 Stück.

Doch der Biber liefert nicht nur Gründe zum Ärgern - im Gegenteil: "Aus unserer Sicht gibt es viele Vorteile, die der Biber hat", stellt Husslein klar. Wie keine zweite heimische Art gestaltet er mit Dämmen und durch Fällen von Bäumen seinen Lebensraum und schafft durch veränderte Flussläufe, gestaute Wasserbecken und Totholz dynamische Biotope. Davon profitieren zahlreiche Tierarten wie Vögel, Fische und Insekten.