Matthias Einwag Große Kriege bestimmten die europäische Geschichte in den vergangenen beiden Jahrhunderten. Vielen Soldaten, die aus den Feldzügen zurückgekehrten, war es ein Anliegen, unter ihresgleichen zu sein, unter jenen, die Ähnliches durchgemacht und überlebt haben. Denn mit dem Grauen des Krieges ist es so eine Sache: Über traumatisch-unvergessliche Erlebnisse zu sprechen, fällt schwer. Vor allem den Angehörigen gegenüber schwiegen Großväter, Väter, Brüder und Onkel in den meisten Fällen. Sie wollten das Grauenvolle nicht in ihrem Alltag thematisieren, weil es für sie ohnehin ein lebenslanger Alptraum war. Ihnen fiel es leichter, unter Kameraden zu sein, die wussten, wie schlimm ein Krieg ist und in welche Gewissensnöte er den Einzelnen bringen kann.

Das Unfassbare bewältigen

Vor diesem Hintergrund entstanden nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 die ersten Krieger- und Veteranenvereine. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg fanden sich wieder heimgekehrte Soldaten zusammen und gründeten Vereine. Die Geselligkeit mag ein Grund gewesen sein. Aber sicher spielte es auch eine Rolle, dass die Heimkehrer gemeinsam das Unfassbare bewältigen wollten - und es war ihnen wichtig, an jene zu erinnern, die gefallen sind, seither vermisst werden oder schwer verwundet an Körper und Seele dahinsiechen.

In Wolfsdorf taten sich im Februar 1957 etwa 50 Männer zusammen, um einen Kriegerverein zu gründen. Sie besteht noch immer, hat derzeit 48 Mitglieder und kümmert sich gemeinsam mit der Feuerwehr, den Blumen- und Gartenfreunden sowie der Theatergruppe "Etza fei Bühne frei" um das gesellschaftliche Leben in dem 300-Einwohner-Dorf. Gemeinsam zeichnen die vier Vereine seit vielen Jahren für das kulturelle Leben im Dorf verantwortlich: Dorfgemeinschaftsabende werden zum Beispiel in der Alten Schmiede veranstaltet. Den Terminplan dafür gestaltet im jährlichen Wechsel einer der vier Vereinsvorstände. Und auch die Kirchweih wird von Feuerwehr, Gartenfreunden und Soldatenkameradschaft ausgerichtet.

Im gesellschaftlichen Leben aktiv

Die vereinsinternen Veranstaltungen seien von Jahr zu Jahr ähnlich, sagt Thomas Hümmer, der seit 2009 Vorsitzender der Soldatenkameradschaft ist: "Gemeinsam mit der Feuerwehr organisieren wir das Johannisfeuer. Jedes zweite Jahr wird ein Vereinsausflug gemacht - wir waren beispielsweise schon in Karlsbad, Dresden und Mödlareuth. Auch die Kirchweih veranstalten wir mit, und zum Volkstrauertag Ende November legen wir nach dem Gottesdienst in der Kapelle einen Kranz nieder."

Das Gedenken wach halten

An die Kriegsopfer und an das schwere Leben der Hinterbliebenen zu erinnern, sei den Vereinsmitgliedern sehr wichtig, sagt der 55-Jährige: "Das Erinnern ist die Basis einer Soldatenkameradschaft." In diesem Jahr, fährt er fort, könne die Kranzniederlegung wegen der Pandemie leider nur im kleinen Kreis gemeinsam mit einigen Feuerwehrangehörigen stattfinden.

In den Anfangsjahren der Soldatenkameradschaft, sagt Thomas Hümmer, der die Chronik gewälzt hat, sei es um die Finanzen nicht so gut bestellt gewesen. Deshalb seien kleine Feste ausgerichtet worden, um Geld einzunehmen. Das Hähnchenessen im alten Steinbruch oberhalb von Wolfsdorf oder die ersten Theaterabende gehörten dazu. Schon kurz nach Gründung der Kameradschaft fanden die ersten Theateraufführungen der Laienschauspieltruppe im Saal der damaligen Wolfsdorfer Gaststätte statt.

Wegen der seit einigen Jahren ausgesetzten Wehrpflicht sei inzwischen mit wenig Nachwuchs zu rechnen, sagt Thomas Hümmer. Die übergeordneten Verbände seien aufgefordert, stärker um Mitglieder zu werben. In Wolfsdorf geschehe das bereits. "Seit der Gründung der Schießgruppe 2009 haben wir 20 neue Mitglieder, vor allem Jugendliche, dazugewonnen", berichtet der Vorsitzende. Den Jugendlichen sei der Schießsport wichtig, man müsse ihnen etwas bieten, sagt Hümmer, und der Schießsport sei dafür eine gute Grundlage: "Ich sehe das als einzige Möglichkeit, neue Mitglieder in den Verein zu bekommen." Mit Erlaubnis der Eltern dürfen Jugendliche ab zwölf Jahren mit dem Luftgewehr schießen. Die Wolfsdorfer schießen in Absprache mit dem Ebensfelder Schützenverein in dessen Schießanlage am Wolfsanger.

Keine Konkurrenz für Schützen

Für ihn, den Ungedienten, sei es im Vorfeld ein erheblicher bürokratischer Aufwand gewesen, sagt Hümmer. Um die Schießgruppe betreuen zu dürfen, habe er den Schießleiter- und einen Waffen-Sachkundelehrgang machen müssen. "Wir sind keine Konkurrenten der Schützenvereine", ergänzt er, "denn jemand, der bei der Soldatenkameradschaft Mitglied ist, geht nicht automatisch in einen Schützenverein." Was die Vereinsarbeit angehe, sei es in einem kleinen Dorf leichter als in einem größeren Ort, wo es anonymer zugehe.

Begegnungsstätte in Wolfsdorf ist das Vereinsheim, die Alte Schmiede. In Planung sei jedoch der Bau einer Kulturhalle und einem Gemeinschaftshaus. Thomas Hümmer: "Wir warten nun darauf, dass diese Pläne von der Stadt Bad Staffelstein umgesetzt werden." Neben und auf dem jetzigen Sportplatz soll dieses Projekt verwirklicht werden. Die Theatergruppe, sagt Hümmer, werde ihre Auftritte dort künftig mit einer festen Bühne besser bewerkstelligen können. Bisher traten die Laienschauspieler in der Landwirtschaftshalle von Andreas Weiß auf, die zu diesem Zweck vorher jedesmal ausgeräumt und geputzt werden musste.

"Ich möchte, dass unser Verein noch viele Jahre weiterbestehen kann", antwortet Thomas Hümmer auf die Frage nach der Zukunft der Soldatenkameradschaft. "Wir wollen wegkommen von dem etwas antiquierten Image des Soldat-Seins, auch wenn uns Tradition sehr wichtig ist."

Leider fehlt mittlere Generation

Schon jetzt sei es gelungen, junge Leute zum Mitwirken im Vereinsausschuss zu bringen. Das jüngste Mitglied des Vereins ist 17, das älteste, einer der letzten Kriegsteilnehmer, ist 88 Jahre alt. Leider fehle die mittlere Generation der 45- bis 60-Jährigen fast ganz. "Uns muss es gelingen, die Mitglieder der Schießgruppe im Verein zu integrieren", resümiert der Vorsitzende.

"Ich werde alles dran setzen, dass ich irgendwann in der Zukunft einen Nachfolger haben werde", sagt Thomas Hümmer. "Das wird ohne Zweifel schwierig, aber ich werde nicht kampflos hinnehmen, dass der Verein eines Tages aufgelöst wird."