Hat der Angeklagte in den Wäldern um Neudrossenfeld, Eckersdorf und Bindlach gezündelt oder nicht? Eine Frage, die auch nach der Verhandlung vor der Berufungskammer des Landgerichts Bayreuth noch nicht endgültig beantwortet ist. Denn die Verteidigerin des Beschuldigten, Doris Benker-Roth, kündigte an, dass sie in die Revision gehen und das neuerliche Urteil - es lautete auf elf Monate Freiheitsstrafe - anfechten wird.

Den jungen Mann aus dem Landkreis Bayreuth, Jahrgang 1995, hatten die Ermittlungsbehörden seit geraumer Zeit in Verdacht, mehrfach Feuer gelegt zu haben. 2017 stand er deswegen schon einmal vor Gericht. Im Januar 2020 wurde er erstmals verurteilt - zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Rotes Auto im Wald

Zwei Monate später wurde er erneut festgenommen. Er soll für eine Serie von fünf Waldbränden im März verantwortlich gewesen sein. Der Verdacht fiel auf ihn, da Zeugen entweder ihn in der Nähe der Tatorte gesehen haben wollten oder einen roten Kleinwagen, dessen Beschreibung auf sein Auto passte. Es wurde Untersuchungshaft angeordnet, und im Oktober fand die erste Verhandlung vor dem Amtsgericht Bayreuth statt.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten vier vollendete und eine versuchte Brandstiftung zur Last. Laut Anklage brannten am 18. März in der Nähe des Eckersdorfer Ortsteils Lahm 7000 Quadratmeter Wald. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Der Schaden belief sich auf 2800 Euro.

Drei Tage später soll der Mann im Unterholz bei Bindlach-Buchhof gezündelt haben - das Feuer ging aber von selbst aus.

Am 22. März wurde die Feuerwehr zweimal alarmiert: Einsatzort war jeweils der Neudrossenfelder Ortsteil Jöslein. Ein Böschungsbrand und ein brennender Reisighaufen wurden so frühzeitig entdeckt, dass kein größerer Schaden zu beklagen war.

Ein Waldbrand auf 1200 Quadratmetern bei Eckersdorf-Busbach bildete am 23. März den Abschluss der Serie. Der Schaden hier: 480 Euro. Das Amtsgericht Bayreuth ging von einer lückenlosen Indizienkette aus und verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

U-Haft: Ende der Brände

Beim Schuldspruch spielte es auch eine Rolle, dass die Brandserie aufhörte, als der Verdächtige in Untersuchungshaft saß. Gegen das Urteil legte die Verteidigung Berufung ein. Rechtsanwältin Benker-Roth aus Bayreuth hielt die Entscheidung in erster Instanz für fehlerhaft und erzielte beim Landgericht jetzt einen Teilerfolg.

Wie Justizsprecher Clemens Haseloff auf Anfrage mitteilte, wurde der Mann, der die Taten abstritt, wegen Herbeiführens einer Brandgefahr in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt.

Dreimal Freispruch

Das Gericht stützte sich hierbei auf Zeugen, die das rote Auto bei Jöslein gesehen hatten, wie es in den Wald hinein- und wieder herausfuhr, sowie auf einen Walker, dem der Mann in der Nähe des Waldwegs zwischen Buchhof und Herrmannshof aufgefallen war. In den drei anderen Fällen wurde der Angeklagte freigesprochen.

Es gab keine Zeugen, so dass nach Ansicht der Kammer die Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichten. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und zehn Monate gefordert, die Verteidigung Freispruch.

Stattgegeben wurde dem Antrag von Rechtsanwältin Benker-Roth, den Haftbefehl aufzuheben. Ihr Mandant hatte mit der Untersuchungshaft ohnehin schon fast die komplette Strafe von elf Monate abgesessen. Sie sprach von einem "falschen Urteil". Mit der Revision "möchte ich auch die beiden Fälle noch wegbringen".

Sie verwies auf widersprüchliche Aussagen, zeitliche Diskrepanzen und unterschiedliche Wahrnehmungen von Zeugen, die etwas gesehen haben wollen. Die Revision habe weniger damit zu tun, dass nach der Verurteilung eine Bewährung ihre Mandanten widerrufen werden könnte. Somit ist das Berufungsurteil nicht rechtskräftig.