Heimat ist dort, wo man geboren ist und wo das Herz sich wohl fühlt. Diese Weisheit hat auch der 90-jährige Hermann Walter verinnerlicht. Obwohl der gebürtige Willmersreuther seine Heimat schon 1950 verlassen hat, schlägt sein Herz nach wie vor fränkisch. "Ich habe meine Heimat immer geliebt und bin immer wieder gerne nach Oberfranken gefahren", sagt Walter. Solange seine Mutter noch lebte, habe es ihn immer wieder nach Hause gezogen. Inzwischen sind die Besuche selten geworden. Nur seine Schwester lebt noch in Franken: in Coburg.

Die Verbindung zur Heimat hat Hermann Walter dennoch nicht verloren. Er hat noch immer "seine" Bayerische Rundschau abonniert. In Papierform, "so wie es sich gehört", sagt er. Der gelernte Schriftsetzer hat einige Jahre in Hildesheim gearbeitet und kam schließlich nach Düsseldorf, wo er eine Kunstgalerie betrieben hat. Moderne Kunst ist seine Passion. Inzwischen hat er sich in Ratingen zur Ruhe gesetzt. Endlich hat er Zeit, die BR von vorne bis hinten durchzulesen.

Ein Freund der Geschichte

"Mich interessiert alles, was mit der Geschichte zu tun hat", erzählt Hermann Walter. Offen gibt er zu, dass er die Akteure der Lokalpolitik inzwischen nicht mehr so recht kennt. "Was mich wirklich erstaunt, ist, dass sich die Kulmbacher nicht einig werden, wie man auf die Burg kommen soll. Oben ist doch Platz genug, um zu parken, und stark besucht ist die Plassenburg auch nicht", sagt der Senior. In den letzten Monaten hat er viele Dinge aus seiner alten Heimat mitbekommen, zum Beispiel dass der Kaufplatz abgerissen worden ist. Sehr gerne würde er einmal wieder etwas über Ausgrabungen oder historische Funde lesen.

Sehr häufig liest Walter die BR in seinem "Franken-Zimmer". Dort hängen Bilder von der Plassenburg, alte Landkarten, Drucke und historische Dokumente. "Wen es interessiert, der bekommt auch eine kleine Führung durch mein Franken-Museum", lacht Walter.

Doch der ist nicht der einzige Fan der Bayerischen Rundschau in Ratingen. Wenn Walter die Zeitung aus seiner alten Heimat ausgelesen hat, gibt er sie an Familie Bach weiter. "Mir ist es nicht so wichtig, dass die Zeitung aktuell ist. Aber ich möchte darin blättern, ich brauche die Haptik", sagt Rolf-Werner Bach. Er holt die "ausgelesenen" BR-Exemplare gerne vom anderen Ende der Stadt ab. Bach stammt aus Würzburg, hat aber durch seine Frau Christa einen besonderen Bezug nach Wartenfels. Denn dort lebt Christa Bachs Vater am höchsten Punkt des Örtchens.

"Ich mag die lokale Berichterstattung richtig gerne. Ich schaue immer, wer Geburtstag hatte. Und ganz besonders mag ich die kleinen Kulturveranstaltungen", sagt Christa Bach. Sie freue sich, wenn sie Bilder von der Gartenausstellung in Heinersreuth sehe oder wenn Edina Thern mal wieder was mache. "Die kleinen Kulturveranstaltungen finde ich einfach wunderbar", schwärmt sie. Auch Konzertkritiken und kleine lokale Provinzanekdoten lese sie gerne.

Frühling auf dem Balkon

"Mich interessiert es einfach, wenn eine Feuerwehr ein neues Auto bekommt, weil ich viele Leute in und um Kulmbach kenne. Und die Berichte sind viel ausführlicher und schöner als bei uns in der Rheinischen Post", sagt Christa Bach. Wenn sie es einrichten kann, besucht sie am Rande ihrer Besuche in Wartenfels Konzerte und kleine lokale Kulturevents in Kulmbach. Sie liebt den Literaturverein, mag Poesie.

Jetzt im Frühling liest Christa Bach die Bayerische Rundschau gerne auf dem Balkon - mit Blick über das Bergische Land. "Und jedes Mal werden Erinnerungen wach: Früher lag so viel Schnee in Wartenfels, dass wir mit den Skiern direkt am Haus loswandern konnte", erzählt Bach und fügt hinzu: "Für mich ist Oberfranken ein Stück Heimat."

Einfach die Online-Ausgabe zu abonnieren, ist für die Fans aus dem Westen der Republik übrigens keine Alternative. Sie warten lieber, bis die Post die "Bayerische Rundschau" ins mehr als 800 Kilometer weit entfernte Ratingen bringt. "Wir sind richtige Zeitungsleser. Wir haben auch ,Die Zeit‘, da informieren wir uns überregional. Aber die Geschichten aus Oberfranken, aus Kulmbach und Umgebung, die gibt es eben nur in der Bayerischen Rundschau", sagt Rolf-Werner Bach.