Vor 30 Jahren hat alles begonnen. 1988 wurde in Fürth erstmals ein Wochenende für Jiddisches Lied initiiert, aus dem sich über die Jahre eines der international renommiertesten Klezmerfestivals entwickelte. Das Fürther Festival steht für Tradition und Innovation und für den Blick über den Tellerrand hinaus, was seit 2016 der Untertitel "& Jewish Music Today" unterstreicht. Die 16. Ausgabe dieses Festivals findet jetzt vom 9. bis 18. März statt.
Die Anhänger des eher klassischen Klezmer kommen am Eröffnungswochenende auf ihre Kosten. Zum Auftakt spielt am 9. März die legendäre Klezmer-Violinistin Alicia Svigals mit erlesenen Musikern ihres Klezmer Fiddle Express - die Grande Dame der New Yorker Klezmerszene, die das Klezmer-Revival der 1980er Jahre maßgeblich mitbestimmt hat. Das Spätkonzert bestreitet das Trio Yas um den Weltklasse-Klarinettisten Christian Dawid (er leitet auch wieder die Musikworkshops).
Traditionell im doppelten Sinn geht es beim 2. Boarisch-Jiddischen Danzl-Hoyz zu, wenn die Well-Buam bayerische Tänze anleiten und Guy Schalom mit dem Yiddish Dance Trio Berlin jiddische Tänze hineinmischt (10. März). Schon einmal in Fürth zu Gast, feiert das Schweizer Bait Jaffe Klezmer Orchestra diesmal sein 25-jähriges Bühnenjubiläum (11. März).
Längst sind Klezmermusiker weltweit unterwegs, saugen andere Musikstile auf, tunen Altbekanntes und finden ihren ganz eigenen Zugang zum Klezmer, so das Aletchko Trio um den russischen Geiger Alexey Kochetkov aus dem Schmelztiegel Berlin (15. März), und am 16. März das multinationale Vienna Klezmore Orchestra, das Klezmer in großer Besetzung mit Jazz und wienerischem Charme ins Heute transportiert und das Di Gasn Trio aus Israel beim Spätkonzert dieses Abends.
Aus Israel kommen zwei weitere musikalische Highlights: Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme interpretiert Mor Karbasi sephardische Lieder zwischen persischer und marokkanischer Tradition (14. März), wogegen das Ensemble Gulaza geheime Lieder jemenitischer Frauen präsentiert, die diese von Generation zu Generation weitergegeben haben (15. März).


Die Frau der ersten Stunde kommt

Alles begann 1988 mit einem Wochenende für Jiddisches Lied. Die Frau der ersten Stunde war Jalda Rebling. Die Sängerin und Kantorin ist beim 30-Jährigen wieder dabei, mit einem Konzert am 13. März und im Dokumentarfilm "Jalda und Anna", den das Kino Uferpalast im Begleitprogramm zeigt.
Das Internationale Klezmer Festival Fürth hat es sich auf die Fahnen geschrieben, auch die aktuelle jüdische Musikszene zu beleuchten und damit einen Raum zu schaffen für lebendige deutsch-jüdische Gegenwartskultur. In diesem Gedanken wagt das Kulturamt Fürth ein besonderes Abschlusskonzert. Nicht noch mal die große Party - die gibt es am 17. März mit Klezmafour und Ramzailech - sondern ein klassisches Konzert mit dem Orchester Jakobsplatz München, unter der Leitung von Daniel Grossmann, das in einer Neukomposition eine Jüdische Hochzeit vom Junggesellenabschied bis zum Brauttanz musikalisch beschreibt (Stadttheater, 18. März). Als besonderes Intro gibt es vorab ein Soloviolinkonzert von und mit Pawel Zalejski, dem in Fürth lebenden Primgeiger des Apollon Musagète Quartetts.
Das Begleitprogramm ist wieder vielfältig: Sonntags-Brunches und 5-o´clock-Klezmer, Musik- und Tanzworkshops, Filme und Führungen - was gut ist, darf bleiben. Auch im 30. Jahr.
Karten gibt es an sämtlichen Vorverkaufsstellen sowie im Internet auf www.reservix.de bzw. www.ticketonline.de (für das Konzert im Stadttheater Fürth). Weitere Infos unter www.klezmer-festival.de. red